Soziales Netzwerk Wie Facebook um Journalisten wirbt und gegen Fake News kämpft

Freitag, 26. Mai 2017
Facebook will Nutzern das Planen von Beiträgen erleichtern
Facebook will Nutzern das Planen von Beiträgen erleichtern
© Facebook

Fünf Monate nach dem Start seines breit angelegten Journalismus-Projekts hat Facebook ein positives Zwischenfazit gezogen. Man habe gemeinsam mit Medienhäusern bereits eine Reihe neuer Produkte entwickelt und umgesetzt. Nach dem erfolgreichen Auftakt in den USA und Großbritannien wird Facebook in den kommenden Monaten in zahlreichen weiteren Ländern sogenannte Hackathons ausrichten, bei denen Entwickler von Facebook und Medienhäusern gemeinsam Produkte und Lösungen erarbeiten. Zudem unterstützt das Unternehmen ab sofort die Veröffentlichung von Instant Articles bei Google AMP und Apple News.

Zur Erinnerung: Facebook hatte im Januar mit dem Facebook Journalism Project eine breit angelegte Initiative zur Förderung von Journalismus im Internet angekündigt. Ziel des Projekts ist es, gemeinsam mit Medienunternehmen neue Produkte zu entwickeln und Journalisten besser über die Möglichkeiten zur Nutzung von Facebook zu informieren. 

"Facebook ist kein Nachrichtenunternehmen. Aber wir sind ein wichtiger Teil des News-Ökosystems. Daraus resultiert auch eine Verantwortung. Eines unserer Ziele ist eine partnerschaftlichere Zusammenarbeit mit Publishern", erklärt Campbell Brown, Global Head of News Partnerships von Facebook im Gespräch mit HORIZONT. Dafür habe man in einem ersten Schritt eine Reihe von Roundtables mit Publishern veranstaltet, um mehr über deren Bedürfnisse zu erfahren. 

Außerdem hat das Unternehmen mehrere Hackathons initiiert, bei denen Facebook-Programmierer gemeinsam mit Entwicklern aus Medienhäusern konkrete Produkte oder Lösungen erarbeiten. Dabei seien bereits zahlreiche konkrete Projekte entstanden, erklärt Piyush Mangalick, Director of Partner Engineering bei Facebook. In den kommenden Wochen wird es in mehreren Ländern in Europa, Asien und Afrika weitere Hackathons geben – unter anderem im Juni in Hamburg. 
„Facebook ist kein Nachrichtenunternehmen. Aber wir sind ein wichtiger Teil des News-Ökosystems.“
Campbell Brown, Global Head of News Partnerships von Facebook
Außerdem bemüht sich Facebook, Journalisten besser über Möglichkeiten aufzuklären, Facebook zu nutzen. So wurde ein E-Learning-Kurs in neun verschiedenen Sprachen erarbeitet, der die verschiedenen Storytelling-Tools von Facebook erläutert. 

An einem der bekanntesten Facebook-Tools, den vor rund zwei Jahren gestarteten Instant Articles, wurden zuletzt vermehrt Zweifel laut, nachdem sich mit dem "Guardian" ein renommierter Verlag von der Plattform verabschiedete. Facebook-Managerin Brown wertet die Instant Articles dennoch als Erfolg. "Viele Publisher haben großen Erfolg mit Instant Articles. Es gibt über 9000 Medien, die Instant Articles nutzen." Ein Knackpunkt für viele Verlage sind die nach wie vor mäßigen Reichweiten und Erlöse, die sie damit erzielen. Das wolle man verbessern. Außerdem unterstützt Facebook ab sofort die Veröffentlichung von Instant Articles bei Google AMP und Apple News. Die Möglichkeit, Inhalte einfach auf verschiedenen Plattformen zu veröffentlichen, war eines der oft geäußerten Anliegen von Publishern bei den Gesprächen mit Facebook.

Dem Problem mit Fake News will Facebook  auf mehreren Ebenen begegnen. "Es gibt hier keine einfache und schnelle Lösung", betont Brown. Man versuche unter anderem die finanziellen Anreize für die Verbreitung von Fake News zu bekämpfen, in dem man Links auf mit Werbung überfrachtete Seiten und Clickbaiting-Überschriften herunterranke. 
Mark Zuckerberg
Bild: Facebook

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Daneben setze man aber in erster Linie auf Aufklärung und Bildung. "Fake News sind nicht nur ein Problem von Facebook. Es ist ein Problem für die gesamte Gesellschaft. Wir investieren daher in digitale Bildung." Facebook fördert zusammen mit anderen Partnern die  News Integrity Initiative, die für mehr Medienkompetenz sorgen soll. Daneben hat das Unternehmen angekündigt, das Personal zur Überprüfung fragwürdiger Inhalte massiv um weitere 3000 Mitarbeiter aufzustocken. Allein in Berlin sollen bis Ende des Jahres 700 Mitarbeiter neu eingestellt werden. 

In erster Linie konzentriere man sich aber auf mündige Nutzer: "Unser Ziel sind gut informierte Communities", betont Brown. "Und wir brauchen starken Journalismus. Daher wollen wir auch ein starker Partner für Medienunternehmen sein." dh

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