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Lisa Zimmermann hat über 30.000 Fans auf Instagram
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Social Media Wie Randsportler durch Instagram und Co aus dem medialen Schatten treten

Lisa Zimmermann hat über 30.000 Fans auf Instagram
Sie schwitzen, sie trainieren hart, sie werden sogar Weltmeister - und trotzdem kennt sie oft kaum jemand. Wer nicht gerade Profifußballer oder erfolgreicher Tennisspieler, sondern etwa Läufer oder Gewichtheber ist, hat es schwer, in den Medien aufzutauchen und so einem breiten Publikum bekannt zu werden. Wie es trotzdem gehen kann, zeigen diese vier Athleten aus Randsportarten. 
von Katharina Brecht, Donnerstag, 12. Oktober 2017
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    Kristina Vogel, Bahnradsportlerin

    Kristina Vogel auf Instagram Stories
    Kristina Vogel auf Instagram Stories (© Instagram)
    "Die Zeit, in der man als Profisportler Geld verdienen kann, ist begrenzt", weiß Kristina Vogel. Die amtierende Bahn-Weltmeisterin nutzt aus diesem Grund bereits jetzt andere wirtschaftliche Möglichkeiten – zum Beispiel Kooperationen im Social Web. Sie bespielt fast täglich ihren Facebook-, Instagram-, Twitter- und Snapchat-Kanal. Dank großer Datenvolumen und Konten-Verknüpfung sei das gar kein großer Aufwand, sondern "einfach, weil ich mit einem Klick auf allen Plattformen gleichzeitig posten kann", so die Sportlerin. Vogel kennt die Vorlieben ihrer Follower: Sie möchten miterleben, was ihr Idol so treibt. Vor allem Trainings-Videos kommen gut an, in denen die Erfurterin etwas Neues ausprobiert. Außerdem möchte sie sich für ihre Fans, die zum Teil selbst Rad fahren, aber zumindest sportinteressiert sind, anfassbar machen. "Besonders über Instagram Stories entsteht der Effekt, dass die Follower denken, sie würden mich persönlich kennen", erklärt die Bahnradsportlerin.
    Auch die persönliche Beantwortung von Nachrichten dürfte Vogel ihren Fans näherbringen. "Mir schreiben aber auch viele Spinner, die sich durch die Anonymität geschützt fühlen, und machen mir Heiratsanträge oder schicken Nacktbilder", erzählt die Weltmeisterin. Die Nähe zu ihren Fans bietet Vogel auch Sponsoren und Unternehmen an, mit denen sie unterschiedliche Kooperationen unterhält. Im Social Web wirbt die 26-Jährige zum einen regelmäßig für ihre festen Sponsoren (Bridgestone, Kappstein, Möbelhaus Kieppe, Gutmarkiert.de, Sponser und Alles passt da), zum anderen platziert sie für kurzfristigere Partner Produkte in zwei bis drei Posts. Überhand nehmen soll die Werbung auf ihren Social-Media-Kanälen allerdings nicht, sagt die Sportlerin. Sie möchte auch zeigen, wer und wie sie persönlich ist.

    Viele neue Follower bekommt die Weltmeisterin insbesondere während großer Events. "Olympia in Rio war so ein Highlight, bei dem ich mich super vermarkten konnte und bei dem die Aufmerksamkeit enorm gestiegen ist." Das nächste große Event ist für Vogel die Bahn-EM, die Mitte Oktober in Berlin stattfindet. Die 26-Jährige ist ein Werbegesicht der Veranstaltung und hofft, dass sie dieser durch ihren Promi-Status zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen kann.

    Trotz ihrer zunehmenden Bekanntheit bespielt Vogel ihre Social-Media-Profile noch selbst, meist abends auf der Couch. "Es macht mir Spaß", sagt die 26-Jährige. Während des Trainings ist für Facebook und Co allerdings keine Zeit: "Der Sport steht immer an erster Stelle." So sieht sich Vogel auch nicht als Influencerin. Im Gegensatz zu einigen Social-Media-Stars kennt die Erfurterin Tabus beim Posten: "Schlafzimmer und Kleiderschrank", zählt sie auf, "und auch beim gemütlichen Familienessen darf das Internet getrost draußen bleiben."

    "Erfolg ist das beste Marketing"

    "Mit Facebook und Co können sich die Athleten zielgerichtet ohne zwischengeschaltete Medien an ihre Förderer und Fans wenden und Aufmerksamkeit bekommen", sagt Michael Ilgner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe. Wer Social Media nutzt, habe die Chance, seine Marke zu etablieren und die eigene Bekanntheit zu steigern.

