"Spiegel" Büchner und Saffe wollen offenbar Entscheidung erzwingen

Donnerstag, 21. August 2014
Wolfgang Büchner sucht offenbar eine Entscheidung (Foto: Carsten Milbret)
Wolfgang Büchner sucht offenbar eine Entscheidung (Foto: Carsten Milbret)

"Es brodelt" ist eine Formulierung, die die Dramatik beim "Spiegel" nur annähend beschreibt. Am Donnerstag Abend haben 225 Redakteure des Magazins laut FAZ.net eine Petition gegen Chefredakteur Wolfgang Büchner verfasst. Heute diskutieren ab 15 Uhr die Gesellschafter über die Büchner-Pläne. Der will unter anderem die Ressortleiterstellen neu ausschreiben; vor allen Dingen aber Print und Online näher zusammenführen. Vieles spricht dafür, dass Büchner es bewusst auf eine Machtprobe mit der Redaktion ankommen lässt - entweder er setzt sich durch, oder er verlässt den Verlag als Modernisierer, der am Widerstand einer unwilligen Redaktion gescheitert ist. Büchner und Geschäftsführer Ove Saffe hatten die Ressortleiter für Mittwochabend zu einer Konferenz eingeladen, bei der Büchner sein Konzept für die künftige Zusammenarbeit von Print und Online vorstellen wollte. Doch statt der geladenen Ressortleiter erschien fast die gesamte Redaktion, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Büchner musste sich demnach gegen Vorwürfe wehren, er wolle mit der geplanten Neubesetzung der Führungsposten interne Gegner absägen.

Tatsächlich gehört die engere Verzahnung von Print und Online zu den wichtigsten Aufgaben von Büchner. Seine Vorgänger Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron konnten sich nicht über die Digitalstrategie des "Spiegel" einigen - und mussten gehen. Dass Handlungsbedarf besteht, ist unstrittig - auch innerhalb der Redaktion. Was für Empörung bei den Redakteuren sorgt, ist das Vorgehen von Büchner, in der Redaktion ist von einer "entscheidenden Machtprobe" die Rede.

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass Büchner es mit seinem Plan bewusst auf einen Showdown ankommen lässt: Entweder die Redaktion folgt seinen Vorschlägen - oder sie verweigert sich. In diesem Fall bliebe Büchner wohl nur der Rückzug. Der schwarze Peter läge in diesem Fall aber bei der Redaktion, die lieber ihre Pfründe verteidigt, als sich notwendigen Neuerungen zu beugen.

Eine zentrale Rolle in dem Machtkampf kommt wieder einmal der mächtigen Mitarbeiter KG zu, die 50,5 Prozent der Anteile am Spiegel-Verlag hält. Die aus fünf gewählten Geschäftsführern bestehende Führung ist offenbar gespalten: Medienberichten zufolge fordern zwei die Ablösung von Büchner, zwei stehen hinter ihm, einer ist noch unentschieden.

Eine Entscheidung könnte noch in dieser Woche fallen: Geschäftsführer Ove Saffe informierte am Dienstag die Mitarbeiter KG über das Konzept von Büchner - die soll sich nun bis Ende der Woche entscheiden. dh
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