Sport 1 Warum der Sportsender seine Homepage relauncht hat

Dienstag, 03. Februar 2015
Robin Seckler ist Geschäftsführer von Sport 1
Robin Seckler ist Geschäftsführer von Sport 1
Foto: Sport 1

Ende Januar begann bei Sport 1 eine neue Ära: Mit dem Start der Bundesliga-Rückrunde hat der Sender den schrittweise erfolgten Relaunch seiner Homepage abgeschlossen. Nun konnen alle Nutzer die neue Seite sehen. Im Interview mit HORIZONT Online erklärt Sport 1-Geschäftsführer Robin Seckler, was sich geändert hat.

Herr Seckler, warum relaunchen Sie die digitalen Auftritte von Sport 1 überhaupt? Der bisherige Auftritt von Sport1.de war im Hinblick auf die Infrastruktur der Seite ein wenig in die Jahre gekommen. Diese war in der Grundkonzeption über 13 Jahre alt, wurde über die Jahre hinweg jedoch immer wieder mit neuen Elementen erweitert. Bei der schnellen technologischen Entwicklung ist das ein ganz normaler Vorgang. Das hat allerdings dazu geführt, dass die Seite ein Konglomerat aus verschiedensten Diensten war, beispielsweise Video-Playern und Social-Plugins. Außerdem haben sich einige Prozesse für den Mobile-Auftritt gedoppelt. Für den Betrieb der Seite war das suboptimal und wirkte sich bisweilen auch auf die Usability aus.

Das neue Erscheinungsbild wurde erst nach und nach für alle Nutzer sichtbar. Warum haben Sie sich für einen Soft-Relaunch entschieden? Die Erkenntnis dazu ist im Zuge der Relaunch-Planung gereift. Wir haben inzwischen über ein Dutzend Apps und mehrere Websites. Dies alles an einem Tag fehlerfrei umzuschalten, wäre sehr schwierig geworden. Diesen harten Wechsel wollten wir weder unseren Nutzern noch uns selbst zumuten. Daher haben wir uns entschieden, den Relaunch sukzessive zu vollziehen.

Auch aus Trafficgründen? Nach Relaunches gehen die Zugriffszahlen ja gerne mal runter. Das war eine der Überlegungen dabei. Genauso wichtig war uns aber, laufend Nutzerfeedback einzuholen.

So sieht die neue Startseite von sport1.de
So sieht die neue Startseite von sport1.de (Bild: Screenshot)
Und wie fallen die Rückmeldungen bislang aus? Das hat mich persönlich ehrlich gesagt sehr überrascht. Viele Seitenbetreiber bekommen nach einem Relaunch eher negatives Feedback. Bei uns sind bislang weit über 60 Prozent der Rückmeldungen positiv. Selbstverständlich gibt es auch Kritik, aber die ist größtenteils sehr fundiert und konstruktiv. Das geht so weit, dass die Nutzer sehr konkrete Änderungsvorschläge haben. Ein Beispiel: Einige Nutzer haben angeregt, dass sie die Themen im Newsticker unterhalb des Aufmachers gerne nach Sportarten und Vereinen filtern möchten. Das haben wir nun berücksichtigt. Wenn man die Nutzer mitnimmt und beteiligt, wird das auch honoriert.

Wie hat sich die Seite inhaltlich weiterentwickelt? Aus der Analyse im Vorfeld wurde deutlich, dass das Thema Live-Sport ganz entscheidend ist. Live-Sport sorgt für große Emotionen. Dies wollen wir mit großzügigen Bildern, großen Headlines und Videos in vielen verschiedenen Größen transportieren. Wir arbeiten dabei auch verstärkt mit Audio-Livesequenzen, die von unserem digitalen Sportradio Sport1.fm übernommen werden. Außerdem sind unsere Live-Inhalte mit der Signalfarbe Orange gekennzeichnet, um den Nutzer noch besser auf gerade laufende Sportereignisse hinzuweisen. Darüber hinaus war es uns wichtig, bestimmte Themen zu bündeln, sodass der Nutzer alle Inhalte zu einem Thema an einem Punkt findet. Damit wollen wir unseren Usern eine noch bessere Orientierung bieten.

Wie sieht das konkret aus? Das funktioniert über eine ‚Dashboard‘-Struktur, die zwischen Sportarten bzw. Wettbewerben unterscheidet, also zum Beispiel Fußball-Bundesliga oder Champions League. Innerhalb dieser Dashboards sind wiederum Widgets angeordnet, also ‚Vorschaufenster‘, die zu den verschiedenen journalistischen Darstellungsformen führen – egal für welches Endgerät.

Inwieweit wirkt sich die neue Seite auf die internen Abläufe aus? Mein Kollege Olaf Schröder und ich haben uns die Arbeitsabläufe unserer Redakteure genau angesehen und die Prozesse teilweise angepasst. Wenn wir heute Redaktionssitzungen abhalten, müssen alle Mediengattungen – Online, Mobile, TV, Social Media und Teletext – präsent sein. Die Kollegen stimmen sich zweimal am Tag in großer Runde  intensiv über die Nachrichtenlage und über die Art, wie die Inhalte präsentiert werden, ab. Das führt in der Konsequenz zu einer noch stärkere Verzahnung zwischen Online, Mobile TV bzw. Radio. So bilden wir beispielweise auch Inhalte, die originär aus den sozialen Netzwerken kommen, auf unseren Plattformen ab.

„Die Vermarktung im Mobile-Bereich ist bekanntermaßen allgemein noch nicht vergleichbar mit dem, was auf dem Desktop möglich ist.“
Robin Seckler
Welche Rolle spielt Bewegtbild für das neue Sport 1? Bewegtbild ist aus drei Gründen ein ganz entscheidender Faktor: Nutzer legen enorm viel Wert auf qualitativ hochwertigen Bewegtbild-Content, besonders auf unseren mobilen Plattformen. Zweitens erzielen Videos in der Vermarktung einen höheren TKP. Und drittens ist unsere Bewegtbild-Kompetenz ein USP der Gesamtmarke Sport1. Durch unser redaktionelles und technisches Know-how und unsere Infrastruktur können wir von günstig produzierten Inhalten bis zu High-Quality-Programmen in HD alles bieten.

Auffällig bei Sport 1 ist die hohe Anzahl der mobilen Zugriffe. Woran liegt das? Gerade die Berichterstattung zu aktuell laufenden Sportereignissen wird zunehmend mobil konsumiert – zum Beispiel im Liveticker. Wir merken das besonders an Bundesliga- oder Champions-League-Spieltagen: da steigt die Mobile-Nutzung enorm an. Einerseits freut uns das sehr, es bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich. Die Vermarktung im Mobile-Bereich ist bekanntermaßen allgemein noch nicht vergleichbar mit dem, was auf dem Desktop möglich ist.

Welche Lösungen haben Sie parat? Über Standard-Werbeformate alleine wird dies nicht zu lösen sein. Im Rahmen der Neuausrichtung unseres Vermarkters Sport1 Media haben Patrick Fischer und sein Team die 'Unit 360' ins Leben gerufen. Diese kreieren für  Kunden und deren Marken vernetzte und plattformübergreifende Inszenierungsmöglichkeiten, über die sich Leads generieren lassen. Hierfür bieten sich mobile Endgeräte sehr gut an, weil die Interaktionsrate dort viel höher ist als bei einer stationären Nutzung.

Denken Sie dabei auch an Native Advertising?
In diese Richtung kann es durchaus gehen. Allerdings muss dies für den Nutzer transparent und klar erkennbar sein." Interview: Ingo Rentz

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