Spiegel Verlag Die schonungslose Analyse der Mitarbeiter KG im Wortlaut

Mittwoch, 29. Juni 2016
Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity
Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity
Foto: Spiegel Verlag

Die neue Sprecherin der Mitarbeiter KG des "Spiegel" scheint den richtigen Nerv getroffen zu haben. Noch immer hallt nach, was Susanne Amann kürzlich in ihrer Rede vor den stillen Gesellschaftern des Spiegel-Verlags gesagt hat. Sie warnte vor Entscheidungsschwäche und Konfliktscheu – Vorwürfe, die derzeit nicht wenige aus der Redaktion an die Adresse der Chefredaktion richten. HORIZONT dokumentiert die Rede im Wortlaut.
In der Rede, die in dieser Woche zusammen mit dem Versammlungsprotokoll an die stillen Gesellschafter (also die meisten Mitarbeiter) des "Spiegel" verschickt wurde und die HORIZONT vorliegt, geht Amann teilweise hart mit der Führung von Verlag und Redaktion ins Gericht. Während sie die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung bei der Umsetzung der Sparpläne ausdrücklich lobt, fällt die Analyse in anderen Punkten deutlich negativ aus. "Wir sind nicht zufrieden, was die Entwicklung neuer Produkte angeht", heißt es an einer anderen Stelle des Redemanuskripts, das HORIZONT im folgenden dokumentiert. "Zentrale Projekte dauern zu lange, die Verantwortlichen drücken sich um schnelle Entscheidungen und wir haben schon wieder ein Jahr verloren." Insgesamt sei der Verlag zu langsam und scheue Auseinandersetzungen und klare Entscheidungen. Die Mitarbeiter KG habe der Geschäftsführung daher neben der Spar- und Wachstumsagenda eine dritte Aufgabe mit auf den Weg gegeben: "Unsere Unternehmenskultur zu verändern." Der Spiegel ticke in vielen Bereichen noch wie vor zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahren: "Klassische Führungsprinzipien behindern die Kreativität. Hierarchien erschweren das Umsetzen von Ideen. All das müssen wir dringend ändern", so die Mahnung von Amann. "Denn nur, wenn wir ein offeneres, neugierigeres, risikobereiteres und in Teilen auch spielerischeres Unternehmen werden, kriegen wir all das hin, was wir uns vorgenommen haben."

Die Rede der Sprecherin der Mitarbeiter KG im Wortlaut:

"Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe stille Gesellschafter!

Hinter uns liegt ein einschneidendes Jahr. Im Herbst hat die Geschäftsführung - mit Unterstützung der KG - die Agenda 2018 verabschiedet. Ein Spar- und Restrukturierungsprogramm, das es in dieser Form beim SPIEGEL-Verlag noch nicht gegeben hat.

Das ist ein Kurs, der leider dringend notwendig ist und mit dem unser Haus auf die Erlöseinbrüche der vergangenen Jahre reagiert. Die Agenda 2018 hat zum Teil heftige Debatten ausgelöst. Weil sie für viele stille Gesellschafter schmerzhafte Konsequenzen hat. Vor allem bei den Kolleginnen und Kollegen im Verlag.

Aber wir wissen alle, dass wir uns dem Strukturwandel in der Medienbranche nicht entziehen können. Und das wir darauf reagieren müssen. Und dass wir als SPIEGEL-Gruppe nur so unsere Zukunft als wirtschaftlich unabhängiges und damit handlungsfähiges Unternehmen sichern können.

Die KG ist froh, dass es Geschäftsführung und Betriebsrat gelungen ist, einen großen Teil des  Einsparungsvolumens über den erweiterten Vorruhestand zu realisieren. Wir danken beiden für ihr umsichtiges Agieren. Wir wissen, dass es auf allen Seiten viel Zeit und Nerven gekostet hat.

Trotzdem bleiben Bereiche, wo einige Beschäftigte nicht für den Vorruhestand in Frage kommen. Wir hoffen sehr, dass sich für viele von ihnen neue Möglichkeiten hier im Haus ergeben werden. Trotz aller Anstrengungen wird es sich am Ende aber nicht vermeiden lassen, dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt. Die Geschäftsführung geht derzeit von etwa 30 bis 40 betroffenen Mitarbeitern aus. Jeder einzelne von ihnen ist eigentlich zu viel. Sie müssen aber bedenken, dass ursprünglich die Zahl von 150 Stellen im Raum stand.

