Sport 1 "Wir haben bewiesen, welche Wucht wir als Marke entwickeln können"

Sonntag, 21. Februar 2016
Ivo Hrstic ist Director Content und Chefredakteur Digital von Sport 1
Ivo Hrstic ist Director Content und Chefredakteur Digital von Sport 1
Foto: Sport 1

Am vergangenen Donnerstag zur Europa League experimentierte Sport 1 erstmals in größerem Rahmen mit Livestreaming auf Facebook. Über den gesamten Tag verteilt gingen Redakteure und Reporter des Senders insgesamt 13 Mal live und berichteten rund um die Partie des FC Augsburg gegen Liverpool. Gegenüber HORIZONT Online zieht Digitalchefredakteur Ivo Hrstic Bilanz.
Unter dem Strich erreichte Sport 1 mit seinen Videos fast 1,8 Millionen Nutzer – also im Schnitt 137.000 pro Video. Die Gesamtzahl der Videoabrufe liegt bei 320.000, was 24.640 Views für jedes Video gleich kommt. Natürlich performte jedes Video unterschiedlich. Großer Renner war der Livestream von der Pressekonferenz vor dem Spiel, bei der Liverpools deutscher Trainer Jürgen Klopp (früher Borussia Dortmund) von den Augsburgern eine große Laugenbrezel überreicht bekam. Dieses Video landete bei über 80.000 Views (siehe eingebetteter Post). Die Einschaltquoten im TV, wo Sport 1 die Partie live übertrug, rundeten den Europa-League-Tag ab: Dort erzielte Sport 1 einen überdurchschnittlichen Marktanteil von 8,8 Prozent im Gesamtpublikum und 8,5 Prozent bei den jungen Zuschauern und überflügelte am gestrigen Abend gar teilweise die großen Sender. "Neben den hohen Abrufzahlen auf Facebook haben wir auch im TV wieder hervorragende Einschaltquoten erzielt. Ich denke wir haben bewiesen, welche Wucht wir als Marke entwickeln können, wenn wir alle uns zur Verfügung stehenden Plattformen auch nutzen", freut sich Hrstic.

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Posted by SPORT1 on Donnerstag, 18. Februar 2016
Während neue Features von Publishern gerne ganz behutsam angefasst werden, entschied sich Sport 1 bewusst für einen großen Aufschlag, sagt Hrstic: "Dass wir gleich richtig in das Thema eingestiegen sind – mit einem ganzen Tag im Zeichen von 'Facebook Live' – spiegelt unser Selbstvertrauen im digitalen Bereich wider. Wir haben uns gesagt: Wir trauen uns das zu, wir können das." Zudem wollen sich die Ismaninger immer wieder in der Rolle des digitalen Vorreiters positionieren. "Deswegen war es für uns keine Frage, ob  wir mit Facebook Live experimentieren", so der Director Content und Chefredakteur Digital von Sport 1.

Mit dem Livestreaming-Experiment zeigt Hrstic sich zufrieden, sowohl von den Zahlen als auch inhaltlich. Zahlen seien allerdings gar nicht entscheidend, sagt er. Viel wichtiger sei, neue Zielgruppen zu erschließen - vorzugsweise solche, die man über das klassische TV noch nicht erreicht habe. "Wir werden einen 20-jährigen Studenten, der vielleicht keinen Fernseher besitzt, nicht dazu bekommen, in den Elektronikmarkt zu gehen und sich einen zu kaufen. Diese Menschen wollen wir dort erreichen, wo sie sich aufhalten. Und das sind die digitalen Plattformen", erklärt Hrstic.

Die Nutzer hätten das Experiment gut angenommen. Das zeigten nicht nur die Abrufzahlen sowie Likes und Shares, sondern auch die vielen positiven Kommentare. Perfekt sei das Ganze deswegen allerdings noch lange nicht gewesen, sagt Hrstic. So habe es zu Beginn Tonprobleme gegeben. "
An die technische Umsetzung habe ich einen sehr hohen Anspruch. Unsere User erwarten von uns einen technisch einwandfreien Livestream, den müssen sie dann auch bekommen", sagt der Digitalchef. Und auch das Team, das insgesamt aus vier mit iPhones, Mikrofon und Stativ ausgestatteten Personen bestand, dürfe noch an sich arbeiten: "Wir waren inhaltlich in der Präsentation hier und da vielleicht noch ein bisschen zu steif. Wir wollen versuchen, künftig noch etwas lockerer zu werden."
„Wir haben uns gesagt: Wir trauen uns das zu, wir können das.“
Ivo Hristic
Sport 1 will das Thema Livestreaming in diesem Jahr weiter verfolgen, etwa zu Großevents wie der Fußball-EM oder den olympischen Spielen. Hrstic sieht die digitalen Echtzeit-Bilder dabei nicht als Konkurrenz zum eigentlich Kernprodukt, dem TV-Sender: "Alles, was wir im digitalen Bereich machen, ist additiv und kommt dem TV-Programm nicht in die Quere. Von daher sehe ich keine Kannibalisierungsgefahr durch die Livestreams."

Bleibt die Frage nach der Monetarisierung. So lange Livestreaming noch in den Kinderschuhen steckt und von Publishern als Experimentierfeld angesehen wird, werden Medienhäuser kein Problem damit haben, dieses Feld als Zuschussgeschäft zu betrachten. Nur: wie lange noch? Zumal sich im digitalen Bereich viele neue Vermarktungsmöglichkeiten ergeben sollten. Hrstic denkt etwa an Post-Rolls oder Sponsored Streams. Allerdings plädiert er hierbei vor allem für Geduld: "Neue Nutzer zu erreichen, hilft irgendwann auch bei der Monetarisierung. Allerdings nicht immer sofort, das braucht auch Zeit." ire
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