Spionage Axel Springer wurde vom BND ausgespäht

Montag, 24. November 2014
Axel Springer wurde in den 60er Jahren vom BND ausgespäht
Axel Springer wurde in den 60er Jahren vom BND ausgespäht
Foto: Axel Springer
Themenseiten zu diesem Artikel:

BND Axel Springer Horst Mahnke Paul Carell Karl Schmidt


Axel Springer wurde jahrelang vom Bundesnachrichtendienst ausspioniert. Insgesamt hatte der BND in den 60er Jahren mindestens sieben Spitzel bei dem Verlag - mindestens zwei davon gehörten zum persönlichen Beraterstab von Verleger Axel Springer. Pikant: Beide hatten eine tiefbraune Vergangenheit.
Wie die "Bild"-Zeitung am Samstag berichtete, wurde Axel Springer von 1961 bis 1969 von bis zu sieben Mitarbeitern des BND ausspioniert. In einer Sonderkartei wurden unter anderem Informationen über den Verlag, seine Entwicklung und Verleger Axel Springer zusammengetragen. Mindestens zwei der Spitzel gehörten zu engen Mitarbeitern des Unternehmensgründers: Horst Mahnke und Paul Karl Schmidt. Mahnke wurde 1960 Chefredakteur der Zeitschrift "Kristall" von Axel Springer, von 1965 bis 1969 leitete er den persönlichen Beraterstab von Axel Springer. Paul Karl Schmidt, besser bekannt als Paul Carell, war Sicherheitschef von Axel Springer und gehörte bis zu dessen Tod 1985 ebenfalls dem Beraterstab des Verlegers an. Pikant: Beide hatten eine tiefbraune Vergangenheit. Mahnke war zur Zeit des Nationalsozialismus SS-Hauptsturmführer, Schmidt Mitglied der SA, später SS-Obersturmbannführer und Pressereferent von NS-Außenminister Joachim von Ribbentrop.

Willi Winkler von der "Süddeutschen Zeitung" findet die Enthüllungen der "Bild" zwar grundsätzlich "erfreulich", durch die Verstrickungen enger Mitarbeiter von Axel Springer mit den Nationalsozialisten aber auch peinlich. So habe Mahnke vor seinem Wechsel vom "Spiegel" zu Axel Springer offenbar eine Versicherung verlangt, dass man ihn halten und decken würde, sollten wegen seiner braunen Vergangenheit Bedenken geäußert werden. Ob es einen solchen "Persilschein" gab, ist unklar - das Archiv von Axel Springer weiß davon nichts - "aber die schützende Hand gab es zweifellos", schließt Winkler. Springer habe auf rechte Kräfte gebaut, selbst eine SS-Vergangenheit sei kein "Beschäftigungshindernis" gewesen.

Zumindest kann man dem Unternehmen nicht vorwerfen, die NS-Vergangenheit der beiden ehemaligen Mitarbeiter zu verschweigen. So wird die SS-Mitgliedschaft von Mahnke und Schmidt von der "Bild" selbst thematisiert. Die Zeitung will nun auf die Herausgabe sämtlicher Unterlagen des BND klagen. Der Geheimdienst hält die Akten von mindestens fünf weiteren BND-Spitzeln bei Springer zurück, die nicht durch eine NS-Vergangenheit belastet sind. dh
Meist gelesen
stats