"Sport Bild"-Chef Alfred Draxler "In der Politik würde sich niemand nur auf CDU-TV verlassen"

Montag, 01. Februar 2016
Alfred Draxler, Chefredakteur der "Sport Bild", war Diskutant beim Spobis in Düsseldorf
Alfred Draxler, Chefredakteur der "Sport Bild", war Diskutant beim Spobis in Düsseldorf
Foto: Springer

Die traditionellen Medien haben ihr Monopol in der Sportberichterstattung längst verloren. Nicht nur "Kicker", "Bild" und Co sorgen für News und Hintergründe aus den Vereinen – die Clubs setzen selbst zunehmend eigene Plattformen auf, auf denen sie ihre Fans mit Informationen versorgen. Dieser zusätzliche Service für Fans kann aus Sicht von Journalisten auch eine Bedrohung sein. Darüber wurde auf der großen Bühne beim Spobis in Düsseldorf diskutiert.

Der FC Bayern München ist längst mehr als nur ein Fußballverein. Der deutsche Rekordmeister ist inzwischen auch ein Medienhaus. Über sein hauseigenes Club-TV bieten die Münchner ihren Fans Highlights aus den Spielen, ausgewählten Live-Content, Hintergründe und Gewinnspiele. Um das sehen zu können, muss man beispielsweise 36 Euro für 12 Monate bezahlen. Mit FCB TV erreicht Bayern München inzwischen Menschen in 85 Ländern, denen jeden Tag bis zu drei Stunden exklusiver Content gezeigt werden.

Andreas Jung (Bayern München), Jürgen Gerdes (Deutsche Post) und Alfred Draxler ("Sport Bild", v.l.) stellten sich den Fragen von Moderator Hagen Bossdorf
Andreas Jung (Bayern München), Jürgen Gerdes (Deutsche Post) und Alfred Draxler ("Sport Bild", v.l.) stellten sich den Fragen von Moderator Hagen Bossdorf (Bild: Ingo Rentz)
Dass der FC Bayern so vorgeht, ist kein Wunder, gehört er doch zu den strahlendsten Marken aus Deutschland und verfügt zudem über einen der begehrtesten Medieninhalte. Vor allem bei der Internationalisierung wollen die Münchner sich das zunutze machen: "Wir registrieren weltweit ein sehr großes Bedürfnis nach Content. Durch die Digitalisierung sind wir in der Lage, diesen Bedarf auch bedienen zu können", so Andreas Jung, Vorstand Marketing beim FC Bayern München. Das Ziel: Die Merchandising-Erlöse im Ausland in die Höhe zu treiben und die eigenen Partner präsenter zu machen. Beispiel Deutsche Post DHL: Der Platin-Sponsor des FC Bayern wickelt die Logistik des Fanshops in China ab. "Große Marken brauchen starke, wandlungsfähige Partner. Uns verbindet der Hunger, Erfolg zu haben und die Fähigkeit, innovativ zu sein", beschrieb Jürgen Gerdes, Mitglied im Konzernvorstand der Deutschen Post, die Zusammenarbeit.Ebenfalls auf der Bühne: Alfred Draxler, Chefredakteur der "Sport Bild" und bestens vernetzter Fußball-Insider. Medien wie die aus dem Hause Axel Springer aber auch viele andere leben gut von ihrer Fußball-Berichterstattung. Die Frage ist: Braucht ein FC Bayern München überhaupt noch die Draxlers dieser Welt, um seine Inhalte nach außen zu transportieren? Ketzerisch geantwortet: Nein. Dazu reicht eigentlich schon ein gut platziertes Interview im Geschäftsbericht des Sponsors und Teilhabers Audi.

Journalisten bräuchten sich um ihre Bedeutung aber keine Sorgen zu machen, versicherte Jung: "Die klassischen Medien kommentieren die Themen und ordnen sie ein. Das ist nicht unsere Aufgabe." So sei es ja auch im Polit-Betrieb, pflichtete Draxler bei: "In einer politischen Debatte würden sich die Zuschauer ja auch nicht nur auf CDU-TV verlassen." Vielmehr werde unabhängiger Journalismus in der sich immer mehr ausdifferenzierenden Medienlandschaft immer wichtiger.
Das Problem: Die Vereine verfügen über Informationen, die sie im Zweifelsfall exklusiv kommunizieren können, etwa Verletzungen von Spielern. An solche Informationen kommt nur heran, wer sehr nahe an den Protagonisten dran ist. Das wiederum provoziert hier und da den Verdacht der Kumpanei. Solche Anfälligkeiten habe es bei Journalisten schon immer gegeben, entgegnete Draxler, der sich im Zusammenhang mit der vom "Spiegel" ins Rollen gebrachten "Sommermärchen"-Affäre selbst dieses Vorwurfs ausgesetzt sah.

Auf der Spobis-Bühne versicherte er: "Wir beobachten Club-TV als Quelle, aber wir machen uns nicht damit gemein." ire

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