"Spiegel"-Kompromissversuch Büchner nimmt Blome eine halbe Schulterklappe weg

Mittwoch, 28. August 2013
Wolfgang Büchner kommt der Redaktion in der Causa Blome offenbar entgegen
Wolfgang Büchner kommt der Redaktion in der Causa Blome offenbar entgegen


Wolfgang Büchner streckt den Ressortleitern und der Mitarbeiter KG des "Spiegel" die Hand aus: Am Mittwochmittag hat der designierte Chefredakteur des "Spiegel" intern verkündet, dass "Bild"-Mann Nikolaus Blome nicht wie geplant dritter stellvertretender Chefredakteur werden soll - sondern "nur" Mitglied der Chefredaktion. Ein scheinbar kleiner kosmetischer Unterschied, der zwar nicht die Welt bedeutet, wohl aber die vorläufige Rettung des Betriebsfriedens beim "Spiegel" bedeuten kann. Denn die mächtigen Ressortleiter hatten sich am Montag bekanntlich einstimmig gegen Blome als stellvertretenden Chefredakteur ausgesprochen, ebenso schon vorher - dies allerdings nicht offiziell betriebsöffentlich - die Geschäftsführung der Mitarbeiter KG, der über die Hälfte (50,5 Prozent) des Verlags gehört. Am heutigen Mittwochnachmittag will die KG-Spitze die rund 760 Stillen Gesellschafter (Print-Redakteure, -Dokumentare und Verlagsmitarbeiter) über das Thema informieren. Und in etwa zwei Wochen wird es wohl eine Gesellschafterversammlung geben, die die Mitarbeiter per Unterschriftenliste erwirkt hatten.

Nun kommt es darauf an, ob Ressortleiter und Mitarbeiter KG Büchners Vorschlag als Kompromiss akzeptieren und damit leben können, dass der beim "Spiegel" umstrittene Blome im Dezember "nur" als Chef des Berliner Hauptstadtbüros und als Mitglied der Chefredaktion antritt, ohne Weisungsbefugnis gegenüber den Ressortleitern. Oder ob einige der Ressortleiter und fünf KG-Geschäftsführer, die "Bild"-Mann Blome vielleicht generell als Führungskraft im Hause ablehnen - oder dahinter gar, wie in der vergangenen Woche beschrieben, einen ganz anderen Kampf eher in Richtung Büchner-Kurs oder gar Veränderungen überhaupt ausfechten -, den Konflikt aufrecht erhalten, um Blome ganz zu verhindern. Denn wenn Blome nicht antritt, dürfte auch Büchner hinschmeißen. Oder umgekehrt: Wenn Büchner an Blome festhielte, müsste er wohl selber gehen. Und dann würde sich auch die Frage nach der Zukunft von Geschäftsführer Ove Saffe stellen, der Büchner geholt hat.

Der Ball liegt nun bei der KG-Spitze, und wenn sie ihn aufnimmt und Büchners Vorschlag annimmt (worauf einiges hindeutet, der Nachmittag dürfte es zeigen), dann wäre zumindest dieses Problem vom Tisch. Büchner würde antreten, Blome später auch. Eine zweite Frage wäre dann nur, ob und wie Büchner und Blome es küntig im Arbeitsalltag schaffen, ihre zahlreichen Zweifler und Gegner in der Redaktion zu überzeugen, einzubinden, ruhig zu stellen - oder zu verabschieden. rp
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