    Beim Posten darf der Sport allerdings nicht zu kurz kommen und vernachlässigt werden. "Aber das reguliert sich meist von selbst", meint Ilgner. "Die Athleten sind es gewohnt, auf sich zu achten. Das gilt auch für den Einfluss der sozialen Medien auf ihren Alltag." Grundsätzlich sei der sportliche Erfolg noch immer das größte Argument im Marketing – und die Voraussetzung für Bekanntheit in den sozialen Netzwerken.

    Ein Must-have sei ein Social-Media-Auftritt für einen Sportler laut Ilgner nicht. Es sei vielmehr ein weiterer Kommunikationskanal, der zur eigenen Markenpflege und für das Marketing genutzt werden kann.

    Lisa Zimmermann, Ski-Freestylerin

    Eigentlich ist sie überhaupt kein Fan von Social Media, sagt Ski-Freestylerin Lisa Zimmermann. Am liebsten hätte sie ein Handy, mit dem man nur telefonieren kann. Ziemlich ungewöhnlich für eine 21-Jährige der Generation Y. Doch trotz aller Vorbehalte betreibt Zimmermann beruflich einen Facebook- und einen Instagram-Account. Mit Erfolg: Auf Letzterem hat sie etwa beachtliche 30,4k Abonnenten.

    Auf dem Instagram-Profil der jungen Frau, die in der Presse oft als Freigeist beschrieben wird, finden sich zum Teil ungewöhnliche Bilder für eine Userin, die in der Öffentlichkeit steht: ein stark behaartes Bein, ein Selfie beim Weinen oder ein Foto, auf dem Zimmermann im Wald uriniert. Dazwischen: Bilder beim Skifahren und hochauflösende Porträts, die auf dem Kanal einer typischen Social-Media-Bekanntheit zu finden sein könnten.

    Trotz der mitunter gewagten Bilder und obwohl die Sportlerin von sich selbst sagt, dass ihr die sozialen Netzwerke "ziemlich egal" sind, sieht sie sich als Influencerin. Zimmermann kennt den Effekt aus eigener Erfahrung und kaufte ein Teil, das jemand in den sozialen Medien getragen hat. Die gleiche Inspiration möchte auch sie bewirken. Außerdem will sie "den Leuten zeigen, dass Sport Spaß macht", erzählt sie.

    Richtig viel Geld verdienen möchte die amtierende Weltmeisterin in Social Media allerdings nicht. "Wenn ich das wollte, würde ich deutlich öfter am Handy sitzen müssen", sagt sie. Momentan kostet sie das Posten, das sie zum Großteil selbst übernimmt, nicht viel Zeit. Hilfe bekommt sie nur bei den Instagram Stories: Diese Aufgabe hat sie an eine Freundin delegiert. "So bin ich immer selbst zu sehen. Das freut auch meine Sponsoren", weiß die frühere Eiskunstläuferin. Die Sponsoren sind auch einer der beiden Gründe, warum sie überhaupt im Social Web zu finden ist. Der andere Grund: die Fans.

    Warum Zimmermann über 30000 Abonnenten auf Instagram hat, kann sie nicht genau beantworten: "Ich selber unternehme nichts, um meine Bekanntheit im Social Web voranzutreiben." Das geschieht jedoch von ganz alleine bei großen Wettkämpfen wie den X-Games oder der WM, bei denen die Sportlerin mehr Aufmerksamkeit und ein Wachstum der Follower bemerkt. Außerdem erleben ihre Kanäle Aufschwung, wenn Unternehmen sie auf ihren Fotos taggen.

    Die Athletin zieht auch in Betracht, dass ihre ganz alltäglichen Momentaufnahmen den Fans gefallen: "Vielleicht finden meine Follower es gerade gut, dass ich mich nicht verstelle und nur das poste, was ich will." Weil sie sich nicht verbiegt, betrachtet Zimmermann ihre Social-Media-Präsenzen als Abbild ihres Charakters. Instagram und Facebook sollen zeigen, wer sie ist und wofür sie steht. Dazu gehören für die Sportlerin auch die Produkte ihrer Sponsoren (Red Bull, O’Neill, Pistenbully, Atomic, Tyrolia, Moreboards, Absolut Park, Goldener Ring, Deutsche Sporthilfe, Kiku Apples), die sie gerne promotet. "Die Klamotten trage ich sowieso immer, die gefallen mir", sagt Zimmermann.

