Springer/Funke-Deal Verlage wollen Klambt als unabhängigen Käufer präsentieren

Mittwoch, 26. Februar 2014
Funke muss bei der Programmie-Übernahme weiter nachbessern
Funke muss bei der Programmie-Übernahme weiter nachbessern


Rein ins Kleingedruckte: Axel Springer, die Funke Mediengruppe und die Mediengruppe Klambt arbeiten fieberhaft an den Hausaufgaben, die ihnen das Bundeskartellamt aufgegeben hat, damit die Behörde den Mega-Verkaufsdeal zwischen Springer und Funke genehmigt. Dabei geht es nach HORIZONT-Informationen aus Verhandlungskreisen nicht mehr um die Titel, die Funke (weiter-) verkaufen muss und auch nicht um die grundsätzliche Eignung von Klambt als Käufer - sondern allein um die Finanzierung des Weiterverkaufs. Zur Erinnerung: Nachdem das Kartellamt die Übernahme von Springers Regionalzeitungen und Frauenmagazinen durch Funke durchgewinkt hat, prüft die Bonner Behörde bekanntlich derzeit den weitaus heikleren Verkauf von Springers Programmtiteln ("Hörzu", "Funkuhr", "TV Digital", "TV Neu", "Bildwoche") an Funke. Das Problem: Funke ist mit zehn Programmies, darunter "Gong", "Bild + Funk", "Die 2" und "TV Direkt", bereits selber prominent im Genre vertreten.

Am Montag hatte das Kartellamt einen Zwischenbescheid verschickt. Tenor: Weil eine Übernahme aller bisherigen Springer-Programmies durch Funke die Zahl der Anbieter von vier auf drei (Bauer, Burda, Funke) senken und damit ein "marktbeherrschendes Oligopol" verstärken würde, muss Funke einen Teil seiner und ehemaliger Springer-Hefte (weiter-) verkaufen. Als Käufer von acht - und nicht wie bisher vermutet von vier - Springer/Funke-Heften ("Funk Uhr", "Die 2", "Bildwoche", "TV neu", "Super TV", "TV Piccolino", "TV 4 Wochen", "TV 4x7") steht dem Vernehmen nach Klambt bereit. Beides, das Titelpaket und Klambt als Käufer, akzeptiert das Kartellamt.

Es hakt an anderer Stelle. Nach HORIZONT-Infos zweifelt das Kartellamt an der Ernsthaftigkeit von Funke, Klambt ("In", "OK", "7 Tage", "Heim und Welt") als neuen unabhängigen Programmie-Wettbewerber mit dann knapp 10 Prozent Marktanteil im Segment zuzulassen. Und zwar vor allem wegen des Verkäuferdarlehens samt zahlreicher Nebenabreden, das Funke Klambt zum Stemmen der Kaufsumme gewähren will.

Hier wollen die Parteien nun nachbessern. Der Funke-Kredit und jede weitere Verbindung zu Funke sollen gestrichen werden, stattdessen will Klambt den Eigenkapital- und Bankkreditanteil an der Kaufsumme erhöhen. Ein zusätzliches Darlehen oder eine Bürgschaft von Springer dürfte weniger verdächtig sein, da Springer dann im Programmie-Markt ja nicht mehr unterwegs wäre.

Ebenso will man darlegen, dass Klambt aus den Gewinnen der acht Programmies - Insider sprechen von einem höheren einstelligen Millionenbetrag pro Jahr - trotz paralleler Tilgung der Kredite eine potente Wettbewerbsposition aufbauen könnte. Bis zum 17. März haben die Verlage nun Zeit für Nachbesserungen, am 22. April will das Kartellamt entscheiden.

An diesem Punkt hängt viel: Weil Springer und Funke den Programmie-Deal an den Verkauf der Regionalzeitungen und Frauenmagazine gekoppelt haben, könnte das gesamte Vorhaben platzen, falls es mit den Programmies nicht klappt - wenn das Kartellamt ablehnt oder wenn sich das Geschäft für Funke (oder dessen Banken) irgendwann nicht mehr rechnet.

Anders ist es bei den beantragten Joint Ventures für Vermarktung und Vertrieb; darauf würden beide Verlage zur Not verzichten, heißt es. Funke und Springer halten derweil ihren Optimismus aufrecht: Beide Verlage rechnen laut Mitteilung weiter damit, dass die fehlende Freigabe für den Programmie-Kauf im 1. Halbjahr 2014 erwirkt werden könne. rp
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