"Spiegel"-Chefredakteur Brinkbäumer zur EIC „Agiler und besser als andere Netzwerke“

Donnerstag, 24. März 2016
"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer
"Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer
Foto: Spiegel

Mehrere europäische Medien haben sich mit dem „Spiegel“ zur European Investigative Collaboration (EIC) zusammengeschlossen. Inzwischen hat die EIC ihre Webseite unter www.eic.network freigeschaltet. HORIZONT sprach mit Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, was er sich von dem Verbund verspricht. Einige Auszüge.

Klaus Brinkbäumer über Unterschiede zu ähnlichen Allianzen wie dem International Consortium of Investigative Journalists

„Wir streben regelmäßige Veröffentlichungen an und werden auch ansonsten hoffentlich besser, also agiler und unbürokratischer als andere Netzwerke sein. Das ist das Ziel, und nun müssen wir das Projekt mit Leben füllen. Der Vorteil unserer Konstruktion ist, dass wir pro Land und Verbreitungsmarkt nur mit einem Medium vertreten sind.“
Klaus Brinkbäumer und Floriam Harms
Bild: Spiegel

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… über die Vorteile der EIC für den „Spiegel“

„Europa wird wichtiger, die Bedeutung länderübergreifender Recherchen nimmt zu, und die sind für ein einzelnes, nationales Medium nur mit großem Zeit- und Kraftaufwand zu bewältigen. Über EIC haben wir in jedem Land einen Partner mit sofort abrufbaren Kontakten und Expertisen.“ 

… über ressortübergreifende Zusammenarbeit beim „Spiegel“ früher

„Hatte einer im Ressort A einen Kontakt, den jemand aus Ressort B zwingend gebraucht hätte, wäre es nicht selbstverständlich gewesen, dass der Kontakt auch im Ressort B gelandet wäre. Die Ressorts konkurrierten miteinander um den Platz im Heft, und alle zusammen konkurrierten dann mit TV und Online – und umgekehrt. Das war manchmal anregend, aber manchmal sind wir deshalb unter unseren Möglichkeiten geblieben. 

… und heute

„Mit Jörg Schmitt und Jürgen Dahlkamp, an die Chefredaktion angedockt über meinen Stellvertreter Alfred Weinzierl, haben wir ein Team, das Recherchen ressortübergreifend koordiniert. 

… über den Sinn eines eigenen Investigativ-Ressorts

Ein Ressort, in das investigative Recherche ausgelagert wird, führt zu einer Entwertung der restlichen Redaktion. Der ganze „Spiegel“ arbeitet investigativ. 

… über den Unsinn von Zitate-Rankings

Eine Statistik kann hilfreich sein, um darüber nachzudenken, ob wir strukturelle Probleme haben, gegen die wir dann ansteuern. Wir können analysieren, welche Folgen der Erstverkaufstag für unsere Nachrichten hat und ob unsere Vorabmeldungen treffend formuliert sind oder warum dieses Thema mehr und jenes weniger von anderen Medien aufgegriffen wird. Höher hängen wir das nicht. Uns geht es ja nicht um Tabellenplätze, uns geht es um Relevanz. usi

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