Spionageaffäre "taz" stellt Strafanzeige und veröffentlicht Chronologie der Ereignisse

Dienstag, 24. Februar 2015
Chefredakteurin Ines Pohl ist erschüttert über die Datenklau-Affäre
Chefredakteurin Ines Pohl ist erschüttert über die Datenklau-Affäre
Foto: taz

Ausgerechnet die linksgerichtete "taz" ist Opfer einer umfangreichen Späh-Attacke geworden - der Täter: ein eigener Mitarbeiter. Nach Bekanntwerden des Datenklaus schwieg die Zeitung zunächst, veröffentlichte nun aber eine umfangreiche Chronologie der Ereignisse auf ihrer Website. Chefredakteurin Ines Pohl spricht von einer Spionageaffäre und kündigt straf- und arbeitsrechtliche Konsequenzen an.
Was war passiert? Am vergangenen Dienstag entdeckte ein EDV-Mitarbeiter an einem Redaktionsrechner einen sogenannten Keylogger. Das Gerät erinnert optisch an einen USB-Stick, wird aber zum Ausspähen von Daten eingesetzt. Zudem beobachteten "taz"-Redakteure, wie ein Kollege heimlich versuchte, den Keylogger zu entfernen. Zur Rede gestellt äußerte er sich nicht und verließ das Gebäude. In derselben Nacht wurde in der Redaktion eingebrochen; wie weit der Einbrecher kam, ist unklar. Mit dem Keylogger wurden offenbar mehrere Kollegen ausgespäht, darunter auch Ressortleiter und Praktikanten.
„Tatsächlich haben wir es mit einer Spionageaffäre zu tun. Der Schock bei uns allen sitzt tief.“
Ines Pohl, "taz"-Chefredakteurin
Nachdem am Freitag verschiedene Medien über den Fall berichteten, schwieg die "taz" zunächst. "Das hatte arbeitsrechtliche und andere juristische Gründe. Zum anderen hatte es für uns Vorrang, eine interne Aufklärung der Vorkommnisse in die Wege zu leiten", schreibt Chefredakteurin Pohl in einer Stellungnahme. Für gestern war ein Gespräch mit dem mutmaßlichen Täter anberaumt, doch dieser erschien nicht. "Nachdem der unter Verdacht stehende Mitarbeiter am Montag nicht die Möglichkeit genutzt hat, sich der 'taz' gegenüber zu äußern, wurden arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet. Zudem wird eine Strafanzeige gestellt", so Pohl. Pikant: Wie berichtet wird, soll es sich bei dem verdächtigen Mitarbeiter um den Investigativ-Journalisten Sebastian Heiser handeln, der Anfang vergangener Woche noch mit Enthüllungen über angebliche Schleichwerbung bei seinem früheren Arbeitgeber "Süddeutsche Zeitung" für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Dazu veröffentlichte er auf seinem privaten Blog unter anderem heimlich aufgezeichnete Gespräche mit "SZ"-Kollegen. fam
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