"Stern" Das erwarten Mediaplaner von Christian Krug

Freitag, 22. August 2014
Die aktuelle Ausgabe des "Stern"
Die aktuelle Ausgabe des "Stern"


Am 1. Oktober startet Christian Krug, bislang Chefredakteur von Gruner + Jahrs People-Blatt "Gala", beim "Stern". Verabschiedet sich das Flaggschiff des Hamburger Verlags damit endgültig aus dem Nachrichten-Dreiergespann mit "Spiegel" und "Focus"? Höchstwahrscheinlich, glaubt zumindest ein Teil der Mediaplaner, mit denen HORIZONT nach der angekündigten Ablösung von Chefredakteur Dominik Wichmann gesprochen hat.


Thomas Nowack
Thomas Nowack

Thomas Nowack, Leiter Beratung Media Pilot Berlin

Wie beurteilen Sie den jüngsten Personalwechsel beim "Stern", also die Ablösung Dominik Wichmanns durch Christian Krug?
Der Abgang von Dominik Wichmann kam für mich dann doch überraschend. Es ist schade, dass es bei Gruner + Jahr offenbar keinen sonderlich langen Atem mehr gibt. Dabei war der "Stern" meiner Meinung nach auf einem guten Weg. Er wirkte aufgeräumt und strukturiert, die Themen waren interessant und innovativ.

Haben Sie besondere Erwartungen an den neuen Chef, wenn ja, welche?
Im Vergleich zu "Spiegel" und "Focus" hatte der "Stern" schon immer eine Sonderstellung, weil das so genannte Infotainment einen viel breiteren Platz eingenommen hat. Sich noch stärker in diese Richtung zu bewegen, würde ich Christian Krug aber nicht empfehlen. Das geht nach hinten los.

In welche Richtung kann sich der "Stern" Ihrer Meinung nach überhaupt noch entwickeln? Weder im Markt der Nachrichtenmagazine noch in dem der People-Blätter ist die Situation momentan sonderlich einfach.
Tendenziell sollte sich der Titel tendenziell eher in Richtung "Spiegel" bewegen. Hier ist die Berechtigung viel stärker vorhanden als im People-Bereich. Im Anzeigenbereich muss G+J dennoch eine Gratwanderung vollziehen. Je breiter der "Stern" sich positioniert, umso mehr verliert er an Trennschärfe und Profil. Vielleicht freuen sich einige Werbekunden, wenn es noch einen weiteren Titel als Alternative zu den ganzen anderen People-Blättern gibt. Wird der "Stern" aber zu bunt, verliert er auch bisherige Werbekunden wie Finanzdienstleister und Versicherungen, und die Entscheider verschreckt er. Nachhaltig ..."



Thomas Stennes
Thomas Stennes

Thomas Stennes, Head of Print bei Opera

Wie beurteilen Sie den jüngsten Personalwechsel beim "Stern", also die Ablösung Dominik Wichmanns durch Christian Krug?
Trotz der Gerüchte, die es ja schon ein bisschen länger gibt, dann doch sehr überraschend.

Haben Sie besondere Erwartungen an den neuen Chef, wenn ja, welche? Die klare und nachhaltige Positionierung des "Stern".

In welche Richtung kann sich der "Stern" Ihrer Meinung nach überhaupt noch entwickeln? Weder im Markt der Nachrichtenmagazine noch in dem der People-Blätter ist die Situation momentan sonderlich einfach.
Der "Stern" muss als "Stern" entwickelt werden! Nur in Richtung eines eigenen starken Profils, durch starke Berichte und die klare Position als eigenes Produkt kann die Entwicklung erfolgen. Eine Orientierung, stärkere Anlehnung beziehungsweise die Annäherung an die Profile der anderen, um so deren Potenziale abzuschöpfen, kann keine nachhaltige Entwicklung bedeuten.



Michael Marzahn
Michael Marzahn

Michael Marzahn, Managing Director Optimedia Düsseldorf

Wie beurteilen Sie den jüngsten Personalwechsel beim "Stern", also die Ablösung Dominik Wichmanns durch Christian Krug?
Nachhaltige Veränderungen werden letztendlich nur durch das Gesamtpaket der Umgestaltungen - inklusive der Ernennung von Christian Krug zum Chefredakteur - erreicht werden.

Haben Sie besondere Erwartungen an den neuen Chef, wenn ja, welche?
Die Erwartungen sind groß: mit einer journalistisch-inhaltlichen Veränderung allein ist es sicher nicht getan, verlorene Leser wieder zurückzugewinnen oder neue Leser heranzuführen - vielmehr bedarf es eines ganzheitlichen Multi-Plattform-Ansatzes. Die Marke "Stern" ist stark, das zukunftsorientierte Konzept dringend erwartet.

In welche Richtung kann sich der "Stern" Ihrer Meinung nach überhaupt noch entwickeln? Weder im Markt der Nachrichtenmagazine noch in dem der People-Blätter ist die Situation momentan sonderlich einfach.
Der "Stern" differenziert sich sicherlich hauptsächlich durch den People-Fokus versus der beiden anderen großen Wettbewerbern "Spiegel" und "Focus". Daher ist die Personalie auf dem Papier zunächst mal folgerichtig. Dabei sollten aber auch die normalen Menschen nicht zu kurz kommen. Inwiefern auch das zweite Standbein (Nachrichten) durch Christian Krug Stärkung erhält, wird sich zeigen müssen. Grundsätzlich sind aber drei Dinge wichtig: Erstens muss die Neugestaltung des "Stern" abgeschlossen und entsprechende Veränderungen im Lesermarkt effektiv werden. Zweitens sollte sich der "Stern" als Multi-Plattform-Medien-Marke verstehen und entsprechend in der Vermarktung agieren. Und drittens: Die Preisstellung muss sich an der Werbewirkungsleistung im Wettbewerb aller Medien orientieren. kl
Meist gelesen
stats