ARD und ZDF ohne Olympia? IOC vergibt Olympia-Rechte exklusiv an Discovery Networks und Eurosport

Montag, 29. Juni 2015
Sichtlich zufrieden: Discovery-Boss David Zaslav und IOC-Chef Thomas Bach
Sichtlich zufrieden: Discovery-Boss David Zaslav und IOC-Chef Thomas Bach
Foto: Discovery Networks/Christophe Moratal

Hammer-Mediendeal des IOC: Das Internationale Olympische Komitee hat die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele von 2018 bis 2024 exklusiv an Discovery Networks vergeben. Das US-Medienunternehmen, Muttergesellschaft des paneuropäischen Sportsenders Eurosport, lässt sich die Exklusivrechte rund 1,3 Milliarden Euro kosten. ARD und ZDF stehen damit erst einmal ohne eigene Olympia-Rechte da.
Das exklusive Rechtepaket umfasst die TV- und Online-Übertragungsrechte für alle europäischen Länder außer Russland für die vier kommenden Olympischen Spiele von 2018 bis 2024. Neben den Free-TV-Rechten beinhaltet der Deal auch die exklusiven Rechte für alle Plattformen inklusive Pay-TV, Internet und mobile Plattformen.
"Heute ist ein historischer Tag: Mit Stolz können wir die olympischen Ringe dem Angebotsportfolio von Discovery Communications hinzufügen", jubelt David Zaslav, CEO von Discovery Communications. "Das langfristige Programm-Engagement mit Präsident Bach und dem IOC bekräftigt die Position von Eurosport als europäischem Marktführer in Sachen Sportfernsehen und wird die Präsenz von Eurosport auf allen Plattformen erheblich erweitern."

"Zwischen Discovery und dem IOC wurde ein wichtiger Vertrag geschlossen, und wir freuen uns, dass Eurosport der neue Partner des olympischen Sports ist", betont IOC-Präsident Thomas Bach: "Diese Vereinbarung sorgt für eine umfassende Berichterstattung über die Olympischen Spiele in ganz Europa, und dazu gehört die Garantie einer umfangreichen Free-TV-Berichterstattung in allen Märkten." Discovery und Eurosport hätten sich zudem verpflichtet, gemeinsam mit dem IOC einen neuen Olympia-Kanal für den europäischen Raum zu entwickeln.

Discovery ist vertraglich verpflichtet, mindestens 200 Stunden von den Olympischen Sommerspielen im frei empfangbaren Fernsehen zu übertragen, von den Olympischen Winterspielen müssen mindestens 100 Stunden im Free-TV-übertragen werden.

ARD und ZDF, die damit erst einmal ohne eigene Übertragungsrechte für die kommenden Olympischen Spiele dastehen, reagierten konsterniert: "ARD und ZDF hatten ein angemessenes Angebot abgegeben. ARD und ZDF sind langjährige Partner des IOC und berichten nicht nur bei den Olympischen Spielen, sondern auch in den Jahren zwischen den Spielen kontinuierlich über olympische Sportarten. Damit tragen ARD und ZDF in wesentlichem Maße zur Popularisierung der olympischen Sportarten bei", teilten die öffentlich-rechtlichen Sender mit. Man nehme die Entscheidung des IOC zur Kenntnis. Über die Konsequenzen für ARD und ZDF  herrscht offensichtlich noch Unklarheit: "Aus der Pressemitteilung des IOC geht nicht hervor, was die Rechtevergabe an die beiden internationalen, auch in Deutschland verbreiteten Sender für den deutschen Fernsehmarkt bedeutet. Hieraus ergeben sich Fragen an das IOC und den DOSB."

In einer Telefonkonferenz betonten Discovery und das IOC, dass Discovery einen Teil der Rechte in vielen Märkten weiterreichen wird. Man werde in den kommenden Wochen und Monaten Gespräche mit potenziellen Interessenten führen. Am Ende dürfte dann der Preis über Art und Umfang der Sublizenzen entscheiden. ARD und ZDF müssen sich damit wohl auf steigende Kosten für die Übertragungsrechte einstellen. Ob die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Olympia-Berichterstattung im gewohnten Umfang aufrechterhalten können, ist noch völlig offen.

Eurosport ist in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern frei empfangbar. Der Marktanteil des Senders lag im Mai bei gerade einmal 0,6 Prozent. dh
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