Snapchat Discover Das erste Fazit von "Bild", Spiegel Online, Sky Sport und Vice

Montag, 19. Juni 2017
In Deutschland sind Bild, Spiegel Online, Sky Sport und Vice (v.l.n.r.) bei Snapchat Discover aktiv
In Deutschland sind Bild, Spiegel Online, Sky Sport und Vice (v.l.n.r.) bei Snapchat Discover aktiv
Foto: Screenshots Snapchat

Seit nunmehr knapp zwei Monaten tummeln sich "Bild", Spiegel Online, Sky Sport und Vice mit einem eigenen Angebot in der Discover-Rubrik von Snapchat. Gegenüber HORIZONT Online ziehen die ersten deutschen Medienpartner ein positives Resümee. Unter anderem freuen sie sich, eine Zielgruppe zu erreichen, die sonst nur sehr schwer zu adressieren ist. Mit konkreten Zahlen halten jedoch alle Medienpartner hinterm Berg.

Spiegel Online

Bei Spiegel Online arbeiten insgesamt zehn Mitarbeiter im Snapchat-Team. Neben erfahrenen Redakteuren wurden einige junge Mitarbeiter eigens für das Projekt eingestellt. Das Team setzt sich aus Redakteuren, Video-Spezialisten und Designern zusammen. Geleitet wird das Projekt von Frauke Böger, zuvor Chefin vom Dienst bei Spiegel Online.  Die ersten Erfahrungen mit Snapchat Discover seien sehr positiv, betont Spiegel-Online-Chefredakteurin Barbara Hans: "Wir sind außerordentlich zufrieden, die bisherigen Ergebnisse übertreffen unsere Erwartungen." Die Abrufzahlen würden sich sehr positiv entwickeln, man erreiche eine steigende Zahl von Nutzern. Konkrete Zahlen darf Spiegel Online nicht nennen. 

Inhaltlich legt sich Spiegel Online bei seinen Editionen nicht auf bestimmte Themen fest - im Gegenteil: "Uns freut besonders, dass wir die - überwiegend sehr jungen - Nutzer für politische und gesellschaftspolitische Themen begeistern können", betont SpOn-Chefin Hans. So habe beispielsweise eine Edition zu Kinderehen sehr gut funktioniert. "Es geht nicht um einzelne Themen, sondern immer darum, wie gut es uns gelingt, sie aufzubereiten." 

Insgesamt lerne man "unlaublich viel" durch die Arbeit mit Snapchat Discover: "Wie wir Geschichten noch visueller erzählen können, wie vertikale Videos funktionieren, was es bedeutet, wenn Texter und Video-Kollegen gemeinsam ein Thema bearbeiten, was eine junge Zielgruppe interessiert, die bislang nicht auf SpOn unterwegs war. Das alles hat für uns einen großen Wert."

"Bild"

Das Social-Media-Team von "Bild" ist mit 20 Personen vergleichsweise sehr stark besetzt. Sie kümmern sich um die Aufbereitung und die zielgruppengenaue Distribution von Inhalten für Facebook, Instagram, Twitter und neurdings auch Snapchat. Wie viele Mitarbeiter aus diesem Pool für Snapchat Discover arbeiten, ist beim Springer-Titel nicht in Erfahrung zu bringen.

"Es ist noch zu früh, um ein erstes Résumé unter dieses Projekt ziehen zu können", sagt Jakob WaisHead of New Platforms Content Strategy bei "Bild". Dennoch zeigt er sich mit den ersten Abrufzahlen zufrieden, ohne jedoch konkrete Zahlen nennen zu wollen. "Nicht nur die Abrufzahlen für eine Edition sind uns wichtig. Wir schauen sehr genau darauf, wie viele User wir als Abonnenten und regelmäßige Leser für den Snapchat-Account von 'Bild' gewinnen können", so Wais. Das sei das primäre Ziel der Bemühungen auf Snapchat Discover: eine loyale Zielgruppe aufbauen. Mit jungen Usern, die mit der Marke "Bild" mutmaßlich zum ersten Mal in Kontakt treten.