Derzeit wird häufig beklagt, dass die Reformen unserer Strukturen und Prozesse nicht energisch genug in Angriff genommen werden. Das stimmt in Teilen. Es muss aber auch klar sein,  dass die Agenda-Maßnahmen kein abgeschlossenes Projekt sind. Sondern ein Prozess. Aus jedem Schritt ergeben sich neue Handlungsfelder.

Aber natürlich müssen wir dringend darüber nachdenken, die knapper werdenden Ressourcen intelligenter einzusetzen.

Das gilt besonders für die Redaktion, die im Rahmen der Agenda zwar einen substantiellen Beitrag leistet. Aber sie wird mehr leisten müssen. Und hier reden wir nicht nur davon, dass die Redaktion mehr Verantwortung übernehmen muss etwa bei nicht mehr verifizierten Texten und Objekten.

Sie ist stärker denn je in der Pflicht, die Erlöse durch attraktive publizistische Produkte zu stabilisieren. Dafür brauchen wir den Elan, die Kreativität und die Energie, an neuen Projekten mitzuwirken.

Das zeigt: In der Phase, die jetzt vor uns liegt, wird es darum gehen, einen kritischen Blick auf die Umsetzung der Maßnahmen zu werfen. Was genau ist in Angriff genommen worden? Und bringt es die erhofften Effekte?

Womit wir beim zweiten und für uns entscheidenden Punkt der Agenda sind: dem Wachsen.

Wir wissen alle, dass Personalabbau und Kostensenkung nur die eine Seite der Agenda sind. Die noch wichtigere ist das Wachstum. Oder zumindest die Erlösstabilisierung.

Darauf weisen wir die Geschäftsführung gerade immer wieder ausdrücklich hin. Würden wir beim Wachsen auch nur annähernd so vorankommen wie beim Sparen, wäre das ein immenser Erfolg.

Aber wir sagen ganz offen: An diesem Punkt sind wir nicht besonders zufrieden. Weil wir bisher keine ausreichenden Ansätze und Projekte erkennen.

Wir wissen, dass das Wachsen erheblich schwieriger ist. Trotzdem erwarten wir hier deutlich mehr.

Bisher sieht die Situation so aus: Die neuen Print-Derivate generieren eher bescheidene Umsätze, im Idealfall vergleichsweise kleine positive Deckungsbeiträge.

SPIEGEL Biographie ist mit Helmut Schmidt gut gestartet, auch das Heft zur Queen ist den - bescheideneren - Erwartungen gerecht geworden. Die Reihe steht zugleich für den aus unserer Sicht – richtigen – Ansatz, durch umfassendere Zweitverwertung und schlankere Produktion positive Deckungsbeiträge zu erwirtschaften. SPIEGEL Edition Geschichte geht in eine ähnliche Richtung. Die Geschäftsführung denkt auch an weitere Print-Themen-Specials, was wir für sinnvoll halten.

Gleichzeitig ist nicht jeder Versuch, etwas Neues zu starten, erfolgreich. Beispiel: NRW-Teil. Scheitern ist nicht schlimm. Aber es braucht dann, gerade in unserer jetzigen Situation, einen erneuten Anlauf mit anderen Ideen. Die aber vermissen wir.

Sind die Fortschritte im Print-Bereich schon bescheiden, gilt das im Digitalen um so mehr. Aus der Erfahrung anderer Verlagshäuser wissen wir, dass schnelle und hohe Erlöse aus Paid Content auf SPIEGEL ONLINE wenig realistisch sind.

Trotzdem sind wir als KG alles andere als zufrieden mit dem Tempo und den Inhalten, die die Geschäftsführung und die Chefredaktion bisher präsentiert haben. Unserer Ansicht nach fehlen hier nach wie vor Ideen und eine klare Strategie. Wie genau der SPIEGEL in fünf Jahren aussehen soll, wofür er steht, ist uns noch nicht klar.

