"Spiegel" Die Agenda des Wolfgang Büchner / Magazin erscheint ab 2015 samstags

Montag, 02. Dezember 2013
Wolfgang Büchner setzt beim "Spiegel" erste Duftmarken
Wolfgang Büchner setzt beim "Spiegel" erste Duftmarken


Die übliche Montagskonferenz der Heftredaktion fiel in dieser Woche aus. Stattdessen hat Wolfgang Büchner, seit September Chefredakteur des "Spiegel", vor den versammelten Ressortleitern aus Print und Online sein Zukunftskonzept vorgestellt. Und ein paar News. So soll das Magazin nach Informationen von HORIZONT.NET ab Januar 2015 samstags (statt montags bzw. sonntags an Großstadtbahnhöfen) erscheinen, um das Wochenende als Lesetage besser auszunutzen. Chefredaktion und Geschäftsführung des "Spiegel" hätten sich auf den neuen Erscheinungstag verständigt, zitieren Teilnehmer der Sitzung Büchner. Eine Verlagssprecherin hat den Plan mittlerweile bestätigt. Davon verspricht sich der Verlag offenbar Vorteile im Leser- und daraus abgeleitet auch im Anzeigenmarkt. Und damit greift der "Spiegel" - um den Preis wohl höherer Druck- und Logistikkosten und eines früheren Redaktionsschlusses - die Sonntagszeitungen frontal an.

Daneben stellte Büchner nach Angaben von Teilnehmern seine Pläne mit dem gedruckten und dem digitalen "Spiegel" (E-Magazin, App) sowie mit Spiegel Online vor. Im Heft sollen Layout, Hefteinstieg und Meinungskonzept (neue Leitartikel, Kolumnen) verändert werden. Auch über ein neues Heftressort ("Netzwelt") denkt er nach. Die digitale Bezahlausgabe (E-Magazin, App) will Büchner mit Recherchematerial, das bisher meist unveröffentlicht bleibt, sowie mit Zusatzfeatures (Interaktion, Aktualisierung, Newsdienste, Teilen von Inhalten) anreichern und mit der Website Spiegel Online verknüpfen - auch hier allerdings nur gegen Bezahlung.

Das Portal Spiegel Online selbst soll jedoch weiterhin gratis bleiben, als werbefinanziertes Reichweitenmodell, und besonders für die mobile Nutzung optimiert werden. Bewegtbild soll ausgebaut werden. Für die Zusammenarbeit zwischen Heft- und Onlineredaktion stellte Büchner umfangreiche Regeln - auch zur Choreografie der Inhalte - vor, die dabei helfen sollen, die Verwechselbarkeit der Angebote aus Lesersicht zu vermeiden.

Genau das nämlich ist für den Verlag bisher ein wachsendes Problem beim Halten und bei der Neugewinnung von Heftlesern: Immer mehr Nutzer von Spiegel Online (Reichweite im September: 11,6 Millionen Unique User) fühlen sich vom Portal ausreichend gut informiert - oder glauben gar, es handele sich dabei um die Heftinhalte - und meinen, deshalb auf das Heft verzichten zu können. Durch "angerissene" Geschichten aus dem Heft/E-Magazin soll Spiegel Online außerdem zu einer Art Werbe- und Vertriebskanal für die Bezahlprodukte werden, wenn Inhalte daraus nur gegen Bezahlung zu lesen sind. rp

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