Studie Screen Life Wer Kinder bekommt, sieht mehr fern

Freitag, 13. Mai 2016
Im Schnitt verbringt jeder Deutsche 221 Minuten pro Tag vor dem Fernseher
Im Schnitt verbringt jeder Deutsche 221 Minuten pro Tag vor dem Fernseher
Foto: Fotolia

Wie nutzen Millenials, also die in den 1980er und 90er Jahren Geborenen, heutzutage Medien und was sagt das über ihren Medienkonsum in der Zukunft aus? Werden sie auch künftig nur im Internet Video sehen oder kehren sie irgendwann in Scharen zurück zum linearen TV? Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, und die Forscher Kai Weidlich und Dirk Engel sind dieser Frage für die Studie "Screen Life 2016: Gratifikationen von Bewegtbild" nachgegangen, die sie auf dem Screenforce-Day präsentiert haben.

Dirk Engel, freier Dozent und Marktforscher, und Medien-Institut-Geschäftsführer Kai Weidlich haben dazu aktuelle Markt-Media-Studien ausgewertet, die sich mit der Mediennutzung von Zielgruppen in bestimmten Lebensphasen auseinandersetzen und anhand des "Uses & Gratifications"-Ansatz herausgearbeitet, welchen Einfluss Bedürfnisse auf die Entscheidung für ein Medium haben. Allensbach wiederum befragte repräsentativ 1400 Personen ab 16 Jahren face-to-face zu ihrer Mediennutzung. Zusätzlich gab es 20 Tiefeninterviews von 16- bis 34-Jährigen. Beides zusammen ergibt ein recht umfassendes Bild und es ist alles andere als schwarz oder weiß. "Es ist der Versuch, einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion zu leisten und seriös zu prognostizieren", sagt Weidlich.

Eines der spannendsten Ergebnisse: Es ist weniger das Alter, das für die Wahl des Mediums entscheidend ist, als vielmehr die Bedürfnisse, die die Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen haben und wie diese erfüllt werden. "Man sieht deutlich, dass die erste eigene Wohnung und das erste Kind einschneidende Ereignisse sind, die dazu führen, dass mehr TV gesehen wird", so Engel. Entspannung und Unterhaltung rücken als Bedürfnis in den Vordergrund und werden vom Fernsehen besser erfüllt als von Onlinemedien. "Die derzeitigen digitalen Mediennutzungsexzesse der jungen Generation beruhigen sich in späteren Lebensphasen deutlich", so Weidlich.

Mit der Frage, welche Entwicklungen nur von der Lebensphase abhängen, und welche auf einen sozialen Wandel hindeuten, bei dem die junge Zielgruppe vorausgeht, hat sich auch Allensbach-Chefin Renate Köcher im quantitativen Teil der Studie beschäftigt. Eine langfristige Veränderung zeichnet sich zum Beispiel bei der gezielten Informationssuche ab. Bei den Jüngeren steht hier das Internet auf Platz 1 (90 Prozent). In der Gesamtbevölkerung sind es 63 Prozent. "Da geht die junge Generation voran, denn kein anderes Medium ist für die gezielte Suche nach bestimmten Informationen vergleichbar geeignet", so Köcher.

Wenn es um Unterhaltung und Entspannung geht, liegt TV jedoch auch in der Allensbach-Befragung in fast allen Zielgruppen vorn. Bei den 16- bis 24-Jährigen geben noch 79 Prozent an, dass sie das Internet bevorzugt zur Entspannung nutzen, bei den 25- bis 34-Jährigen sind es jedoch nur noch 57 Prozent, während schon 80 Prozent TV dies zuschreiben.

Youtube und auch andere Formen der Videonutzung hält Köcher wie auch Weidlich und Engel für ein Phänomen, das eher Lebensphasengebunden ist. Ausnahme: Do-it-yourself-Videos und andere praktische Anleitungen, die im Alltag unterstützen. Je knapper die Zeit ist, um so weniger wollen sich die Menschen mit der Auswahl beschäftigen. "Es ist jedoch schwer zu prognostizieren, ob diese Korrelation so bleibt", so Köcher. pap

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