Springer/Funke-Deal Kartellamt beharrt auf strengeren Auflagen

Dienstag, 25. Februar 2014
Die Funke Mediengruppe muss nachbessern
Die Funke Mediengruppe muss nachbessern

Zwischen-Veto aus Bonn: Beim entscheidenden Teil des Mega-Verkaufsdeals zwischen Axel Springer und der Funke Mediengruppe hält das Bundeskartellamt hohe wettbewerbsrechtliche Hürden aufrecht. Damit könnte am Ende das gesamte Vorhaben platzen. Nachdem das Bundeskartellamt die Übernahme von Springers Regionalzeitungen und Frauenmagazinen durch Funke durchgewinkt hat, prüft die Bonner Behörde bekanntlich derzeit den weitaus heikleren Verkauf von Springers Programmtiteln ("Hörzu", "Funkuhr", "TV Digital", "TV Neu", "Bildwoche") an Funke. Das Problem: Funke ist mit zehn Programmies, darunter "Gong", "Bild + Funk", "Die 2" und "TV Direkt", bereits selber prominent im Genre vertreten.

Bereits Ende 2013 hatte HORIZONT.NET berichtet, dass die Funke-Gruppe, die als Käufer das Risiko trägt, als Kartellauflage wohl einen Teil ihrer oder der bisherigen Springer-Hefte (weiter-) verkaufen muss, damit der (Rest-) Deal genehmigt wird. Das "Handelsblatt" hat daraufhin im Januar die Programmies "Funk Uhr", "Die 2", "Bildwoche" und "TV neu" genannt, die Funke weiterreichen solle - und die Mediengruppe Klambt als möglichen Käufer genannt.

Doch das reicht offenbar nicht aus. Aus Sicht des Bundeskartellamts würde die Übernahme der bisher von Springer verlegten Titel durch Funke die Zahl der Anbieter auf dem Leser- und dem Anzeigenmarkt für Programmzeitschriften von vier auf drei senken. Dies würde "zu einer Verstärkung des marktbeherrschenden Oligopols" führen, teilt die Behörde in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Zwar hätten Springer und Funke zur Lösung der wettbewerblichen Probleme die Veräußerung verschiedener Programmzeitschriftentitel vorgeschlagen. "Allerdings ist der Vorschlag in seiner gegenwärtigen Ausgestaltung nach Auffassung des Bundeskartellamtes nicht ausreichend", heißt es in dem Schreiben weiter.

Nun gewährt die Behörde beiden Unternehmen rechtliches Gehör. Es sei vorgesehen, dass nun weitere Gespräche zwischen dem Kartellamt und den Antragstellern über eine Verbesserung des Angebotes geführt werden, wohl auch weiterhin über eine mögliche Weiterveräußerung verschiedener Programmtitel. "Ein Lösung der wettbewerblichen Probleme ist aus unserer Sicht nach wie vor möglich. Hier besteht aber noch deutlicher Verbesserungsbedarf", sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes.

Gleichwohl steht fest: Funke muss nachbessern und wohl noch mehr Programmies (weiter-) verkaufen. An diesem Punkt hängt viel, nicht nur die Kreditbewertung der Banken. Wenn Funke zu viele wichtige Springer-Programmies nicht kaufen darf oder zu viele eigene Titel verkaufen muss, dann könnte sich das Geschäft irgendwann nicht mehr rechnen - zumal solche Zwangs- und Notverkäufe die Verkaufspreise drücken. Und dann würde nach Infos von HORIZONT.NET auch der Gesamtdeal platzen. Anders ist es bei den beantragten Joint Ventures für Vermarktung und Vertrieb; darauf würden beide Verlage zur Not verzichten, heißt es.

Funke und Springer halten derweil ihren Optimismus aufrecht: Beide Verlage rechnen laut Mitteilung weiter damit, dass die fehlende Freigabe für den Programmie-Kauf im 1. Halbjahr 2014 erwirkt werden könne. rp
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