Natürlich gibt es einzelne Projekte wie etwa Daily oder SPIEGEL International. Doch in beiden Fällen fehlen verlässliche Prognosen und eine klare Kostenstruktur. Allen Beteiligten muss klar sein, dass solche Projekte - zumindest in einer Anfangsphase - nur aus den Ressourcen des Hauses bestritten werden können.

Es gibt darüber hinaus Projekte wie Bento, bei denen allerdings nicht abzusehen ist, ob sie langfristig wirtschaftlich erfolgreich sind. Unabhängig davon ergeben sich hier immerhin Lerneffekte für neue Darstellungsformen und Technologien.

Wir alle wissen, dass wir im SPIEGEL Verlag viele Jahre verschenkt haben. Weil wir die Veränderungen des Marktes nicht wahrnehmen wollten. Das zeigt sich auch am Stand unserer Technik, die vorsichtig ausgedrückt von vorgestern ist. Wir wissen, dass die Geschäftsführung deshalb auf vielen Baustellen gleichzeitig agieren muss.

Trotzdem sagen wir noch mal sehr klar: Wir sind nicht zufrieden, was die Entwicklung neuer Produkte angeht. Zentrale Projekte dauern zu lange, die Verantwortlichen drücken sich um schnelle Entscheidungen und wir haben schon wieder ein Jahr verloren.

Wir versichern Ihnen, dass wir als KG derzeit mindestens im Wochenrhythmus das Gespräch mit der Geschäftsführung und der Chefredaktion führen, um diesen Prozess zu beschleunigen. Was für uns mindestens genauso anstrengend ist wie für die Betroffenen.

Wie notwendig Veränderungen sind, zeigen die Umsatzeinbußen, die wir im SPIEGEL-Verlag im vergangenen Jahr hatten. Sie machen deutlich, vor welch großen Herausforderungen wir stehen: In Summe verzeichnen wir im SPIEGEL-Verlag einen Umsatz von 182 Millionen, das ist ein Minus von über 8 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2011 ist der Umsatz damit um 40 Millionen Euro gesunken.

Verantwortlich dafür ist vor allem das Anzeigenminus von über 10 Prozent. Auch die Vertriebserlöse sind rückläufig, wären aber ohne die Preiserhöhung und den Effekt des ersten Quartals – damit meine ich die Werbekampagne rund um den neuen Erscheinungstag und die Nachrichtenlage rund um Charlie Hebdo - noch stärker gefallen. 

Alarmierend ist: Trotz eines nachrichtenstarken Jahres ist die verkaufte Auflage weiter deutlich gesunken. Sie lag im Schnitt nur noch bei 833T Exemplaren (inkl. digital). Auch der beschleunigte Rückgang bei den Abos macht uns große Sorgen. Es wird immer schwieriger, Leser zu halten und neue zu gewinnen.

Auch die Ergebnisse der Nebenprodukte fallen ziemlich ernüchternd aus, u.a. weil dort Kosten für in Anspruch genommene Leistungen auch tatsächlich verrechnet werden. Das war in der Vergangenheit anders.

Überraschend trüb fällt deshalb die Einzelbetrachtung für Dein SPIEGEL aus, beim Literatur-SPIEGEL muss man die weitere Entwicklung aufmerksam beobachten. Aber auch SPIEGEL GESCHICHTE und WISSEN schaffen gemeinsam nur einen kleinen positiven Deckungsbeitrag. 

Aus unserer Sicht muss das primäre Ziel für die Nebenprodukte deshalb sein: Sie zügig rentabel oder rentabler aufzustellen, statt einzustellen. Denn eine Einstellung bringt so lange wenig, wie die angefallenen Personalkosten weiter auf dem SPIEGEL-Verlag lasten.

Bei den Kosten fallen die Einsparungen durch den neuen Druckvertrag positiv auf: Inklusive der Papierkosten sanken die Druckkosten um knapp 7 Millionen Euro.

Auch die Personalkosten sind gesunken – vor allem durch nicht besetzte Planstellen.

