"Streitbarer und interessanter" Pressestimmen zum "TV-Dreikampf"

Dienstag, 03. September 2013
Der "TV-Dreikampf" im Ersten wurde von einer reinen Männerrunde bestritten
Der "TV-Dreikampf" im Ersten wurde von einer reinen Männerrunde bestritten


Am Montagabend durften endlich auch "die Kleinen" ran: Gregor Gysi (Die Linke), Rainer Brüderle (FDP) und Jürgen Trittin (Grüne) warben beim "TV-Dreikampf" in der ARD kräftig für sich und ihre Parteien. Zwar war alles eine Nummer kleiner als beim großen TV-Duell tags zuvor (die Teilnehmer, die Zahl der übertragenden Sender, die Quoten), dennoch bot die Debatte der kleinen Parteien aus Sicht der Kommentatoren wesentlich mehr Gezänk als die Elefantenrunde am Vorabend - wenn auch nicht immer zum Vorteil des Zuschauers. Schlecht kommen hingegen die Moderatoren Jörg Schönenborn und Sigmund Gottlieb weg. HORIZONT.NET hat ausgewählte Pressestimmen zum TV-Dreikampf zusammengetragen.

Bild.de

Die beiden Moderatoren, WDR-Wahl-Experte Jörg Schönenborn und BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb, versuchten immer wieder dazwischen zu gehen. Doch das Duo war völlig überfordert. Die Kontrahenten verloren sich in Streit und Gezeter, redeten minutenlang einfach durcheinander, die Diskussion lief aus dem Ruder. (...) Unterm Strich ist dieses Duell-Format gescheitert. Beinahe müßig darüber nachzudenken, wer am Ende eigentlich gewonnen hat. Der Zuschauer hatte jedenfalls das Nachsehen!

Spiegel Online

Der Wettstreit der drei kleinen Parteien war wenigstens einer. Also kein Aneinandervorbei-Reden wie am Vorabend bei Angela Merkel und Peer Steinbrück, der Kanzlerin und ihrem SPD-Herausforderer. Dafür gebührt den drei Spitzenkandidaten zunächst einmal ein Lob. Rainer Brüderle (FDP), Jürgen Trittin (Grüne) und Gregor Gysi (Linke) wirkten munter, angriffslustig und gelegentlich auch witzig. Vor allem aber: Es ging zur Sache, auch wenn sich die drei Männer - keine Frau war dabei - manchmal derart ins Wort fielen, dass der Debatte kaum noch zu folgen war.

faz.net

Vielleicht hatten ja auch Schönenborn und Gottlieb mit den Streithähnen beim Dreikampf so richtig Spaß. Was das Moderatoren-Duo oder vielmehr die Regie dabei allerdings vollkommen aus dem Blick verlor, war eine ausgewogene Aufteilung der Sendezeit nach allen relevanten Themen der Wahl am 22. September. Ein Zuschauer, der nur diese Sendung zur Informationsgrundlage genommen hätte, musste hier geradezu den Eindruck gewinnen, dass Deutschland eine reine Wirtschaftswahl bevorsteht. Nicht mal auf die derzeit brisantesten Themen Syrien und NSA kam man hier zu sprechen - fast eine Bankrotterklärung eigentlich -, zumal auch die Bundeskanzlerin dazu am Vorabend herumlaviert und eine denkbar schlechte Figur gemacht hatte.

Welt Online

Zwar machte das regelmäßige Durcheinandergequatschte es nicht leichter, die Einlassungen der Kandidaten zu verstehen. Aber Streit gehört zum Wahlkampf, insofern war der Dreikampf nicht nur unterhaltsamer als das Duell am Vorabend. Sondern auch erhellender. Inhaltlich ergab sich bei den meisten der von den Moderatoren gewählten Themen nämlich eine klare Konstellation: Auf der einen Seite der Marktwirtschaftler Brüderle, auf der anderen die sozialen Wohltäter Trittin und Gysi.

Sueddeutsche.de

Ob es allerdings ein Gewinn ist, wenn ein einstündiges Rededuell so unkontrolliert aus dem Ruder läuft, steht auf einem anderen Blatt. Weder für den Zuschauer noch für die Moderatoren Siegmund Gottlieb und Jörg Schönenborn und wahrscheinlich auch nicht für die drei Streithähne dürfte dieser Abend so richtig viel gebracht haben. Viel zu lange in diesen sechzig Minuten ging es drunter und drüber, und dass sich die Moderatoren hin und wieder gegenseitig erklärten, dass wieder einer der Diskutanten ihnen nicht mehr so recht folgen wolle, sollte zwar lustig klingen, verbesserte den Gesamteindruck von diesem Abend aber auch nicht wirklich.

taz.de

Die reine Männerunde versprüht eine Stunde lang Testosteron. Dass die ARD es nicht geschafft hat, wenigstens eine Frau als Moderatorin aufzufahren, und dass die Grünen nicht Katrin Göring-Eckard in Rennen schickten, trübte den ansonsten gelungenen Politikshowabend. Auch wenn die wichtigen Themen Syrien und NSA-Überwachung nicht vorkamen. Man hätte sich den Dreikampf noch wenigstens 30 Minuten länger ansehen können, ohne sich mit Ausnahme freilich von politikertalkshowdauergenervten Menschen langweilen zu müssen. Auch wenn die Kontrahenten kaum mit neuen Ideen aufwarten konnten, waren sie streitbarer und interessanter als Merkel und Steinbrück. Der TV-Duell-Punkt geht an die kleinen Parteien.
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