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Das aktuelle Spiegel-Cover
Der Spiegel

"Sie sind da" Das polarisierende Sonder-Cover des Spiegel zum Wahlausgang

Das aktuelle Spiegel-Cover
Seit heute liegt die Sonderausgabe des Spiegel zur Bundestagswahl am Kiosk. Ähnlich wie bei den Trump-Titeln haben sich die Macher des Nachrichtenmagazins für eine alarmierend-provokante Darstellung der Ereignisse auf dem Cover entschieden.
von Ingo Rentz, Dienstag, 26. September 2017
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    "Sie sind da", heißt es auf dem Titelbild, das in blau-weißer Optik die Köpfe der AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland zeigt, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck genau zwischen den beiden - und vor allem deutlich darunter - platziert. "Nach der Wahl: Die Afd überrollt die Volksparteien", lautet die Unterzeile. 

    Gestern hatte der Spiegel-Verlag angekündigt, die Wahl und das Ergebnis in einer Sonderausgabe aufzuarbeiten. Diese ist 132 Seiten stark und bietet Analysen, Interviews, Kommentaren und Reportagen. Der Copypreis liegt bei 4,90. In der Hausmitteilung der digitalen Ausgabe erklärt Susanne Beyer, stellvertretende Chefredakteurin beim Spiegel, das Cover folgendermaßen: "Das starke Abschneiden der AfD war abzusehen. Dass es zusammenhängen würde mit einem Verdruss an der Kanzlerin ebenfalls. Wie deutlich aber dieser Zusammenhang ist, das zeigten am Wahlabend die Ergebnisse. Unser Titelbild also: eine kleine Merkel, verzagt und leicht verdrossen, überragt vom AfD-Duo Weidel/Gauland. Titelezeile: Sie sind da."

    Die Aufmachung der Titelseite sorgt allerdings für Diskussionen: Die AfD kommt im amtlichen Endergebnis der Bundestagswahl auf 12,6 Prozent. Kann man da wirklich davon sprechen, dass die AfD die anderen Parteien "überrollt"? Und bestätigt der Spiegel damit nicht eine oft gehegte Vermutung, nämlich das die breite mediale Thematisierung der AfD dieser letztendlich nutzt? Auf Twitter ist jedenfalls bereits eine breite Debatte über das Cover im Gange (siehe Twitter-Schau unten). Die Grünen-Politikerin Katharina Dröge etwa spricht vom schlechtesten Spiegel-Titel seit langer Zeit.
    Springer-Manager Romanus Otte äußert sogar die Ansicht, das Titelbild sei "wohl nur mit Sympathie für deren Positionen (Alles wird Wut) zu erklären". Das bringt ihm einen Konter von Spiegel-Journalistin Isabell Hülsen ein: "Lieber Romanus, Kritik am Titel? Gerne! Aber uns Sympathie mit der AfD zu unterstellen ist selbst als Witz zu schlecht", twittert sie zurück, woraufhin Otte nachlegt, er sehe eher eine Sympathie für die AfD-Position "Merkel muss weg".
    Die Diskussion zeigt, was sich zuletzt auch in den Talkshows und Diskussionsrunden zur Bundestagswahl angedeutet hatte: Deutschland ist angesichts des Aufstiegs der Rechtspopulisten schwer verunsichert und tief gespalten, wie damit nun umzugehen sei. Zwar ist völlig klar, dass es nicht das eine Patentrezept geben kann - das Umherirren der Protagonisten aus Politik und Medien zwischen Medienschelte und Politiker-Bashing verdeutlicht jedoch, wie schwer sich die Beteiligten mit Antworten tun.

    Für den Spiegel ist es derweil beileibe nichts Neues, dass sich so vehement über eine Titelseite des Nachrichtenmagazins gestritten wird. Zuletzt sorgten vor allem die Cover zu US-Präsident Donald Trump für Diskussionen. Die Darstellungen des kubanisch-amerikanischen Künstlers Edel Rodriguez wurden teilweise als zu hysterisch und unangemessen kritisiert. Zu dem Cover, das Donald Trump mit dem abgeschlagenen Kopf der Freiheitsstatue zeigte, schrieb Clemens Wergin, US-Korrespondent der Welt: "Man macht sich schlicht lächerlich, wenn man Trump anhand einer bisher äußerst dürftigen Faktenlage schon mit den IS-Barbaren vergleicht."
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    Bild: Spiegel

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    Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer rechtfertigte die Darstellung hinterher als nicht besonders provokant. Gegenüber Reuters sagte er: "Wir zeigen, worum es geht. Es geht um Demokratie, es geht um Freiheit, es geht um Pressefreiheit, Freiheit und Gerechtigkeit und alles, was ernsthaft in Gefahr ist."

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