Spiegel Print/Online "Am Ende soll eine gemeinsame Redaktion stehen"

Donnerstag, 30. Juni 2016
Klaus Brinkbäumer (l.) und Floriam Harms
Klaus Brinkbäumer (l.) und Floriam Harms
Foto: Spiegel

Hallo Kollegen: Das am Montag dieser Woche gestartete Digitalbezahlmodell des "Spiegel" führt – dies spricht Chefredakteur Klaus Brinkbäumer jetzt ganz klar aus – Print- und Online-Redaktionen zusammen. Doch das ist beim "Spiegel" ja ein Thema für sich.

Spätestens jetzt ist jedem an der Hamburger Ericusspitze klar: Die künftige Produkt- und Bezahlstrategie des "Spiegel" erfordert, dass die Redaktionen von Print, Online und TV nicht nur stärker kooperieren und sich auf der Ebene der jeweiligen Partner-Ressortleitungen "mit viel Teamgeist hervorragend selber koordinieren und inhaltlich choreographieren" (Brinkbäumer), sondern eines Tages auch organisatorisch zusammenwachsen.

"Am Ende des Prozesses soll eine gemeinsame Redaktion stehen", sagen Brinkbäumer (zugleich Spiegel-Online-Herausgeber) und Online-Chefredakteur Florian Harms nun gegenüber HORIZONT. So deutlich hat das bisher keine "Spiegel"-Chefredaktion offiziell formuliert. Noch vor gut einem Jahr hatte Brinkbäumer bei derselben Frage allgemeinere Worte gewählt: "Am Ende steht ein modernes multidimensionales Medienhaus, das nicht nur Print und Online vereint, sondern auch TV und alle anderen Abteilungen des ,Spiegel‘". Nun also tatsächlich Redaktionsfusion, irgendwann.

Spätestens dann kommen die Themen Gesellschafter- und Gewinnbeteiligung, Mitspracherechte und Gehälterangleichung der Onliner auf den Tisch. Das wissen beide, ebenso Geschäftsführer Thomas Hass und die Gesellschafter. „Als zweitgrößte Redaktion des Hauses, die gute Gewinne erwirtschaftet und für den digitalen Erfolg der Marke entscheidend ist, haben wir Onliner sicher das Recht, an der entscheidenden Stelle mitzureden“, sagte Harms dazu im April 2015 im HORIZONT-Interview. Und Brinkbäumer damals an selber Stelle: "Ich verstehe und unterstütze diesen Wunsch, und viele meiner Print-Kollegen tun das ebenfalls. Darüber hat aber nicht die Chefredaktion zu entscheiden."

Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity (Bild: Der Spiegel)
Bild: Spiegel Verlag

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Sondern die Geschäftsführung des Hauses (Gehälter), die Gesellschafter (Gewinnbeteiligung) und speziell die stillen Gesellschafter des Mehrheitseigentümers Mitarbeiter KG (50,5 Prozent), wenn es um eine mögliche Kapitalbeteiligung der Onliner geht. Die stillen Gesellschafter, das sind – nach den Stellenstreichungen – noch rund 260 Print-Redakteure, etwa 250 kaufmännische Angestellte und rund 70 Dokumentare. Sie werden vertreten von einer fünfköpfigen KG-Geschäftsführung, als deren Sprecherin seit diesem März die Wirtschaftsredakteurin Susanne Amann wirkt.

Amann und ihre vier KG-Kollegen, die der „Spiegel“-Chefredaktion und -Geschäftsführung jüngst kräftig die Leviten gelesen haben, werden irgendwann entscheiden müssen, ob und wie interessierte Onliner stille Gesellschafter werden können. Dann müssten die 580 Alt-Gesellschafter Macht und zuletzt ohnehin stark gesunkene Gewinnausschüttungen mit bis zu 160 Onlinern (falls alle in die KG eintreten wollen) teilen. Auch der KG-Geschäftsführung steht also eine schwierige interne Entscheidungs- und Managementaufgabe bevor. rp

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