Survival-Show von Pro Sieben "Wild Island" ruft Tierschützer auf den Plan

Mittwoch, 04. November 2015
Die Abenteurer müssen vier Wochen lang auf "Wild Island" überleben
Die Abenteurer müssen vier Wochen lang auf "Wild Island" überleben
Foto: Pro Sieben
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Wild Island ProSieben Abenteuershow Tierschützer YouTube


Am Sonntag geht bei Pro Sieben die Abenteuershow "Wild Island" auf Sendung. In der Sendung müssen sich 14 Abenteurer vier Wochen lang ohne jede Hilfe auf einer einsamen Insel durchschlagen und jagen dabei auch wildlebende Tiere. Ein Trailer zur Show hat nun Tierschützer auf den Plan gerufen. Der Sender wehrt sich entschieden gegen den Vorwurf der Tierquälerei.
In dem Trailer zu "Wild Island" ist unter anderem zu sehen, wie die Kandidaten versuchen, einen Pelikan zu fangen und einen Rochen mit einem Stock an den Strand schieben. Unter dem Hashtag #Stopwildisland formiert sich in sozialen Netzwerken nun Protest gegen die Sendung. Der Vorwurf: Tierquälerei. Speerspitze der Protestwelle ist die Youtuberin Barbierella, die bei Youtube auf rund 220.000 Abonnenten kommt. In einem Video mit dem Titel "TV-Sender fördert Tierquälerei" wirft sie dem Sender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor. Die Kandidaten hätten "von der Materie null Ahnung". Am Ende des Clips ruft sie die Nutzer dazu auf, Pro Sieben via Twitter und Facebook die Meinung zu sagen. Auch auf Facebook hat die Tierschützerin eine Seite mit dem Titel "Stop Wild Island" eingerichtet, die auf knapp 3000 Likes kommt (Stand: 4. November). Am Mittwoch retweetete auch Youtube-Star Simon Unge das Video.

Pro Sieben reagiert offensiv auf die Kritik. "Uns gefällt, dass im Zusammenhang von über Leben und Tod von Tieren diskutiert wird. Die Debatte ist wichtig", twitterte der Sender am Dienstagabend, schaltete aber zeitweise auch auf Angriff: "Hast du mal eine Hühner-Mastfarm besucht? Hast du mal einen modernen Schweinestall gesehen?", antwortete der Sender auf einen Tweet, in dem ein Nutzer argumentiert, in der industriellen Massentierhaltung würden Tiere von "Facharbeitern verarbeitet". "Liebe -Fans, schaut euch gerne an, bildet euch ein Urteil - und beschimpft uns dann", versuchte der Sender die Diskussion bei Twitter zu beenden.

Zugleich wehrt sich Pro Sieben gegen den Vorwurf der Tierquälerei. Die Kandidaten seien von einem Survival-Experten "im artgerechten Erlegen von Tieren geschult" worden, teilt der Sender auf Anfrage mit. Zudem befinde sich unter den Abenteurern ein Jäger. Tiere, die unter Artenschutz stehen, dürften von den Kandidaten nicht gejagt werden.

In der Sendung werde außerdem nicht gezeigt, wie ein Tier getötet wird. Es gehe bei "Wild Island" vielmehr darum, zu zeigen, wie Menschen auf Extremsituationen reagieren: "Dass das Töten eines Tieres erst das Schnitzel oder das Grillwürstchen möglich macht, wird von vielen Menschen gerne verdrängt. In 'Wild Island' geht es mehr um die Frage 'Wie verändert echter Hunger meine persönlichen Werte?' als um das Töten eines Tieres."

Überraschend kommen die Vorwürfe gegen das Format indes nicht. Auch in England, wo die Sendung unter dem Titel "The Island with Bear Grills" seit 2014 erfolgreich läuft, hatte es Kritik gegeben, nachdem die Kandidaten einen Kaiman getötet hatten. Die britische Aufsichtsbehörde Ofcom hatte die Beschwerden allerdings als unbegründet zurückgewiesen. dh
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