Spiegel zu Brinkbäumer-Gerüchten "Es gibt keine Sondierungsgespräche"

Freitag, 23. März 2018
Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer
Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer
© Getty Images / Alexander Hassenstein

Steht dem Spiegel die nächste zermürbende Chefredakteurs-Debatte bevor? Gut drei Jahre ist es her, dass Wolfgang Büchner nach einem monatelangen Scharmützel mit der Redaktion gehen musste und Klaus Brinkbäumer den Chefredakteursposten übernahm. Jetzt gibt es einen Medienbericht, der auf eine Ablösung Brinkbäumers hindeutet. So spekuliert der Medienjournalist Kai-Hinrich Renner auf Abendlatt.de, dass die Ära Brinkbäumer bei dem Nachrichtenmagazin "schon bald enden" könnte. Belege dafür liefert er nicht.
Glaubt man Renner, dann sondieren die Geschäftsführer der Spiegel Mitarbeiter KG, mit 50,5 Prozent größter Anteilseigner des Verlags vor Gruner + Jahr (25,5 Prozent mit Vetorecht) und den Augstein-Erben, den Markt bereits nach geeigneten Kandidaten. Dass nach einem Nachfolger gesucht werde, habe mit der geplanten Verschmelzung von Print- und Online-Redaktion zu tun, heißt es. Dieses Vorhaben wolle man "offenbar mit einem neuen Chefredakteur oder mit einem Team neuer Chefredakteure angehen", schreibt RennerBeim Spiegel wurde man von dem Bericht offenbar kalt erwischt. Die Hamburger, die am heutigen Freitag eigentlich mit dem neuen Spiegel-Layout für Schlagzeilen sorgen wollten - die unterschiedlichen Textformen wie Essay, Kommentar, Analyse und Spiegel-Gespräch kommen ab morgen jeweils mit einem eigenständigen Design und neuen Schriften daher - verbannen den Beitrag ins Reich der Spekulation. "Es gibt keine Sondierungsgespräche, geschweige denn einen Beschluss, den Chefredakteur abzulösen", erklärt eine Sprecherin gegenüber HORIZONT Online. Überdies gehe es bei der geplanten engeren Verzahnung von Print- und Online-Redaktion, über die HORIZONT Online bereits im Herbst 2017 berichtete, zügig voran. 

Völlig unumstritten ist Brinkbäumer freilich auch nicht. HORIZONT hatte schon Anfang Januar 2018 berichtet, dass die Geschäftsführung bei dem 51-Jährigen zum Teil Kooperationsfreude und Gestaltungswillen vermisst. Vor allem im Zusammenhang mit der Redaktionsfusion wird Brinkbäumer, der auch zugleich Herausgeber von Spiegel Online ist und sich dort mit Chefredakteurin Barbara Hans abstimmen muss, mangelnde Entschlusskraft und Konfliktbereitschaft mit seiner Redaktion nachgesagt, die sich möglicherweise damit abfinden muss, dass ein paar Stellen verschoben oder gestrichen werden.
Klaus Brinkbäumer
© HORIZONT / turi2

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Die wahrscheinlichste Lösung ist, dass die Chefredaktion in diesem Jahr erweitert wird. Dazu passt auch eine Aussage von Barbara Hans: "Früher mag ein Chefredakteur vielleicht derjenige gewesen sein, der alleine bestimmt, wo es langgeht", sagte die Spiegel-Online-Chefredakteurin kürzlich im HORIZONT-Interview. Doch diese Zeiten seien vorbei. Eine vollständige Ablösung Brinkbäumers halten Beobachter - auch mangels Alternativen - jedenfalls für unwahrscheinlich. mas/rp
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