Studie "Fourscreen Touchpoints" TV hat die Nase vorn

Mittwoch, 01. April 2015
Wer bei laufendem Fernseher einen zweiten Bildschirm nutzt, wählt zum großen Teil ein  Smartphone.
Wer bei laufendem Fernseher einen zweiten Bildschirm nutzt, wählt zum großen Teil ein Smartphone.
Foto: IP Deutschland

Bewegtbild beherrscht alle Schirme – im Wesentlichen vier. Fernsehgeräte, PCs beziehungsweise Laptops, Tablets und Smartphones sind heutzutage Abspielfläche für filmische Inhalte aller Art. Der größte Teil der Bildschirmkontakte findet noch immer auf dem klassischen Fernseher statt. Das zeigt die Studie "Fourscreen Touchpoints" von IP Deutschland. Im Detail ist aber auch zu erkennen: Gerade die junge Zielgruppe wendet sich immer stärker dem Smartphone zu.
Für die Untersuchung hat IP Deutschland die Idee der Mindset-Studie aus dem Jahr 2007 aufgegriffen. Schon damals ließen die Forscher des Vermarkters die Probanden in stündlichen Abfragen über mehrere Tage berichten, mit welchen Medien sie gerade in Kontakt sind. Was damals noch über PDA ermittelt wurde, lieferten dieses Mal 1321 Teilnehmer via Smartphone. Wohlgemerkt: Nicht nur Besitzer eines eigenen Gerätes waren darunter, sondern auch 500 Teilnehmer, die entsprechend ausgerüstet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass bewegte Bilder der wichtigste Bestandteil der generellen Mediennutzung auf Screens darstellen und dass das TV-Gerät die wichtigste Quelle dafür ist. Die Studie blendet aber nicht aus, dass das gleichzeitige Nutzen mehrerer Bildschirme ebenfalls vorhanden ist, wenngleich auf niedrigem Niveau. So sind 82 Prozent der wöchentlichen TV-Kontakte exklusivem TV-Konsum vorbehalten, 18 Prozent verteilen sich auf mehrere Screens. Anders sieht es auch hier in der jüngeren Zielgruppe aus: Das Verhältnis ist dort 74 zu 26 Prozent im Durchschnitt, je nach Tageszeit kann es sich auch weiter in Richtung Multi-Screen-Nutzung verschieben.

86 Prozent der wöchentlichen Bruttokontakte mit Bewegtbild finden in der von IP Deutschland zur werberelevant erklärten Zielgruppe 14 bis 59 Jahre über klassisches lineares Fernsehen statt. Dass der Wert bei den Jüngeren (14 bis 25 Jahre) bei 76 Prozent liegt, wird von Vermarkterseite als positives Zeichen gewertet: Auch für die Jungen bedeute Bewegtbild eben vor allem lineares TV. Die umgekehrte Deutung könnte aber auch lauten, dass es für die Jüngeren eben nicht mehr die Relevanz hat wie für Ältere. Insbesondere der hohe Anteil von Kontakten mit Bewegtbild über Online (15 Prozent) lässt auch diesen Schluss zu.
Chart: Nutzung nach Plattformen
Chart: Nutzung nach Plattformen (Bild: Horizont)
Wer bei laufendem Fernseher einen zweiten Bildschirm nutzt, wählt zum großen Teil ein  Smartphone. Dass das handliche Gerät Computerbildschirmen klar vorgezogen wird, kann dabei nicht verwundern: Schließlich ist die Handhabung des Handys wesentlich komfortabler als ein heißer Laptop auf den Knien. Dass wiederum Tablets nur eine untergeordnete Rolle spielen, könnte auch mit ihrer niedrigeren Verbreitung  zusammenhängen. Unstrittig ist die Präferenz für das mobile Telefon als Second Screen innerhalb der jüngeren Zielgruppe. Ihre parallele TV-Nutzung ist auch erkennbar höher als die von 14- bis 59-Jährigen. Zwar nimmt sie im Tagsverlauf ab, zwischen 7 und 15 Uhr nimmt sie aber mehr als 30 Prozent ein.
Chart: Second Screens
Chart: Second Screens (Bild: Horizont)
Die Art von Bewegtbild, die auf den unterschiedlichen Bildschirmen genutzt wird, unterscheidet sich. Deutlich wird in der Studie, dass das Smart-TV-Gerät dabei noch nicht den Anschluss an die Online-/Internetwelt gefunden hat. Vielmehr greifen die User dort auf Online-Videotheken und  -Mediatheken zu, auf ein Angebot also, das weniger aktive Recherche verlangt. Filme, Videos und Clips spielen hingegen auf dem Smartphone die vorherrschende Rolle und dies insbesondere bei den Jüngeren. Auch hier könnte die Verbreitung eine Rolle spielen, ebenso wie möglicherweise die unter Jugendlichen verbreitete Vorliebe, sich gegenseitig kurze Clips und Videos aus dem Netz vorzuspielen.
Chart: Online-Bewegtbildkontakte
Chart: Online-Bewegtbildkontakte (Bild: Horizont)
Auch das Potenzial von einigen Internetplayernversucht die Studie in Relation zu klassischem TV zu setzen – und kommt zu dem Ergebnis, dass die binnen drei Tagen mögliche Nettoreichweite von Google (46 Prozent), Facebook (32 Prozent), Youtube (20 Prozent) und Twitter (4 Prozent) mit linearem TV (95 Prozent) in der Gesamtzielgruppe nicht mithalten kann. Sie nimmt für die Plattformen außerdem stark ab, je älter die Zielgruppe wird. Bei TV verhält es sich hingegen anders herum: Hier legt sie bei Älteren noch minimal zu.
Chart: Nettoreichweite der Plattformen
Chart: Nettoreichweite der Plattformen (Bild: Horizont)
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