Süddeutsche.de Nutzer von Adblockern sollen sich registrieren

Dienstag, 25. Oktober 2016
Die "Süddeutsche Zeitung" richtet sich direkt an Nutzer von Adblockern
Die "Süddeutsche Zeitung" richtet sich direkt an Nutzer von Adblockern
Foto: Screenshot sueddeutsche.de

Nach "Bild" und "Geo" wappnet sich nun auch die "Süddeutsche Zeitung" gegen Adblocker - allerdings gehen die Münchner einen etwas anderen Weg als die Kollegen in Berlin und Hamburg: Wer eine Werbung unterdrückende Software installiert hat und diese nicht deaktivieren will, muss sich ab sofort bei sueddeutsche.de registrieren, um weiterlesen zu können. 
Nutzern von Werbeblockern wie Adblock Plus begegnet beim Öffnen der Homepage seit Anfang der Woche ein Banner mit dem Text: "Vielen Dank, dass Sie SZ.de besuchen, aber bitte deaktivieren Sie ihren Adblocker für unsere Seite, um weiterlesen zu können". Wie das geht, wird gleich mit erklärt. Mit einer solchen Maßnahme hatte die "Financial Times" erstaunliche Ergebnisse erzielt. Demnach deaktivierten 40 Prozent der Nutzer ihren Adblocker nach dem Appell freiwillig. Wer die Werbung auf der Website dennoch weiterhin blockieren will, muss sich registrieren. Des Weiteren haben die Nutzer die Möglichkeit, sich für das Bezahlmodell SZ Plus anzumelden, um das Webangebot der "Süddeutschen" ohne Einschränkungen nutzen zu können.
Eine Anleitung zur Deaktivierung des Adblocker wird ebenfalls geliefert
Eine Anleitung zur Deaktivierung des Adblocker wird ebenfalls geliefert (Bild: Screenshot sueddeutsche.de)
Wer sich registriert, willigt damit in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Süddeutsche Zeitung GmbH ein und erklärt sich damit einverstanden, per Mail über weitere digitale Angebote informiert zu werden. Statt Nutzer mit aktiviertem Adblocker konsequent auszusperren, treten die Münchner damit in eine Art Dialog mit den Werbeverweigerern. Anders als bei Bild.de, wo Nutzer von Adblockern entweder zahlen müssen oder gar nicht lesen dürfen, macht die "Süddeutsche" den Lesern ein Angebot nach dem Motto: Es kann eine Form der friedlichen Koexistenz geben.


Mit der Aktion, über die "Meedia" zuerst berichtet hatte, verfolgt die Zeitung mehrere Ziele, wie es auf Nachfrage von HORIZONT Online heißt: Zunächst wolle man den Lesern, die einen Adblocker nutzen, eine Entscheidungsmöglichkeit einräumen sowie die Kommunikation mit diesen Lesern ermöglichen. Des Weiteren wolle man für das eigene Geschäftsmodell sensibilisieren sowie Inventar für die Werbevermarktung zurückgewinnen. Nicht zuletzt wollen die Verantwortlichen dazulernen. Etwa, "wie darauf folgende Schritte in der Gestaltung unseres Angebotes aussehen könnten und sollten. Auch als Basis für weitere Gespräche mit Mediaagenturen und Werbekunden."

Das Geschäftsmodell der "Süddeutschen" basiert bekanntlich auf zwei Säulen: Der Werbevermarktung sowie der Generierung von Abo-Erlösen. Im März des vergangenen Jahres führte die Zeitung für ihr Online-Angebot ein Bezahlmodell ein. Unklar ist noch, inwieweit die Daten der Adblocker-Nutzer praktisch als Ersatzwährung für entgangene Werbe- bzw. Abo-Erlöse nutzbar gemacht werden sollen. "Da wir erst seit Montagmorgen live gegangen sind, können wir hierzu leider noch nichts Konkretes sagen", heißt es hierzu aus München.
Werbeblocker Adbocker
Bild: Fotolia

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Klar scheint, dass die "Süddeutsche" nicht den Kontakt zu den Lesern verlieren will, die genervt sind von Online-Bannern und Video-Ads. Statt die Leser durch die Installation eines Adblockers vollendete Tatsachen schaffen zu lassen, setzen die Münchner auf Dialog und Wahlfreiheit. Damit will man ganz offensichtlich Software-Anbietern wie die Kölner Eyeo GmbH, die den Marktführer Adblock Plus entwickelt hat, entwaffnen. Deren Geschäftsmodell sei ohnehin zweifelhaft, wie SZ-Digital-Geschäftsführer Johannes Vogel im Juli bei den HORIZONT Digital Marketing Days im Angesicht von Eyeo-Geschäftsführer Tim Schumacher erklärte: "Das einzige Ziel von Eyeo ist es, von unseren guten Beziehungen zu Lesern und Anzeigenkunden zu profitieren. Ihr Geschäftsmodell bleibt dabei vollkommen instransparent", so Vogel damals.

Die "Süddeutsche" hatte zuvor bereits den juristischen Weg beschritten und hatte Adblock Plus vor das Landgericht München gezerrt. Die Klage wurde jedoch im Frühjahr abgewiesen. Ein Zusammenhang zwischen dem gescheiterten Verfahren und der neuen Anti-Adblocker-Initiative bestehe jedoch nicht, heißt es aus München. ire
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