    Aktuell bereitet sich die Ski-Freestylerin auf Olympia vor und trainiert fünfmal die Woche. Ob sie an den Spielen teilnehmen kann, ist allerdings unklar: Sie ist verletzt. "Gerade gilt Hoffen und Abwarten. Zeitlich ist es genau an der Grenze: Es kann gut gehen oder nicht", sagt Zimmermann. Sollte sie sich rechtzeitig erholen, wird man auch im Social Web wieder mehr von der gebürtigen Nürnbergerin hören. "Wenn ich endlich wieder Sport machen kann und unterwegs bin, teile ich in der Regel jeden zweiten Tag mit meinen Fans, was ich mache", sagt sie. "Mit der langweiligen Reha will ich meine Follower derzeit aber nicht nerven".

    Florian Neuschwander, Ultraläufer

    @trailruntom

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    Er läuft jeden Tag, bespielt seine Social-Media-Kanäle, betreibt den eigenen Online-Shop, arbeitet zweimal die Woche im Laufshop in der Frankfurter City und wurde kürzlich zum ersten Mal Vater: Langeweile dürfte bei Florian Neuschwander selten aufkommen. Der Langstrecken- und Ultraläufer im Hipster-Look legt trotz all dieser Verpflichtungen Wert darauf, alles selbst zu erledigen. Das gilt auch für seine Social-Media-Kanäle, die den Namen "Run with the Flow" beziehungsweise Florian Neuschwander tragen. Vor allem Facebook und Instagram bespielt er regelmäßig: Bei Facebook postet der 36-Jährige vier- bis siebenmal die Woche, bei Instagram acht- bis zehnmal. Neuschwander hat auch einen Youtube-Channel, auf dem er bislang 14 Videos hochgeladen hat. Er würde gerne mehr Videos machen, sagt er – aber dafür fehlt ihm schlichtweg die Zeit.

    Weil der Ultraläufer schon immer ein Social-Media-Fan war, stört ihn die manchmal anstrengende Betreuung seiner Kanäle nicht: "Es macht mir immer noch Spaß – sonst würde ich es nicht mehr alleine machen", sagt Neuschwander.

    Eine Strategie oder einen Businessplan für das Posten im Social Web hat er nicht. Die Ziele von anderen Social-Media-Usern, in einem festgesteckten Zeitrahmen eine bestimmte Anzahl an Followern hinzuzugewinnen, spielen für den Sportler keine Rolle. "Das ist mir völlig egal", erklärt er freiheraus.

    Auch hereinreden lässt sich Neuschwander in seinen Auftritt im Social Web nicht. Es ist ihm wichtig, authentisch zu bleiben. Dass sein Kanal "wie eine Werbeplattform aussieht", will der Läufer nicht, sondern seinen Followern interessante Geschichten rund um seine Sportart erzählen. So betreibt der frischgebackene Vater Product Placement nur für seine fünf Sponsoren Red Bull, Garmin, Ledlenser, Brooks und Gore Running Wear. "Deren Produkte trage ich sowieso täglich beim Training und so sind sie auch auf meinem Kanal sichtbar. Die integriere ich gerne", erklärt Neuschwander. Das sei aber auch schon alles. Er sei schließlich Sportler, kein Influencer – und möchte es auch nicht werden. "Ich will sportliche Leistungen bringen und habe große Ziele. Richtige Blogger und Influencer haben Kooperationen mit vielen verschiedenen Firmen. Das ist nicht mein Ding", erklärt der Läufer, der in seinen "Top-Wochen" bis zu 200 Kilometer zurücklegt.

    Bekannt geworden ist Neuschwander im Jahr 2015 nach seinem Sieg beim "Wings for Life World Run" in Darmstadt. "Zuvor hatte ich 3500 Facebook-Freunde auf meinem Privatprofil, über Nacht sind Tausende Anfragen hinzugekommen", so der Ultraläufer. Daraufhin legte er sein Privatprofil und seine "Run with the Flo(w)"-Seite zusammen und bekam 8000 Fans auf Facebook. Und es wurden immer mehr.

    Viele Fans bedeuten meist auch viele Likes, Kommentare und Nachrichten, bestätigt Neuschwander. 90 Prozent der eingehenden Rückfragen – meist nach Trainings- und Ernährungstipps – beantwortet er mindestens. Aber auch MRT-Bilder soll der gebürtige Saarländer für seine Fans checken. "Da muss ich leider passen, ich bin kein Doktor", witzelt er.

    Durch das Zusammenspiel aus Zuwachs in den sozialen Medien und Medienberichterstattungen haben sich für den Athleten auch die ersten Sponsorings und weitere Aufträge oder Einladungen zu Läufen ergeben.

