Springer/Funke-Deal Kartellamt akzeptiert Klambt als unabhängigen Programmie-Player

Dienstag, 29. April 2014
Funke darf die Programmies von Springer übernehmen
Funke darf die Programmies von Springer übernehmen


Es ist vollbracht: Der größte kartellrechtliche Stolperstein im Mega-Verkaufsdeal zwischen Axel Springer und der Funke Mediengruppe ist aus dem Weg geräumt. Funke darf Springers Programmzeitschriften kaufen, wenn die Essener einen Teil ihrer Titel an einen unabhängigen Wettbewerber weiterreichen. Hierfür hatte das Bundeskartellamt bereits die Mediengruppe Klambt akzeptiert - und nun auch deren Finanzierungspaket.
Konkret muss Funke acht Programmhefte an Klambt weiterverkaufen: Die drei bisherigen Springer-Titel "Bildwoche", "Funkuhr" und "TV neu" sowie die fünf eigenen Magazine "Die 2", "Super TV", "TV 4 Wochen", "TV 4x7" und "TV Piccolino" (inklusive "TV Genie" und "My TV"). Nur Springers "Hörzu" und "TV Digital" darf Funke also behalten, neben etwa einem halben Dutzend eigenen Heften (unter anderem "Gong", "Bild + Funk" und "TV Direkt"). Klambt hatte bisher keine Programmies.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: "Die Freigabe des Zusammenschlusses konnte nur mit Veräußerungsverpflichtungen erfolgen. Der Marktzutritt der Mediengruppe Klambt stellt nunmehr sicher, dass in einem der auflagenstärksten Märkte für Publikumszeitschriften negative wettbewerbliche Auswirkungen des Vorhabens zu Lasten der Leser und der werbenden Wirtschaft vermieden werden."

Zur Erinnerung: Nachdem das Kartellamt die Übernahme von Springers Regionalzeitungen und Frauenmagazinen durch Funke durchgewinkt hatte, prüfte die Bonner Behörde bekanntlich lange den weitaus heikleren Verkauf von Springers Programmtiteln an Funke. Das Problem: Funke war mit rund zehn Programmies bereits selber prominent im Genre vertreten. Weil eine Übernahme aller bisherigen Springer-Programmies durch Funke die Zahl der Anbieter von vier auf drei (Bauer, Burda, Funke) gesenkt und damit ein "marktbeherrschendes Oligopol" verstärkt hätte, hatte das Kartellamt zur Auflage gemacht, dass Funke einen Teil des Portfolios (weiter-) verkaufen muss. Eben zum Beispiel an Klambt. Doch hier hatte die Behörde zunächst Bedenken.

Anders als in einigen Medienberichten kolportiert, hatte das Kartellamt jedoch nichts gegen Klambt an sich, sondern monierte allein die Finanzierung des Weiterverkaufs. So zweifelte die Behörde an der Ernsthaftigkeit von Funke, Klambt ("In", "OK", "7 Tage", "Heim und Welt") als neuen unabhängigen Programmie-Wettbewerber mit dann knapp 10 Prozent Marktanteil im Segment zuzulassen. Und zwar vor allem wegen des Verkäuferdarlehens samt zahlreicher Nebenabreden, das Funke den Klambt-Kollegen zum Stemmen der Kaufsumme gewähren wollte. Im Raum stand der Verdacht, Klambt könnte für Funke als "Strohmann" fungieren. Stattdessen hat nun offenbar Axel Springer seine Kreditsumme an Klambt erhöht - was als unproblematisch gilt, da sich Springer ja nun aus dem Segment verabschiedet hat.

Das Bundeskartellamt geht jetzt davon aus, "dass die Veräußerung der acht Zeitschriften an die Mediengruppe Klambt einen nachhaltigen Markteintritt bewirkt, der verhindert, dass sich durch den Rückzug des Axel Springer-Verlages die gemeinsame marktbeherrschende Stellung der drei übrigen Anbieter verstärkt", so die Behörde.

An dem Weiterverkauf hing viel: Weil Springer und Funke den Programmie-Deal an den Verkauf der Regionalzeitungen und Frauenmagazine gekoppelt haben, hätte das gesamte Vorhaben platzen können, falls es mit den Programmies nicht geklappt hätte. Anders ist es bei den geplanten Joint Ventures für Vermarktung und Vertrieb, die das Kartellamt offenbar weiterhin überaus skeptisch sieht. Darauf würden beide Verlage zur Not verzichten, heißt es dort längst. rp
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