Springer-Chef Mathias Döpfner „Ich bin mal gespannt, ob Google uns auslistet“

Donnerstag, 06. März 2014
Springer-Boss Mathias Döpfner (c) ASV
Springer-Boss Mathias Döpfner (c) ASV

Große Zuversicht: Axel Springer wähnt sich im Konflikt mit dem Suchmaschinenriesen Google um die Verwertung journalistischer Inhalte auf der sicheren Seite - und zwar paradoxerweise wegen der übermächtigen Größe Googles. Dies ließ Verlagschef Mathias Döpfner auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Berlin durchblicken. Gelassen sieht Springer derweil die Kartellhürden beim Verkaufsdeal mit Funke. Axel Springer gehört bekanntlich zu jenen Verlagen, die ihre Leistungsschutzrechte über die Verwertungsgesellschaft VG Media verwerten lassen. Damit fließt zwar erstmal kein Geld - allerdings haben Springer und andere Verlage nun die juristische Basis, um neue eigene Geschäftsmodelle mit eigenen Texten und Textschnippseln im Internet durchzusetzen. Etwa, Geld von Google und anderen Aggregatoren für die Verwendung von Verlagsinhalten zu verlangen. Allerdings hat Google schon mehrfach betont, eben dafür nichts zahlen zu wollen, an niemanden, schließlich führe man den Verlags-Websites ja Traffic zu.

Deshalb hatte Google die Verlage vor die Wahl gestellt, sich selbst vom Suchindex auslisten. Und behält sich vor, seinerseits Verlage auszulisten und deren Inhalte-Ausschnitte nicht mehr anzuzeigen, wenn sie Geld dafür fordern. "Da bin ich ja mal gespannt, ob uns Google dann auslistet", sagte Döpfner in diesem Zusammenhang: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Google einen einzelnen Verlag diskriminiert. Eine schönere Vorlage für den Vorwurf des Ausnutzens einer marktbeherrschenden Stellung gäbe es ja nicht." Damit spielt der Springer-Chef offenbar auf die aktuellen EU-Kartelluntersuchungen gegen Google an. Außerdem darf man seine Worte als Andeutung lesen, im Falle des Falles selber kartellrechtlich gegen Google aktiv zu werden.

Springer-Vorstand Andreas Wiele (c) ASV
Springer-Vorstand Andreas Wiele (c) ASV
Ansonsten ging es nach der Vorstellung der Bilanzzahlen, bei denen es in diesem Jahr ein paar Besonderheiten zu beachten gibt, auch um den spektakulären Verkaufsdeal mit Funke - bei dem es bekanntlich aktuell kartellrechtliche Probleme gibt. Doch Zeitschriftenvorstand Andreas Wiele bleibt demonstrativ gelassen: "Das Verfahren verläuft vollständig im Rahmen unserer Erwartungen." Er habe keine Zweifel, dass der Deal vollzogen wird - und wollte sich daher auch nicht zu möglichen Planänderungen (etwa einer Entkopplung des bereits genehmigten Verkaufs der Regionalzeitungen und Frauenmagazine vom kritischen Verkauf der Programmtitel an Funke) oder Zugeständnissen (etwa ein Kredit an die Mediengruppe Klambt, die Funke auf Geheiß des Kartellamts ein paar Titel abkaufen soll) äußern.

Die geplanten Joint Ventures mit Funke für Werbevermarktung und Vertrieb seien nur deshalb noch nicht beim Kartellamt angemeldet, "weil wir und das Kartellamt nur begrenzte Ressourcen haben", so Wiele. Erst wenn der Programmie-Verkauf über die Bühne sei, wolle man hier fortfahren. Dem Vernehmen nach stehen diese beiden Projekte allerdings nicht mehr sehr weit oben auf der Agenda von Springer und Funke. rp
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