Start der deutschen HuffPo So reagiert die Konkurrenz

Freitag, 11. Oktober 2013
So machte die "HuffPo Deutschland" zum Start auf (Bild: Screenshot huffingtonpost.de)
So machte die "HuffPo Deutschland" zum Start auf (Bild: Screenshot huffingtonpost.de)


Innerhalb von fünf Jahren will die Huffington Post Deutschland in die Top 5 der News-Sites vorgestoßen sein. Klar, dass die so herausgeforderte Konkurrenz da etwas genauer hinschaut. HORIZONT.NET zeigt ausgewählte Reaktionen zum Deutschland-Start der HuffPo.

Joachim Huber bei Tagesspiegel.de

"Die Huffington Post will vielleicht eine klassische Nachrichten-Website sein, faktisch ist sie ein direktes Belohnungsmedium. Einfach müssen die wenigen Nachrichten gestrickt sein, der Ton ist ein boulevardeskes Grundrauschen. Da muss bild.de mehr aufpassen als Spiegel Online oder Tagesspiegel.de. (...) Die Huffington Post Deutschland präferiert und nutzt Information zur Bedürfnisbefriedigung seiner User. 'HuffPo' will jedem das wärmende Gefühl vermitteln, er sei Teilhaber von 'HuffPo'. Mit seinem Beitrag, der keiner Nachricht, aber mindestens einer Neuigkeit gleichkommt. Das ist schon ein Wert, keine Frage. Aber keiner aus der Preisklasse: Journalismus."

Klaus Raab bei Zeit Online

"Es ist ein Portal, das zwar einige eigene Inhalte erstellt, vor allem aber vorhandene aggregiert. Das auf Halbprominenz, steile Überschriften und die Bestätigung der vorhandenen medialen Themenagenda setzt. Die Huffington Post Deutschland ist zumindest dem ersten Eindruck nach kein Vielfaltsproduzent, sondern ein Vereinheitlicher."

Christian Stöcker bei Spiegel Online

"Während die Mutter-Plattform aus den USA ursprünglich als explizit linksliberales Gegengewicht zu Medien wie "Fox News" angetreten war, zeichnet sich die deutsche "Huffington Post" in ihrer Startausgabe also eher durch eine gewisse Nähe zu den Unionsparteien aus. Der künftige Chefredakteur Matthes - sei bisheriger Arbeitgeber lässt ihn noch nicht gehen, deshalb firmiert er noch als "designierter Chefredakteur" - betont in seinem Gruß an die Leser, die "Huffington Post" stehe "allen offen: Cineasten, Wissenschaftlern, Schauspielern, Schriftstellern, Technik-Apologeten, Köchen, Sportlern, Müttern und Vätern". Explizit wolle man "immer wieder auch die Perspektiven der jüngeren Generation in den Mittelpunkt stellen". Das kann ja noch werden."

Marc Reichwein bei Welt.de

"Die mit dem Internet flüssig gewordene Grenze zwischen Journalismus als Beruf und hobbymäßigen Mitteilungen dient diesem Portal also als Geschäftsgrundlage. Der Qualitätsjournalismus muss keine Angst haben, denn Qualität ist bei der Huffington Post vorerst eher nicht am Start. Auch die Vermischung von redaktionellen und PR-mäßigen Inhalten strahlt bislang alles, aber keine Reputation aus. Das muss aber noch kein Argument gegen den Erfolg sein."

Jürn Kruse bei taz.de

"Die Huffington Post soll das neue große Ding im Internet hierzulande sein, doch die Seite wirkt wie eine Zeitreise zurück in die 90er-Jahre. In eine Zeit als Netscape noch Marktführer war und die meisten Seiten von Bastlern am heimischen PC mit Intel-Pentium-II-Prozessor gebastelt wurden. Der gelbe Rahmen schmerzt und beißt sich mit der grünen Schriftfarbe der Dachzeilen und Verknüpfungen. Die Seite wirkt: billig."

Verleger Dirk Ippen im dpa-Interview (via Newsroom.de)

"Man wird sehen, ob das auch wirtschaftlichen Erfolg haben wird. Aber es ist ein höchst demokratischer Versuch, auch Menschen eine Plattform zu verschaffen, die bisher keine haben. Dem kann man nur positiv gegenüberstehen. Wir haben ja die Sorge, dass kritische Stimmen in der Öffentlichkeit verstummen können, wenn Zeitungen zurückgehen."
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