Inhaltlich füttert "Bild" die Snapchat-Nutzer in seinen Editionen mit unterschiedlichen Geschichten. Beliebt sind laut Wais neben boulevardesken Themen, etwa über den ersten Kuss, auch politische Themen. Eine Discover-Geschichte über die Präsidentschaftswahlen in Frankreich sei überraschenderweise auf sehr großes Interesse bei den jungen Nutzern gestoßen.
Snapchat Headquarter
Bild: Snapchat

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Die Verweildauer für die einzelnen Editionen variiert je nach dem, welches Format darin eingesetzt wird. Bestehen Editionen hauptsächlich aus Bildern und Videos, sind sie kurz. Wird den Nutzern dagegen viel Zusatzinformationen in Form von Text angeboten, sind sie länger. Wie lange die User durchschnittlich eine Edition betrachten, will Wais nicht verraten, nur so viel: "Wenn die User weniger als 30 Sekunden auf einer Edition verweilen würden, hätten wir etwas falsch gemacht."

Sky Sport

Den Einstieg bei Snapchat Discover hatte Sky Sport im April folgendermaßen angekündigt: "Künftig stellt Sky jeden Tag ab 17 Uhr neue informative und unterhaltsame Stories aus der Welt des Sports zur Verfügung." Zu sehen bekommen haben die Nutzer seitdem etwa Geschichten, die sich mit den "Traumautos der Fußball-Stars" oder den "Top-Trainern der Saison 2016/17" beschäftigten. "Wir bereiten die Themen für Snapchat Discover anders auf als auf der Website und anderen Social-Media-Kanälen. Sie sind unterhaltender und boulevardesker", sagt Esther Henze, die bei dem Sender unter anderem für die neue Plattform verantwortlich ist. "Einen klassischen Spielbericht werden Sie dort nicht finden."
Snapchat Ad manager
Bild: Snap

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Nach nunmehr knapp zwei Monaten zieht Henze ein positives Zwischenfazit. "Unsere ersten Erwartungen wurden übertroffen. Die Inhalte kommen gut an und werden viel genutzt", sagt sie. Mit genauen Zahlen hält sich die Sky-Managerin jedoch zurück. Viel lieber verweist sie darauf, dass es Sky Sport vor allem darauf ankomme, die sehr junge Zielgruppe überhaupt erst einmal auf die Marke aufmerksam zu machen. "Auf Snapchat besetzt Sky einen weiteren Kontaktpunkt für die junge Zielgruppe. Damit folgen wir konsequent unserer Strategie, dort zu sein, wo die sportinteressierten Nutzer sind."

Für die Inhalte auf Snapchat Discover ist ein vergleichsweise kleines Team aus Redakteuren und Motion Designern tätig, die eine hohe Social-Media-Affinität an den Tag legen, heißt es von Sky Sport. Henze schließt nicht aus, dass das Team künftig noch ausgebaut werden könnte. "Wir gehen davon aus, dass Snapchat neben Facebook, Twitter, Instagram und Co Bestand haben wird. Deshalb haben wir uns für diese Medienpartnerschaft entschieden", so Henze.

Vice

Auch bei Vice fällt das erste Zwischenfazit zu Snapchat Discover durchweg positiv aus: "Wir sind superzufrieden mit dem Launch", sagt Lorenz Fendes, Strategic Partnerships Manager von Vice in Deutschland. Wie die anderen deutschen Medienpartner von Snapchat darf auch Vice keine konkreten Zahlen herausrücken, man sei mit der Reichweite aber von Beginn an sehr zufrieden gewesen, die seitdem erfreulich wachse. Vor allem die Zahl der wiederkehrenden Nutzer sei "wahnsinnig hoch", betont Fendes. Auch die Completion Rate werde immer besser. 

Bemerkenswert: Selbst Vice mit seiner ohnehin jungen Zielgruppe erreicht über Snapchat eigenen Angaben zufolge sehr junge Nutzer, die vorher noch nicht viel mit der Marke zu tun hatten. Das Gros der Nutzer sei zwischen 13 und 24 Jahre alt. Bei den Inhalten nutzt auch Vice die Plattform, um mit neuen Formaten zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln. Die pro Tag zehn Stories auf Snapchat Discover bilden laut Fendes die gesamte Themenpalette von Vice ab, die Herangehensweise sei aber eine andere als bei anderen digitalen Kanälen. 

Bei Vice kümmert sich ein eigenes Team aus sieben neu eingestellten Mitarbeitern um Snapchat Discover. Eine Investition, die sich offensichtlich auszahlt: "Die Nachfrage der Werbekunden ist hoch", betont Vice-Manager Fendes. Die Werbeformate seien immer Full Screen und damit sehr aufmerksamkeitsstark, zudem könne man Zielgruppen ansprechen, die man sonst nur noch schwer erreiche. Wie es scheint, hat Snapchat mit Snapchat Discover nicht nur bei den Nutzern einen Nerv getroffen. ron/dh
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