Sky Innovationszentrum Die erste Bilanz von "Play"-Leiterin Julia Laukemann

Freitag, 25. November 2016
Julia Laukemann, Entwicklungschefin und Leiterin von Play
Julia Laukemann, Entwicklungschefin und Leiterin von Play
Foto: Sky

Im August startete Sky Deutschland mit "Play" eine Initiative, um Innovationen aus den Bereichen Medien und Unterhaltung zu entwickeln. Julia Laukemann, Entwicklungschefin und Leiterin von "Play", zeigt sich gegenüber HORIZONT Online sehr zufrieden mit den Einreichungen. "Eine hohe dreistellige Zahl" an Ideen habe sie bislang erreicht, die meisten davon zum Thema Virtual und Augmented Reality. Ende März sollen die ersten Teams ihre Ergebnisse präsentieren, kündigt Laukemann an.

Den Innovation Hub "Play" gibt es nun seit etwa drei Monaten. Welche Idee bzw. Innovation hat Sie bislang am meisten überzeugt? Wir haben uns mit den Ideengebern darauf geeinigt, so früh noch nicht zu viel über die einzelnen Ideen zu verraten, um nicht unnötigen Erwartungsdruck zu erzeugen. Aber am meisten überzeugt hat mich bisher ohnehin die Fülle und Vielfalt der Ideen und Persönlichkeiten, die Play zusammenbringt. Da pitcht ein Student im Grundstudium ohne jede Start-up-Erfahrung nach einem gestandenen Ingenieur im besten Alter aus einem Großkonzern und vor zwei Seriengründern. Und die Themen sind noch facettenreicher. Play hat es schon jetzt geschafft, eine ansteckende, kreative Atmosphäre zu erzeugen, in der alles möglich scheint. Das begeistert mich wirklich sehr.

Fernsehsender haben es heute bekanntlich nicht leicht. Die Konkurrenz durch Plattformen wie Youtube und Snapchat sowie von VoD-Anbietern wie Netflix und Amazon ist immens. Inwiefern ist "Play" eine Antwort auf den gestiegenen Innovationsdruck von TV? Der Innovationsdruck steigt ohne Zweifel, nicht nur, aber auch bei uns im Entertainment-Sektor. Dauerhaft mit seinen Produkten erfolgreich zu sein ist in jedem Fall eine Herausforderung und hängt stark von der Innovationskraft des Unternehmens ab. Play soll dabei allerdings weniger eine Antwort sein, als ein völlig neuer Blickwinkel, einer, der uns bisher verwehrt ist. Und damit beginnt Innovation – mit neuen Perspektiven und ungewöhnlichen Ansätzen.

Wie viele Start-ups bzw. Ideengeber haben bislang das Angebot von "Play" wahrgenommen? Im ersten Batch sind vier Teams ins Play Office eingezogen. Den zweiten Batch, mit Start zum Jahreswechsel, stellen wir aktuell zusammen.

Am 1. September fand der erste Pitch Day statt. Welches Fazit ziehen Sie? Wir sind sehr glücklich mit dem Ablauf, der Resonanz und der Qualität der Einreichungen – damit steht und fällt das Programm. Wir haben bereits einige fantastische Ideen gehört und ebenso inspirierende wie leidenschaftliche Innovatoren kennenglernt. Das war ein großartiger Auftakt für Play. Auch unser zweiter Pitch Day war ein voller Erfolg. Wir sind sehr optimistisch auch in der zweiten Runde einen tollen Mix an Teams in unserem Hub begrüßen zu dürfen. Aus welchem Bereich kommen bislang die häufigsten Konzepte? Bei den bisherigen Einreichungen ging es vor allem um Virtual Reality, Augmented Reality, Apps und Plattformen aller Art, um Mobile Entertainment oder Edutainment-Ideen. An dieser Stelle möchte ich aber nochmals deutlich machen, dass wir bei Play bewusst offen für jede Form von Entertainment-Ideen sind. Play ist nicht auf einen bestimmten Sektor festgelegt. Einzige Einschränkung: Wir suchen nach Produkt-/Geschäftsmodell-Ideen, nicht nach Konzepten für Shows, Serien oder Filme.

Sind es eher eigene Mitarbeiter, die sich mit Konzepten einbringen, oder externe Ideengeber? Wir konnten bereits eine hohe dreistellige Zahl an Einreichungen verzeichnen - was uns überaus freut. Knapp über eine Drittel davon kommt von Mitarbeitern.