Das alles führt dazu, dass wir im SPIEGEL-Verlag – ohne die Agenda 2018 - ein Betriebsergebnis von 29 Millionen Euro erreichen. Das liegt um 4,6 Millionen über dem Vorjahr. Unterm Strich bleibt davon allerdings nur ein Jahresüberschuss von 1,8 Millionen Euro übrig.

Denn es werden knapp 27 Millionen Euro für Maßnahmen der Agenda 2018 zurückgestellt. Davon 21 Millionen für den Vorruhestand, weitere Mittel für voraussichtliche Abfindungszahlungen im Rahmen des Sozialplans.

Kommen wir zu den Ergebnissen der anderen Bereiche der SPIEGEL-Gruppe. Die fallen immerhin etwas positiver aus.

Bei SPIEGEL ONLINE blicken wir auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Die Zugriffszahlen konnten erneut gesteigert werden, auch der Umsatz ist um gut 6 Prozent gewachsen, nachdem er 2014 leicht rückläufig war.

Vor allem die mobilen Werbeerlöse, aber auch Bewegtbild legten kräftig zu. Die Erlöse der stationären Website konnten gehalten werden. Bei Bento fielen wie geplant Anlaufverluste an. Trotzdem steht am Ende insgesamt ein Jahresüberschuss von 3,7 Millionen Euro – was deutlich über den Erwartungen liegt.

Es ist bei SPIEGEL ONLINE also gut gelungen, der Herausforderung durch die immer stärkere mobile Nutzung zu begegnen. Allerdings sind auch hier die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten vorbei. Die Mobilwerbung hat zwar stark zugelegt. Die Preise dort sind aber erheblich niedriger als die der Desktop-Seite, die Möglichkeiten der Platzierung schlechter.

Das heißt: Früher oder später stößt das werbefinanzierte Reichweitenmodell an seine Grenzen. Umso wichtiger ist es auch hier, zu alternativen Erlösen durch Bezahlinhalte zu kommen. Ziel muss dabei aber sein, das noch gut funktionierende Reichweitenmodell möglichst wenig zu beschädigen.

Auch das Fernsehgeschäft bietet Grund zur Freude - und das, obwohl wir immer schreiben, Fernsehen sei tot. In einem insgesamt stabilen Markt für TV-Produktionen, sind die Erlöse im Bereich Ko- und Auftragsproduktionen kräftig gestiegen, allerdings ohne dass sich das im selben Maß auf das Betriebsergebnis ausgewirkt hätte.

Ein stabiler und wichtiger Ergebnisbringer bleiben die Lizenzformate für RTL und Sat.1. Die in einem Joint Venture betriebenen Pay-TV-Kanäle SPIEGEL GESCHICHTE und SPIEGEL WISSEN laufen nach wie vor hervorragend. Den dort entstehenden Gewinn müssen wir mit dem Mitgesellschafter teilen. Ohne diesen Anteil beträgt der Jahresüberschuss bei SPIEGEL TV 1,2 Millionen Euro.

Auch die blaue Gruppe kann auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Manager Magazin und Harvard Business Manager gelang es in einem starken Wettbewerbsumfeld, den Umsatz fast zu halten. Im Vertrieb zeigte MM sich vor allem im Einzelverkauf sehr stark. Was ein Ergebnis der guten Arbeit der Redaktion um Steffen Klusmann ist. Auch die Anzeigenerlöse gingen nur leicht zurück.

HBM konnte sich insgesamt gut behaupten. Beim MM New Media ist es gelungen, das Defizit deutlich zu verringern. Gegenüber 2014 konnte der Jahresüberschuss so auf 1,7 Millionen Euro fast verdoppelt werden.

Kommen wir damit zur Gewinnausschüttung.

Ich habe es gerade schon erwähnt: Die Finanzierung der Agenda 2018 zehrt die erwirtschafteten Überschüsse des SPIEGEL-Verlages in diesem Jahr weitestgehend auf.

Deshalb liegt der ausschüttungsfähige Betrag insgesamt nur noch bei 690 000 Euro - daher bekommt jeder stille Gesellschafter nur die Kopfquote von 913 Euro.

