Sonneborn und die Deutsche Bank Die erfolgreiche Zweitverwurstung eines Satire-Beitrags

Montag, 11. November 2013
-
-


Geschickte Content-Strategie des ZDF: Der Sender zeigte einen schon mehrere Wochen alten Beitrag des Satirikers Martin Sonneborn einfach noch einmal in der "Heute-Show" - und schon wird das Stück, in dem er ehemalige "Titanic"-Chefredakteur die Deutsche Bank vorführt, im Netz gefeiert. Werbespots, die schon Monate alt sind, können plötzlich zu viralen Hits werden. Einfach, weil ein Blogger sie entdeckt über sein äußerst aktives Netzwerk teilt. So geschehen vergangene Woche bei einem Kinospot Edeka. Genauso gut funktioniert das natürlich, wenn der eigentliche Absender sich erneut als Katalysator einer Geschichte betätigt. So wie jetzt das ZDF.

Am vergangenen Freitag sendete das Zweite in der "Heute-Show" einen Beitrag des Satirikers Martin Sonneborn, den dieser schon vor einigen Wochen für seine eigene Sendung "Sonneborn rettet die Welt" produziert hatte. Darin deckt der ehemalige "Titanic"-Chefredakteur zweifelhafte Praktiken in der Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Bank auf: Auf eine Interview-Anfrage hin schickt das Unternehmen vorformulierte Fragen und die entsprechenden Antworten. Als Sonneborn schließlich den Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt besucht, um das vorgestanzte Interview zu führen, spießt er den Bank-Mitarbeiter vor laufender Kamera genüsslich auf.

So fragt er nach der Rolle der "Bösen", und wird von seinem Gesprächspartner korrigiert, dass es die "Börsen" heißen müsse. Dabei handele es sich ja, so Sonneborn, um einen Platz, an dem gefeilscht werde, nur eben nicht um Eier um Obst wie auf dem Wochenmarkt, sondern um Unternehmensanteile. Der Bank-Mitarbeiter betet den gleichen Text anschließend wortgetreu erneut nach. Gesendet wurde das Stück erstmals am 10. Oktober auf ZDFneo, "Spiegel Online" berichtete im Vorfeld ausführlich. Jedoch war dem Format bei dem Spartensender naturgemäß relativ bescheidener Quotenerfolg vergönnt. In der "Heute Show", die vergangenen Freitag auf über 3 Millionen Zuschauer kam, war das etwas anders.

Laut "Handelsblatt Online" sei das Interview jedoch nicht für die "Heute Show" angefragt worden. Auch sei der Bank bis zum Drehtag nicht bekannt gewesen, dass Sonneborn das Interview selbst führen werde. Anstößig findet er dieses Vorgehen nicht: "Ich denke, wenn es der Imagepflege der Deutschen Bank dient, ist es gerechtfertigt. Wir haben unser Handwerk bei der Titanic gelernt", so der Satiriker zum "Handelsblatt". Die Deutsche Bank wollte sich zu dem Beitrag nicht äußern.

Wir halten also fest: Aufs Korn genommen hat Martin Sonneborn die PR-Praktiken der Deutschen Bank für seine eigene Sendung. Zum PR-Desaster wird die Nummer allerdings erst durch die Zweitverwurstung. Die Headline des "Handelsblatts" stimmt daher trotzdem: "Wie die Deutsche Bank der 'Heute Show' in die Falle ging". ire
Meist gelesen
stats