Sportexperte ARD und Mehmet Scholl gehen getrennte Wege

Donnerstag, 10. August 2017
ARD-Experte Mehmet Scholl (r.) mit Moderator Matthias Opdenhövel
ARD-Experte Mehmet Scholl (r.) mit Moderator Matthias Opdenhövel
© WDR/Sachs

Nun also doch: Die ARD und Mehmet Scholl gehen getrennte Wege. Man habe sich darauf geeinigt, die Zusammenarbeit "ab sofort zu beenden", teilte die ARD am Donnerstag mit. Beim Confed Cup war der langjährige Fußball-Experte der ARD eigenmächtig abgereist, weil er sich über einen Dopingbericht geärgert hatte. 
Scholl hatte gefordert, einen Bericht über einen bereits Jahre zurückliegenden Dopingfall bei der russischen Nationalmannschaft im Vorfeld der Live-Übertragung des Confed Cup nicht zu senden. Die ARD verwahrte sich eine Einmischung von Scholl in ihre redaktionelle Arbeit. Scholl reiste daraufhin verärgert ab. Stattdessen musste Thomas Hitzlsperger einspringen.  Zunächst schien es, als hätten sich Scholl und die ARD wieder zusammengerauft. "Wir hatten eine Reihe von Gesprächen", erklärte der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky der dpa. "Wir haben ganz klar abgesprochen, wie die Regularien sind." Die Redaktionen seien "für den Inhalt zuständig, die Experten für die Meinung", betonte Balkausky. "Er muss den Inhalt und die redaktionelle Hoheit akzeptieren." Scholl habe zugesagt, "dass das nicht wieder passieren wird". 

Im Bayerischen Rundfunk erklärte Scholl seine Weigerung. Er habe damals zu einem geplanten Doping-Bericht gesagt: "Ich möchte, dass diese Story für diesen schönen Tag draußen bleibt. Da haben die gesagt, die bleibt nicht draußen und ich darf mich nicht ins Programm einmischen. Da habe ich gesagt: Ich gehe. Und dann bin ich gegangen." 

Wirklich einsichtig klang der 46-Jährige nicht bei seinen Erläuterungen. "Immer, wenn ein gewisser Sender das Programm macht, fangen wir grundsätzlich mit negativen Storys an", behauptete Scholl. In diesem Fall sei es eine "fünf Jahre alte Doping-Enthüllung" gewesen. 

Er kritisierte damit "eine Redaktion, ich sage nicht welche". Dass es sich dabei um den WDR handelt, ist kein Geheimnis. Die Doping-Story habe "überhaupt keine Relevanz" gehabt, betonte Scholl - konkret war es vor den Halbfinalspielen beim Confed Cup zwischen Deutschland und Mexiko sowie Chile und Portugal um einen Bericht über Doping in der russischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM vor drei Jahren gegangen. 

Offensichtlich waren die Differenzen für eine weitere Zusammenarbeit doch zu groß. In einer knappen Pressemitteilung tauschen Scholl und die ARD zum Abschied dennoch höfliche Worte aus: "Ich bedanke mich für tolle und ereignisreiche Jahre als Experte bei der ARD, es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht", lässt sich Scholl zitieren. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagt: "Wir bedanken uns bei Mehmet Scholl für die großartige Zeit mit einem meinungsstarken, streitbaren und originellen Experten, der unsere Sendungen extrem bereichert hat. Er hat den Zuschauern einen tiefen Einblick in den Fußball ermöglicht und sie bestens unterhalten." Der ehemalige Fußballprofi war seit neun Jahren für die ARD im Einsatz. dh/dpa
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