Der Form halber möchte ich noch sagen, dass die Mitarbeiter GmbH – nicht die Mitarbeiter KG – hat im Geschäftsjahr 2014 – nicht 2015 – einen Verlust von 1.340,80 Euro erwirtschaftet hat. Dieser Verlust wird – wie immer – mit der Entlastung der Geschäftsführung auf das neue Jahr vorgetragen.

Das alles macht einem keine gute Laune. Aber wir glauben, dass es gut ist, die Gewinne in die Zukunft unseres Hauses zu investieren.

Wichtig ist aber vor allem, dass uns die derzeitige Situation nicht hilflos macht. Das sie uns nicht mutlos werden lässt. Wir glauben nach wie vor an die Zukunft des SPIEGEL. Weil es gute Gründe gibt, sich diesem Abwärtstrend entgegen zu stemmen.

Zum einen ist er kein Naturgesetz - das zeigen die Zahlen anderer Verlage, die uns Ansporn sein sollten.

Zum anderen haben wir trotz der schlechten Zahlen immer noch relativ viel Handlungsspielraum - wir müssen ihn nur nutzen.

Trotz aller Schwächen, die wir haben, ist der SPIEGEL unentbehrlich. Als politisches Nachrichtenmagazin, das einordnet, aufklärt und Haltung zeigt. Das politisch relevant ist, investigativ arbeitet. Und möglichst auch noch unterhaltsam ist. 

Was diesen Anspruch angeht, sind wir derzeit nicht immer zufrieden. Und die sinkende Auflage zeigt, dass wir mit dieser Einschätzung nicht alleine sind.

Wir erwarten deshalb, dass sich die Chefredaktion noch intensiver mit der Frage beschäftigt, was unsere Leser eigentlich von uns erwarten. Welche Formen und Inhalte die richtigen sind. Wie wir neue Leser gewinnen. Und warum uns so viele Leser verlassen haben. Diese Debatte muss dringend geführt werden.

Kommen wir zum letzten Teil.

Innovation ist ein ziemlich überstrapaziertes Wort. Und doch haben wir hier in unserem Haus wenig so nötig, wie über Innovation zu diskutieren.

Die meisten von Ihnen werden den Innovationsreport gelesen haben - oder zumindest die Berichterstattung darüber. Er ist in unseren Augen ein typisches Beispiel dafür, wie die Dinge bei uns im Haus laufen: 

Eigentlich ist er seit Anfang des Jahres fertig gewesen. Er beinhaltet eine umfassende Bestandsaufnahme und Analyse unserer Situation. Die ist vielleicht in manchen Punkten strittig. Aber sie war von Chefredaktion und Geschäftsführung ausdrücklich gewünscht.

Passiert ist dann aber über Wochen nichts. Selbst das Leaken des Reports beim SWR ist schon wieder zwei Monate her. Zwei Monate! Das zeigt mehr als alles andere, dass viele Befunde des Innovationsreports im Kern richtig sind. 

-          Wir sind zu langsam.

-          Wir scheuen die Auseinandersetzung.

-          Und wir scheuen klare Entscheidungen.

Wir haben der Geschäftsführung deshalb neben der Spar- und der Wachstumsagenda eine dritte Aufgabe auf den Weg gegeben: Unsere Unternehmenskultur zu verändern.

Der SPIEGEL tickt in vielen Bereichen noch wie vor zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahren:

Klassische Führungsprinzipien behindern die Kreativität. Hierarchien erschweren das Umsetzen von Ideen. 

All das müssen wir dringend ändern. Denn nur, wenn wir ein offeneres, neugierigeres, risikobereiteres und in Teilen auch spielerischeres Unternehmen werden, kriegen wir all das hin, was wir uns vorgenommen haben.

Wir wissen, dass das eine große Herausforderung ist. Trotzdem glauben wir, dass wir das schaffen. Weil wir sehr viele gute Mitarbeiter haben. Weil wir eine starke Marke haben. Und weil wir immer noch Lust auf wirklich guten Journalismus haben.

Der Leitspruch des SPIEGEL ist: „Sagen was ist.“

Wir haben das für uns etwas erweitert: Machen wir einfach, was notwendig ist.

Danke."

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