    Neuschwanders insgesamt 81813 Fans auf Facebook und Instagram werden in den nächsten Jahren eventuell Zeuge davon, wie sich der Ultraläufer einen neuen Traum erfüllt. Sein großes Ziel ist der Western States Endurance Run in Kalifornien, "eines der prestigeträchtigsten Ultra-Rennen der ganzen Welt", so der 36-Jährige. Wenn er sich für dieses Rennen qualifizieren kann, will er ganz vorne mitmischen: "In den Top 10, wenn nicht sogar in den Top 5." Außerdem verfolgt er ein weiteres Ziel: In den nächsten fünf Jahren den deutschen Rekord im Straßenrennen über 100 Kilometer knacken.

    Max Lang, Gewichtheber

    Max Lang
    Max Lang (© Instagram)
    Max Lang hätte nur ein einziges Kilo mehr stemmen müssen, um sich für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu qualifizieren. Die tiefe Enttäuschung des vergangenen Jahres hat der inzwischen 24-Jährige überwunden. Längst geht sein Blick in die Zukunft – auf Olympia 2020 in Tokio. "Dort will ich mich mit den Besten messen." Der Sportler des Chemnitzer AC gehört zu den größten Hoffnungen des deutschen Gewichthebens – im Internet ist er bereits mit Abstand die Nummer 1.

    Vor gut zwei Jahren war das noch anders. "Du bist im Internet überhaupt nicht auffindbar, warum eigentlich?", fragte ihn Eric Schneidenbach, ein Freund und Marketingexperte. Sie wunderten sich nicht lange, sondern gingen ans Werk. Instagram wurde für Max Lang zur wichtigsten Plattform. "Da kann man schnell und unkompliziert Fotos, Videos und kurze Texte veröffentlichen. Die Resonanz spricht für sich", sagt der Athlet. Aktuell hat er dort 42400 Follower – das ist im Vergleich mit Stars aus anderen Sportarten zwar überschaubar, aber für das medial unterernährte Gewichtheben eine große Nummer.

    Max Lang hat sich zum digitalen Zugpferd entwickelt. Allmählich gehen nun auch andere Heber ins Netz; der Gewichtheber-Bundesverband hat seinen Onlineshop modernisiert und erzielt seit kurzem monatlich fünfstellige Umsätze. Auch dank Max Lang. Wenn er Trainingsvideos postet oder Wettkampfausschnitte sendet, dann führt das häufig zu Tausenden Aufrufen und weckt in der Community Lust aufs Heben – und beispielsweise zur Bestellung von Gewichtheber-Schuhen, die circa 200 Euro kosten.

    Seine Community beobachtet aufmerksam, was Lang tut. "Ich habe viele loyale und aktive Follower", weiß der Gewichtheber aus Auswertungen seiner Social-Media-Seiten und aus dem direkten Dialog. Während er Instagram in kurzen Abständen bespielt, nimmt er sich für Aktionen auf Youtube mehr Zeit. Da geht es meist um spezielle Übungen und gezieltes Training. Aktuell sind dort rund 30 Videos abrufbar.

    "Wir hatten keine konkreten Erwartungen, wie sich die Resonanz auf den digitalen Kanälen entwickeln wird, sind jetzt aber positiv überrascht darüber", sagen Lang und Schneidenbach unisono. Aus der Hoffnung, dass sich der Gewichtheber dadurch auch ein zweites Standbein aufbauen kann, wird immer mehr Gewissheit. Unter anderem unterstützen ihn nun die Getränkemarke Noko und der Hantelhersteller Superfit – Sponsoren, die erst auf Max Lang aufmerksam wurden, seit er im Social Web aktiv ist. Auch die Nachfrage nach "Train with Max" – hier können Interessierte individuelle Trainingsstunden mit dem Kraftsportler buchen – ist gut angelaufen. "Das macht großen Spaß", sagt Lang, "und ich könnte noch mehr tun, aber mein eigenes Training und meine Sportlerkarriere haben Vorrang."

    Für einen Gewichtheber sind Olympische Spiele das Größte, und darauf bereiten sie sich im Grunde vier Jahre lang vor. Seine Follower haben dafür Verständnis, mehr noch: Sie fiebern mit dem 77-Kilo-Athleten mit und verfolgen aufmerksam, wie es mit ihm vorangeht. "Die stärksten Reaktionen und Interaktionen gibt es auf sportliche Wettkämpfe und Erfolge oder auch emotional Bewegendes", berichtet Lang. Seine persönlichen Worte über das Olympia-Aus, die er auf Facebook und der eigenen Website veröffentlichte, gehören bis heute zu den meistgeklickten Beiträgen.

    bre/rol

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