Springer/Funke-Deal Springer-Kredit an Klambt besänftigt Kartellamt

Montag, 31. März 2014
Das Bundeskartellamt hat die Lösung von Axel Springer und Funke offenbar akzeptiert
Das Bundeskartellamt hat die Lösung von Axel Springer und Funke offenbar akzeptiert


Einigung in Sicht: Der größte kartellrechtliche Stolperstein im Mega-Verkaufsdeal zwischen Axel Springer und der Funke Mediengruppe scheint aus dem Weg geräumt. Bereits im Februar hatte HORIZONT über die Nachbesserungspläne berichtet, die beide Großverlage gemeinsam mit der kleinen Mediengruppe Klambt dem Bundeskartellamt präsentieren wollten. Nun hat die Bonner Behörde diese Lösung offenbar akzeptiert.
Wie das "Handelsblatt" berichtet, könne Funke einen Teil der Springer-Blätter bald übernehmen. Indem Springer seine Kreditsumme an Klambt (für den Kauf des übrigen Teils der Springer-Titel) erhöht, seien die Bedenken des Bundeskartellamtes "wohl" aus dem Weg geräumt. Das Kartellamt bestätigt, dass der neue "Zusagenvorschlag" von Funke und Springer "nach gegenwärtiger Einschätzung" ausreichend sei, um die bisherigen Bedenken auszuräumen. Beide Verlage hätten die Zusage, bestimmte Titel an einen unabhängigen Dritten zu verkaufen, "an den entscheidenden Stellen nachgebessert", so Andreas Mundt, Präsident des Amtes: "Eine solche Zusage macht nur dann Sinn, wenn der Erwerber der Titel in der Lage ist, künftig als echter Wettbewerber aufzutreten."

Zur Erinnerung: Nachdem das Kartellamt die Übernahme von Springers Regionalzeitungen und Frauenmagazinen durch Funke durchgewinkt hat, prüft die Bonner Behörde bekanntlich derzeit den weitaus heikleren Verkauf von Springers Programmtiteln ("Hörzu", "Funkuhr", "TV Digital", "TV Neu", "Bildwoche") an Funke. Das Problem: Funke ist mit zehn Programmies, darunter "Gong", "Bild + Funk", "Die 2" und "TV Direkt", bereits selber prominent im Genre vertreten. Weil eine Übernahme aller bisherigen Springer-Programmies durch Funke die Zahl der Anbieter von vier auf drei (Bauer, Burda, Funke) senken und damit ein "marktbeherrschendes Oligopol" verstärken würde, hatte das Kartellamt zur Auflage gemacht, dass Funke einen Teil seiner und ehemaliger Springer-Hefte (weiter-) verkaufen muss. Eben zum Beispiel an Klambt. Doch hier hatte die Behörde zunächst Bedenken.

Anders als in einigen Medienberichten kolportiert, hatte das Kartellamt jedoch nichts gegen Klambt an sich, sondern monierte allein die Finanzierung des Weiterverkaufs. So zweifelte die Behörde an der Ernsthaftigkeit von Funke, Klambt ("In", "OK", "7 Tage", "Heim und Welt") als neuen unabhängigen Programmie-Wettbewerber mit dann knapp 10 Prozent Marktanteil im Segment zuzulassen. Und zwar vor allem wegen des Verkäuferdarlehens samt zahlreicher Nebenabreden, das Funke den Klambt-Kollegen zum Stemmen der Kaufsumme gewähren wollte. Im Raum stand der Verdacht, Klambt könnte für Funke als "Strohmann" fungieren.

Im Februar berichtete HORIZONT über die Nachbesserungspläne der Parteien: Der Funke-Kredit und jede weitere Verbindung zu Funke sollten gestrichen werden, stattdessen wollte Klambt den Eigenkapital- und Bankkreditanteil an der Kaufsumme erhöhen. Außerdem sollte Springer ein zusätzliches Darlehen oder eine Bürgschaft gewähren - was als weniger problematisch gilt, da Springer dann im Programmie-Markt ja nicht mehr unterwegs wäre. Laut "Handelsblatt" finanziert Klambt nun drei Viertel der Kaufsumme (nach Insiderangaben rund 40 Millionen Euro) über einen Kredit von Springer.

Dem Vernehmen nach hat Klambt bereits eine Programmie-Tochtergesellschaft gegründet; auch ein Kaufvertrag mit Funke ist wohl bereits geschlossen worden. Es geht offenbar um acht Titel: "Funk Uhr", "Bildwoche" und "TV neu" (bisher Springer) sowie "Die 2", "Super TV", "TV Piccolino", "TV 4 Wochen" und "TV 4x7" (bisher Funke).

An dem Weiterverkauf hängt viel: Weil Springer und Funke den Programmie-Deal an den Verkauf der Regionalzeitungen und Frauenmagazine gekoppelt haben, könnte das gesamte Vorhaben platzen, falls es mit den Programmies nicht klappt. Anders ist es bei den beantragten Joint Ventures für Vermarktung und Vertrieb, die das Kartellamt offenbar weiterhin skeptisch sieht. Darauf würden beide Verlagshäuser zur Not verzichten, heißt es dort. rp
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