Warum will sich Sky überhaupt externe Ideengeber ins Haus holen? Ist das nicht ein Eingeständnis der Ideenlosigkeit der eigenen Mitarbeiter? Diese etwas provokante Schlussfolgerung würde eine innere Grundhaltung wie "wir wissen alles selbst am besten" nahelegen. Diese Einstellung kann man haben. Viele Unternehmen tun das auch – bewusst oder unbewusst. Allerdings haben Open Innovation Projekte aus allen Branchen in den letzten Jahren unzählige Male bewiesen, welchen Mehrwert auf diese Weise generierte Ideen und Innovation für die Weiterentwicklung eines Marktes oder Themas liefern können. Zudem ist es eine Binsenweisheit im Innovationsmangement, dass frische Blickwinkel und unterschiedliche Perspektiven, andere Gedanken und neue Ideen erzeugen. Mit anderen Worten: Wir vertrauen weiterhin auch auf unsere Innovationskraft, sind aber realistisch genug, zu wissen, dass wir nicht die einzigen mit tollen Ideen sind. Für diese wollen wir offen und zugänglich sein. Was genau passiert mit einem Ideengeber und seinem Konzept, wenn es die Jury bei Sky Play überzeugt hat? Schritt 1: Wir regeln die Details der Zusammenarbeit – ganz seriös und bodenständig in einem Vertrag. Das ist notwendig und nur fair für alle Beteiligten. So weiß jeder, worauf er/sie sich einlässt. Schritt 2: Einzug ins Office, Kickoff mit unseren Mentoren und Zusammenstellung der sogenannten "Supporting Teams". Je nachdem, in welchem Reifegrad sich eine Idee, der Ideengeber oder gar das Ideenteam befindet und welche Skills sie mitbringen, stellen wir ein Team aus Designern, Ingenieuren, Business Modelling Ressourcen, Marketeers, etc. zusammen. Diese helfen den Ideengebern fortan, testbare Prototypen zu entwickeln und eventuell im nächsten Schritt auch ein Minimum Viable Product (MVP) auf die Straße zu bringen. Schritt 3: Kaffee, Postits und Gespräche über die Idee und deren Umsetzung – oder wie man auch sagen kann: Workshops, Workshops, Workshops.

Wie viele Konzepte wollen Sie mit "Play" bis Ende des Jahres umsetzen? Gibt es konkrete Zielvorgaben? Nein, wir haben es bewusst von Beginn an ausgeschlossen, eine Quote erfüllen zu müssen. Das würde alles konterkarieren, wofür Play steht. Wir warten jetzt mal ab, wie sich die ersten Teams entwickeln und versuchen gleichzeitig, für den nächsten Batch erneut ein spannendes Set an Teams zusammenzustellen. Alles andere kommt dann von allein.

Was müssen die Konzepte haben, damit Sky Geld in die Umsetzung investiert? Wir bewerten im Rahmen des Auswahlprozesses, bei dem auch das externe Mentoren Team Mitspracherecht hat, nach drei Kernkriterien: 1. Passion – die Leidenschaft des Ideengebers für seine Idee, aus der wir dann auch eine potenzielle Schlagkraft und Umsetzungsstärke im Play Prozess ableiten bzw. antizipieren. 2. Innovation Power – ist die Idee wirklich neu oder nicht. Hat sie die Chance disruptiv zu sein bzw. zu werden oder hat sie eine Facette, die bestehenden Produkten einen komplett neuen Charakter geben könnte. 3. Machbarkeit – Play ist nicht als Hochtechnologielab ausgestattet, das sich erlauben könnte, Technologietrends, die erst in zehn Jahren einen gewissen Reifegrad erreichen können, auszutesten. Insofern können gerne Ideen gepitcht werden, die auf Technologien basieren, die in zwei bis fünf Jahren eine Massenmarktreife erreichen können. Eben weil sich die Innovationszyklen so rasant entwickeln, fokussieren wir uns bei der Analyse der Machbarkeit darauf, in Play wirklich greifbare Innovationen zu fördern – anstatt reine
Technologiestudien, die noch einen sehr langen R&D-Prozess vor sich haben.

Wann werden wir die erste Umsetzung eines Konzeptes aus "Play" bei Sky sehen? Voraussichtlich werden die ersten Teams ihre Ergebnisse Ende März präsentieren. Es wird also noch ein paar Monate, einige Liter Kaffee und unzählige Postits, Prototypes und User Tests dauern.

Interview: Giuseppe Rondinella

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