Studie NDR und SWR widersprechen Vorwurf der Boulevardisierung

Mittwoch, 02. Oktober 2013
Die Studie wurde im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung erstellt
Die Studie wurde im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung erstellt

Der Norddeutsche Rundfunk und der Südwestrundfunk wehren sich gegen die Darstellung, ihr Programm bestehe mittlerweile zu einem großen Teil aus Ratgeber- und Boulevardsendungen. Anlass für den Streit ist das Vorwort zu einer Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Studie. Darin schreibt der Geschäftsführer Jupp Legrand, die untersuchten Dritten Programme hätten sich "zu Ratgebersendungen entwickelt, in deren Mittelpunkt Garten, Kochen, Tiere stehen". Die Ergebnisse der Untersuchung mit dem Titel "Zwischen Boulevard und Ratgeber-TV" ließen "zumindest Zweifel daran aufkommen, dass die untersuchten Dritten ihren Programmauftrag voll erfüllen", interpretiert Legrand die Studie in seinem Vorwort. Weiter schreibt er: "Die Boulevardisierung insbesondere des SWR hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, das in etwa dem der privaten Konkurrenz entspricht." So liege der Informationsanteil des SWR "bei einem engeren Informationsbegriff", nämlich politischer Information und Berichterstattung über gesellschaftlich kontrovers diskutierte Themen lediglich bei rund 10 Prozent. Der "Spiegel" hatte aufgrund des Vorworts von Legrand vorab über die Ergebnisse der am Dienstag vorgestellten Studie berichtet und damit ein großes Presseecho ausgelöst.

Nun wehren sich SWR und NDR in erster Linie gegen die Interpretation der Ergebnisse, kritisieren die Studie teilweise aber auch methodisch. So lasse sich die im Vorwort behauptete Boulevardisierung des SWR Fernsehens aus der Untersuchung nicht herauslesen, betont der Südwestrundfunk. Der Anteil der "fernsehpublizistischen", also journalistischen Formate liege laut Studie bei 74 Prozent. Ebenso wenig würden die Wissenschaftler - Autor der Studie ist der Medienforscher Joachim Trebbe von der FU Berlin - Daten zu dem Vorwurf liefern, die Dritten Programme entwickelten sich zu Ratgebersendern.

Auch der NDR wehrt sich gegen die Darstellung im Vorwort der Studie und im "Spiegel". Eva Holtmannspötter, Leiterin der NDR Medienforschung betont: "Die Studie selbst zeichnet ein anderes Bild. Sie bescheinigt dem NDR Fernsehen einen mit mehr als 17 Stunden täglich sehr hohen Anteil an 'fernsehpublizistischen, also im weitesten Sinne journalistischen Sendungen'." Die Medienforscherin übt aber auch methodische Kritik an der Untersuchung: So sei man irritiert über die Verwendung der Kategorie "Human Touch", die ungewöhnlich breit gefasst sei. Dadurch würden auch Berichte über Katastrophen beispielsweise in der Sendung "Weltbilder" in dieser Kategorie aufgeführt.

Bei der Studie handelt es sich übrigens um eine rein quantitative Inhaltsanalyse der Programme von NDR und SWR. Ziel der Untersuchung ist die Darstellung der Informations- und Unterhaltungsanteile sowie des Anteils der regionalen Berichterstattung bei den beiden Dritten Programmen. Demnach liegt der Anteil an Sach- und Ratgeberthemen im Programm des SWR bei 43 Prozent, beim NDR immerhin bei 36 Prozent. Der Anteil der politischen Berichterstattung im engeren Sinne liegt dagegen bei 10 Prozent beim SWR und bei 13 Prozent beim NDR. Die Studie kann auf der Website der Otto-Brenner-Stiftung kostenlos heruntergeladen werden. dh
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