Smart-TV Fernseher von LG zeichnen unbemerkt Nutzerdaten auf

Donnerstag, 21. November 2013
Der Blogger analysierte den Datenverkehr seines Smart-TV (Screenshot: DoctorBeet's Blog)
Der Blogger analysierte den Datenverkehr seines Smart-TV (Screenshot: DoctorBeet's Blog)


Fernsehgeräte mit Internetanschluss ermöglichen den Zuschauern eine Fülle neuer Möglichkeiten, wie zum Beispiel die zeitunabhängige Nutzung von Online-Mediatheken. Allerdings weckt die Vernetzung mit dem Internet offensichtlich auch die Begehrlichkeiten von Sendern und werbungtreibenden Unternehmen. So hat ein britischer Entwickler entdeckt, dass Fernsehgeräte von LG das TV-Verhalten ihrer Nutzer aufzeichnen und an den Hersteller weiterleiten. Die "Computer Bild" hatte kürzlich berichtet, dass auch deutsche Sender Besitzer von Smart-TVs ausspähen können.
Der britische Techniker und Blogger, der im Netz unter dem Pseudonym DoctorBeet auftritt, wunderte sich zunächst über die eingeblendete Werbung beim Start der Internetanwendungen seines neuen LG Fernsehgeräts. In den Einstellungen des Gerätes entdeckte er daraufhin den Menüpunkt "Collection of Watching Info", der in den Werkseinstellungen standardmäßig aktiviert war. In einem inzwischen nicht mehr zugänglichen Unternehmensvideo wirbt der koreanische Hersteller dem Blogger zufolge sogar mit der Fähigkeit seiner Geräte, Lieblingsprogramme, das Nutzungsverhalten und Suchbegriffe zu analysieren, um so personalisierte Werbung zu ermöglichen.

Der "Linux-Enthusiast" (Eigendarstellung in seinem Twitter-Profil) grub tiefer und analysierte den Datenverkehr seines Fernsehers. Dabei stellte er fest, dass das Gerät offensichtlich auch dann Nutzungsdaten aufzeichnet und unbemerkt an den Hersteller schickt, wenn die entsprechende Option deaktiviert wird. Außerdem liest das Gerät auch Daten von Videos und Musiktiteln aus, die der Nutzer per USB zuspielt.

LG, durch den Blogger mit den Tatsachen konfrontiert, verwies in seiner schriftlichen Antwort lapidar auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, denen man mit der Nutzung der Internetanwendungen zugestimmt habe. Der Kunde möge sich doch bitte an den Händler wenden, der ihn offensichtlich nicht ausreichend aufgeklärt habe.

LG Deutschland erklärte gegenüber Spiegel Online auf Anfrage, dass man die Berichte ernst nehme und der Sache nachgehe. Allerdings sei auf den Geräten in Deutschland eine andere Software installiert als in England.

Erst kürzlich hatte die Zeitschrift "Computer Bild" berichtet, dass auch die Sender über die HbbTV-Anwendungen von Smart-TVs Nutzerdaten ausspähen können. Bei jedem Senderwechsel wird demnach eine sogenannte Startapplikation aktiviert, die unter anderem die Gerätenummer und den ungefähren Standort an den Sender übertragen kann. dh
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