"Spiegel"-Krise Wie Cordt Schnibben mit Wolfgang Büchner abrechnet

Freitag, 05. Dezember 2014
Cordt Schnibben hat mit seinem Schreiben auf Facebook eine Lawine an Reaktionen ausgelöst
Cordt Schnibben hat mit seinem Schreiben auf Facebook eine Lawine an Reaktionen ausgelöst
Foto: Screenshot Facebook

Das musste wohl einfach mal raus: Der "Spiegel"-Autor Cordt Schnibben hat sich mit einem ausführlichen Facebook-Post an die Öffentlichkeit gewagt und seine Sicht der Dinge über die Krisen-Monate in der Redaktion des Hamburger Traditionsblattes dargelegt. Wenig überraschend im Fokus seiner Abrechnung: der scheidende Chefredakteur Wolfgang Büchner.
Die Motivation für das ungewöhnliche Schreiben liefert Schnibben gleich mit, wenn auch am erst am Ende: Er schreibe diese Zeilen nicht, um Noch-Geschäftsführer Ove Saffe und Büchner zu verletzen, sondern weil er nicht mehr mit ansehen könne, "wie eine ganze Redaktion, die sich für die richtige Sache stark macht, als ein Haufen von Fortschrittsverweigerern an den Pranger gestellt wird" - ein Seitenhieb in Richtung der Medien, die berichteten, "da kämpfe eine Garde von uneinsichtigen Print-Ressortleitern gegen einen großen Reformer". 
Dabei sind die Zeilen zuvor schon harter Tobak: Schnibbens Ausführungen drehen sich um die Hypothese, Büchner sei "der falsche Mann zum richtigen Zeitpunkt am falschen Ort". Anstelle eines Chefredakteurs, der Print und Online verzahnt und mit den Redaktionen gemeinsam neue digitale Medien entwickelt, habe man einen bekommen, der "Online und Print gegeneinander in Stellung gebracht hat, der Diskussionen mit Redakteuren großräumig vermied, der als journalistischer Inspirator weder bei Print noch bei Online auffiel, der sich um die Cover-Gestaltung des Heftes nur in Viertelstündchen widmete". 
„Dialog sei wichtiger als Digitalisierung, war Büchners Credo. Meine Dialoge mit ihm, immerhin sein 'digitaler Scout', wurden nie zu Gesprächen.“
Cordt Schnibben über Wolfgang Büchner
In der Folge stellt Schnibben Büchner fast schon als Digitalverweigerer dar: "Dialog sei wichtiger als Digitalisierung, war Büchners Credo. Meine Dialoge mit ihm, immerhin sein 'digitaler Scout', wurden nie zu Gesprächen. Erkenntnisse aus der digitalen Welt, die seinem Konzept widersprachen, interessierten ihn nicht. Unsere Einwände, seine 'digitale Strategie' sei zu wenig, würden das Problem des 'Spiegel' nicht lösen, führten nicht zu mehr Dialog sondern schließlich zu Null-Dialog." Das Konzept "Spiegel 3.0" bezeichnet Schnibben abwertend als "Strukturpapierchen, das Ressortleiter quer durchs Haus schob und kritische Ressortleiter gleich vor die Tür". Als die Luft für Büchner immer dünner wurde, sei er nur noch als "Change-Manager" aufgetreten, der sich aus der Chefredaktion und dem Blattmachen zurückzog.

Das ehrliche, wütende Schreiben des "Spiegel"-Reporters hat bei Branchengrößen in den sozialen Netzwerken eine Lawine an Reaktionen ausgelöst. HORIZONT Online zeigt eine Auswahl der Tweets:
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