Studie von Goetzpartners Wie Verlage mit Paid Content erfolgreich sein können

Montag, 28. Juli 2014
Goetzpartners zeigt Erfolgsstrategien für Paid Content auf (Bild: Coloures-pic/Fotolia)
Goetzpartners zeigt Erfolgsstrategien für Paid Content auf (Bild: Coloures-pic/Fotolia)


Wie kann man mit Paid Content im Netz erfolgreich sein: Für Verlage ist das in Zeiten sinkender Werbe- und Vertriebserlöse eine entscheidende Frage. Das Beratungsunternehmen Goetzpartners hat sich des Themas in der Studie "Paywall: Bezahlen oder Schranke. Erfolgsstrategien für Verlage im digitalen Zeitalter" angenommen und Wege aufgezeigt, wie Bezahlinhalte zu einem lohnenden Geschäft werden können.
Laut Goetzpartners sei die Zahlungsbereitschaft der Kunden im digitalen Bereich bis zu 89 Prozent geringer als für vergleichbare Printangebote. Die Gründe für die geringe Akzeptanz von Paid Content variieren dabei von hohen Preisen bis hin zu schlechten Bezahlmöglichkeiten, wie eine Untersuchung von Medianalyzer jüngst zeigte. Die Herausforderungen für die Verlage liegen für Geotzpartners jedoch nicht nur darin, die Kunden zu bekehren. Die Beratungsfirma macht 5 Hürden für den Erfolg von Paid Content im Netz aus.

Da sei zum einen die Kostenloskultur: Konsumenten seien es einfach nicht gewohnt, für Inhalte im Internet zu bezahlen. 82 Prozent der Befragten gaben an, das ihnen die kostenlose Verfügbarkeit von Netzinhalten sehr wichtig sei. Weiterhin sei die Omnipräsenz von äquivalenten Gratisinhalten problematisch. Zeitungen hatten früher ein Exklusivitäts-Monopol, heute konkurrierten sie mit Blogs und Social-Media-Plattformen. Die Nutzer können sich ihre Informationen heute selbst aufbereiten - teilweise automatisch per App. Inhaltlich mangele es darüber hinaus oft an Mehrwert. Konsumenten suchten zunehmend digitale Medienprodukte, die ihnen multimediale Zusatzfunktionen wie animierte oder interaktive Grafiken, Videos oder Kommentare bieten. 52 Prozent der Befragten haben dies Goetzpartners zufolge als wichtigen oder sehr wichtigen Grund für die Nutzung von Onlineinhalten angegeben. Wenn es ein Online-Bezahlangebot gebe, sei dies of zu hochpreisig. Derzeit verlangen Verlage der Studie zufolge schnell 1,50 bis 2 Euro pro Artikel. Die Preise sollten sich jedoch nicht an aktuellen Printpreisen orientieren, sondern vielmehr an über Marktforschung erhobenen Zahlungsbereitschaften der Nutzer. Zu guter Letzt stellt Goetzpartners mangelnde technologische Kompetenz der Verlage fest. Gerade in Sachen Software Engineering seien viele Medienunternehmen nicht auf dem neuesten Stand.

Damit Paid-Content-Angebote wirklich überzeugen, können Verlage laut Goetzpartners an bestimmten Stellschrauben drehen. Auf inhaltlicher Ebene gilt: Je exklusiver die Inhalte und Services, desto eher steigt die Zahlungsbereitschaft der Kunden. Dabei hat das Beratungsunternehmen sieben Kernbereiche identifiziert, die Potenzial für neue Erlösquellen bieten.

1. E-Learning:
Insbesondere Fachtitel können im E-Learning-Bereich - etwa durch Webinare oder Live-Chats mit Experten - Services mit Mehrwert bieten. Interaktive Weiterbildung eigne sich speziell für Businesskunden und damit für den B2B-Bereich.

2. Contentformate
Zeitungsverlage können etwa durch Dossiers zu bestimmten Themen dem Nutzer das mühsame Suchen nach Artikeln ersparen und so für Zusatznutzen sorgen. Dafür seien Nutzer oft bereit zu zahlen, so Goetzpartners. Auch der exklusive Zugang zu Live-Events wie Konzerten oder Sportveranstaltungen lasse sich gut hinter eine Bezahlschranke packen.

3. Tools, Applikationen und Mobile Apps
Anwendungen wie Kreditrechner oder Tools zum Vergleich von Versicherungen seien für viele Kunden von Interesse. Insbesondere in Verbindung mit Beratung durch Experten würden Kunden Geld für solche Angebote ausgeben.

4. Multimedia
Darunter fallen Mediatheken, interaktives Storytelling, interaktive Grafiken, Podcasts oder Content-Apps. Dies sei besonders geeignet, um Lesern Hintergründe und einen Gesamtüberblick zu vermitteln. Zudem würden solche Formate besonders gerne geteilt und weiterempfohlen, was zur weiteren Lesergewinnung beitragen kann.

5. Social Media
Hierüber könnte die Intergration der Leser erfolgen - und eine engagierte Fangemeinde sei wiederum interessant für Werbekunden.

6. Personalisierung
Nicht minder wichtig sei der Zuschnitt von Inhalten auf den Leser. "Der Kunde bezahlt nicht so sehr für den Inhalt, sondern viel mehr für das Format und die Exklusivität, wie er diesen Content konsumieren will", heißt es in der Studie.

7. Data & Search
Der Bereich sei geeignet für einen Bezahlbereich, weil Verlage hier ihre gesammelten Daten neu verlinken, mit zusätzlichen Informationen anreichern und neu aufbereiten können. "Die einst wenig nutzbaren Rohdaten werden für die unterschiedlichen Empfänger wie Businesskunden oder Werbekunden interessant", heißt es in der Analyse.

Für Verlage bedeutet dies, ihre Online-Angebote neu zu organisieren. "Es reicht nicht, die bestehenden Inhalte einfach mit einem Preisschild zu versehen. Die Verlage müssen hier Mehrwert bieten", sagt Alexander Henschel, Managing Director bei Goetzpartners. Auf die Verlage wartet ein großer, ungehobener Schatz: So erklären Goetzpartners zufolge 31 Prozent der Internetnutzer, die momentan noch kein Geld für journalistische Inhalte ausgeben, grundsätzlich zu diesen Ausgaben bereit zu sein - "das entspricht immerhin 12 Mio. potenziellen Neukunden." ire

Interessenten können die Studie hier bestellen: http://bit.ly/1pnG8TQ
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