Stefan Niggemeier "Wir versuchen, der Hysterie sachliche Fakten entgegenzusetzen"

Dienstag, 12. Januar 2016
Startet morgen seine neue Plattform "Übermedien": Stefan Niggemeier
Startet morgen seine neue Plattform "Übermedien": Stefan Niggemeier
Foto: Jan Zappner

Morgen startet der Journalist Stefan Niggemeier sein neues Projekt "Übermedien". Zusammen mit Autor Boris Rosenkranz will er ein kritisches Auge auf die Berichterstattung der Medien hierzulande werfen. Gegenüber HORIZONT Online äußert sich Niggemeier nun über den Zweck seiner neuen Plattform und wie er sie finanzieren möchte.

Herr Niggemeier, aktuell ist wieder viel Medienkritik zu hören, etwa wegen der Berichterstattung über die bundesweiten Geschehnisse in der Silvesternacht. Ist eine medienkritische Plattform wie „Übermedien“ notwendiger denn je? Ja. Das Misstrauen gegenüber den Medien ist riesengroß und prägt in teils dramatischer Weise auch die politische Debatte. Wir glauben, dass es nötig ist, sich genau anzuschauen, wann es berechtigt ist und wann nicht. Wir wollen uns ohne ideologische Agenda kritisch mit der Berichterstattung der Medien befassen und versuchen, der Hysterie sachliche Fakten entgegenzusetzen. Wir wollen bessere Medienkritik machen - und Medien durch Kritik besser machen.

Was läuft denn Ihrer Ansicht nach derzeit schief bei den deutschen Medien? Es gibt viele Beispiele für hervorragenden Journalismus in Deutschland, aber es gibt zunehmend auch Effekte, die dazu führen, dass Menschen schlechter informiert werden. Die Zahl der Journalisten in Redaktionen seriöser Medien wird abgebaut; gleichzeitig steigt die Zahl der Angebote, die Content möglichst billig und auf Masse produzieren, ohne Rücksicht auf irgendwelche Standards, ohne eigene Recherche. Dafür mit dem unbedingten Willen, Aufmerksamkeit und Klickzahlen zu erhöhen, zum Beispiel durch Skandalisierung.

Es gibt im Web zahlreiche medienkritische Plattformen, nicht zuletzt "BILDblog", das Sie selbst gegründet hatten. Was machen Sie bei "Übermedien" anders? BILDblog konzentriert sich auf Fehler. Das wird auch bei uns vorkommen. Wir wollen aber zudem einen grundsätzlicheren Blick auf die Medien werfen: Wie berichten sie und warum berichten sie, wie sie berichten? Wir wollen den Spagat versuchen, sowohl ernste, relevante Diskussionen über Medien und ihre Missstände zu führen, aber auch unterhaltsam zu sein und uns gut gelaunt - oder gut gelaunt bösartig - mit dem zu beschäftigen, was Medien so produzieren.
Die Macher von Übermedien: Boris Rosenkranz (links) und Stefan Niggemeier
Die Macher von Übermedien: Boris Rosenkranz (links) und Stefan Niggemeier (Bild: Jan Zappner)
Wie verändert sich nun Ihre Arbeit für "BILDblog"? Werden Sie weiterhin gelegentlich als Autor aktiv sein? BILDblog liegt schon seit einiger Zeit in den Händen von Mats Schönauer und Moritz Tschermak. Ich bin ihnen und dem Projekt natürlich freundschaftlich verbunden.

Und wie sieht es mit Ihrer privaten Website aus? Die Taktung der Beiträge ist dort über die letzten Monate hinweg langsamer geworden. So genau weiß ich das noch nicht. Dass dort in den vergangenen Monaten weniger passierte, liegt auch daran, dass wir parallel an Übermedien gebastelt haben. Meine medienkritischen Beiträge stehen in Zukunft auf übermedien.de - für mein Blog finde ich sicher eine andere Verwendung.

Soll das Autorenteam mit der Zeit noch anwachsen oder haben Sie vor, die Plattform auch zukünftig mit Boris Rosenkranz zu führen? Wir beide führen die Seite, aber wir hoffen, dass wir viele Autoren und Mitstreiter für uns gewinnen - und sie auch bezahlen können.

Da kommen wir zum Thema Finanzierung. Wie soll die gelingen? Übermedien.de soll sich über die Leser finanzieren. Wir hoffen, dass wir viele Abonnenten gewinnen. Für 3,99 Euro monatlich kann man alle Inhalte der Seite sofort frei lesen. Für Nicht-Abonnenten ist ein Teil der Inhalte zunächst gesperrt.

Wird die Plattform "Übermedien" vermarktet? Im Sinne einer Anzeigenvermarktung? Zunächst gar nicht.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Boris Rosenkranz im Detail aus? Werden Sie beide beispielsweise verschiedene Themen bearbeiten? So genau haben wir das nicht aufgeteilt. Wir werden beide schreiben und vor sowie hinter der Kamera arbeiten.

Gibt es bestimmte Medien und Themen, auf die Sie sich bei "Übermedien" besonders fokussieren werden? Nein, die Seite soll in jeder Hinsicht vielfältig sein, was die Medien und Themen angeht, aber auch die journalistischen Formen und Mittel. Es wird Texte ebenso geben wie Videos, und womöglich auch Podcasts und mehr.

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