"Spiegel" Die sieben Voraussetzungen für das Überleben der Zeitungen

Montag, 05. August 2013
"Der Spiegel" widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe der Krise der Zeitungen
"Der Spiegel" widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe der Krise der Zeitungen


In einer großen Printgeschichte und einem umfangreichen Mulitmedia-Special analysiert der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe die tiefe Krise der deutschen Tageszeitungen. Publizistische Schwergewichte wie Frank Schirrmacher, der stellvertretende Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Wolfgang Krach, oder "Welt"-Chef Jan-Eric Peters ringen darin um Antworten auf die drängende Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Tageszeitung in der digitalen Welt - aus den Antworten hat "Spiegel"-Autor Cordt Schnibben sieben Voraussetzungen für das Überleben der Zeitungen herausdestilliert.

Nur digital kann Print-Journalismus noch neue Leser und neue Erlöse finden

"Wir müssen anfangen, neu zu erzählen, die Möglichkeiten nutzen, die Tablets bieten", analysiert "SZ"-Vize Wolfgang Krach. Online müsse man all die Dinge bieten, die man in der gedruckten Zeitung nicht machen könne, wenn man die Leser auch online erreichen wolle. "Wir können mit diesen neuen Formen eine Detailtiefe erreichen, die auf Papier nicht möglich ist", glaubt SZ-Online-Chef Stefan Plöchinger. "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher geht sogar noch einen Schritt weiter: "Wir müssen zukünftig in unseren Redaktionen Journalisten haben, die programmieren können, auch um zu verstehen, was die Digitalisierung mit uns macht."

Der Leser will das Ungewohnte, nicht das Gewohnte

Nur Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit reichen für eine Tageszeitung heute nicht mehr aus. "Gestern war die Gemeinderatssitzung, irgendwas muss geschrieben werden, heute steht's in der Zeitung. Dieses schematische Abhaken ist stilbildend für viele Zeitungen, in allen Ressorts", bemängelt "SZ-Online-Chef Stefan Plöchinger. Doch dem Leser reiche das heute nicht mehr aus. Er will das Ungewohnte, das Überraschende. Und das bietet vor allem das Internet.

Sich unentbehrlich machen

Jede Redaktion muss sich heute klarmachen, was sie für ihre Leser unentbehrlich macht. "Die Zeiten sind vorbei, in denen man Zeitungen machen konnte, die praktisch alle erreichen. Wir müssen maßgeschneiderte Produkte bieten", ist "Welt"-Chefredakteur Jan-Eric Peters sicher. Jede Redaktion muss ihr Selbstverständnis und ihr Blatt schärfen. Alles, was austauschbar ist, wird auch von den Leser früher oder später ausgetauscht.

Konzentration auf die Kernkompetenzen

Daraus und aus den knapper werdenden Ressourcen in den Redaktionen folgt Voraussetzung Nummer 4: Jede Zeitung muss sich auf das konzentrieren, was sie besser kann als andere. Durch die steigende Arbeitsbelastung in den Redaktionen müssen sich Zeitungen stärker fokussieren. Nur mit Nachrichten kann heute keine Zeitung mehr überleben.

Autoren als Marken

Herausragende Autoren sind heute für eine Zeitung wichtiger als je zuvor. "Sie werden in Zukunft sehr wichtig", ist "SZ"-Vize Krach sicher: "Kister, Prantl, Fried, solche Autoren binden die Leser an eine Zeitung."

Das Internet als Debattenpartner akzeptieren

Die Zeiten, in denen die Zeitungen die publizistische Deutungshoheit hatten, sind vorbei. Sie müssen Online-Journalisten, Blogger und vor allem ihre Leser nicht als gegener sehen, sondern als Debattenpartner. Mindestens genauso wichtig sei ein entspanntes Verhältnis zu lokalen Blogs und Netzmedien, die die Zeitungen vor Ort herausfordern und ergänzen.

Print und Online neu ausbalancieren

Die nach Ansicht von Schnibben wichtigste Überlebensaufgabe der Tageszeitungen ist es, das Verhältnis von Print und Online neu auszubalancieren - es ist zugleich die schwierigste. Während zum Beispiel die "Münchner Abendzeitung" oder der Berliner "Tagesspiegel" sämtliche Texte der Zeitung auch ins Netz stellt, findet beim "Donaukurier" kein einziger Print-Text seinen Weg ins Internet. Das richtige Verhältnis zu finden, ist immer auch ein Balanceakt. dh

Update: Schnibben selbst hat seine im aktuellen "Spiegel" skizzierten Voraussetzungen für das Überleben der Zeitungen ergänzt und macht bei Spiegel Online "Elf Vorschläge für bessere Zeitungen".
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