Staatsaffärchen Slomkas Gabriel-Interview ruft Politik und Senderchefs auf den Plan

Montag, 02. Dezember 2013
Horst Seehofer kritisierte Slomkas Interviewführung (Bild: CSU)
Horst Seehofer kritisierte Slomkas Interviewführung (Bild: CSU)


Staatsaffärchen um ein Interview: Das Gespräch von "Heute-Journal"-Moderatorin Marietta Slomka mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, in dem sich beide einen heftigen Schlagabtausch lieferten, beschäftigte über das Wochenende die Spitzen von Parteien und des ZDF. Denn Gabriel erhielt zunächst Beistand von unerwarteter Seite: CSU-Chef Horst Seehofer, immer gut für einen Angriff auf die Öffentlich-Rechtlichen, hatte sich über Slomkas Interviewführung beschwert und kritisiert, Gabriel sei hingestellt worden "wie ein Schulbub". Damit nicht genug: Er habe eine SMS an ZDF-Intendant Thomas Bellut geschrieben, ein Brief solle noch folgen. "Ich verteidige jetzt die SPD - weil ich für Qualitätsjournalismus bin. Wo sind wir denn eigentlich?", so Seehofer laut "Süddeutscher Zeitung".

Damit handelte sich der bayerische Landeschef die Kritik von anderen Spitzenpolitikern ein: Es sei eine "Grenzüberschreitung", wenn der bayerische Ministerpräsident sich beim ZDF beschwere, weil "die große Koalition keine Hofberichterstattung" bekomme, so der designierte FDP-Chef Christian Lindner gegenüber der "Welt". Und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt schimpfte: "Fürst Seehofers Verständnis von Pressefreiheit und Einfluss der Politik auf die öffentlich-rechtlichen Sender ist erschütternd."

ZDF-Intendant Thomas Bellut wehrte sich gegen Einflussnahme aus der Politik (Bild: ZDF)
ZDF-Intendant Thomas Bellut wehrte sich gegen Einflussnahme aus der Politik (Bild: ZDF)
Die ZDF-Oberen verwahren sich derweil gegen Einflussnahme aus der Politik. "Selbstverständlich sollen und können Gremienmitglieder Kritik am Programm äußern", sagte Bellut dem "Spiegel" im Hinblick auf die Kritik Seehofers, der Mitglied des ZDF-Verwaltungsrates ist. Im aktuelle Fall sei die Kritik aber unangebracht: "In einem Live-Interview kann es auch mal zur Sache gehen. Ganz unbeteiligt war Herr Gabriel auch nicht." Ähnlich äußerte sich auch ZDF-Chefredakteuer Peter Frey. "Wenn mal die Fetzen fliegen, schadet das der Demokratie nicht", so Frey zum "Spiegel". Gleichwohl gestand er ein, dass sich die Gesprächspartner "in der Frage, ob der Mitgliederentscheid verfassungsgemäß ist, zu lange verhakt" hätten.

Für Unmut sorgte außerdem Gabriels im Interview getätigter Vorwurf, Slomka würde gerade Sozialdemokraten gerne mal das Wort im Mund herumdrehen. Frey: "Gabriels Vorwurf der Parteilichkeit ging zu weit. Slomkas Interviews mit Guttenberg, Schäuble oder Ramsauer waren auch nicht bequem." Der SDP-Chef selbst steht jedoch zu seiner Kritik. Gegenüber der "Bild am Sonntag" sagte er: "Die Art und Weise, wie Frau Slomka zum Beispiel im Wahlkampf mit unserem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück in einem Interview umgegangen ist, liefert ausreichend Anschauungsmaterial dafür. Aber noch mal: Das darf sie alles. Aber wir dürfen dann auch offen darüber reden. Meinungsfreiheit gilt für alle." Nachtragend ist Gabriel aber offenbar nicht. "Ich finde solche Situationen, die sind auch normal. Man muss doch auch mal Emotionen zeigen", sagte Gabriel am Freitag in einem Interview für das RTL-Magazin "sonntags.live". ire
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