Second Life reloaded Facebook kauft mit Oculus Rift ein Ticket für die virtuelle Realität

Mittwoch, 26. März 2014
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Auch nach dem Rekordabschluss für Whatsapp bleibt Facebookchef Mark Zuckerberg weiter im Einkaufsmodus. Der Kauf von Oculus Rift für 2 Milliarden US-Dollar in Aktien und direkten Zahlungen mag zwar im Vergleich zu den 19 Milliarden Dollar des Whatsapp-Deals wie Taschengeld wirken, doch Facebook bezahlt diese Summe für ein Produkt, das noch gar nicht auf dem Markt ist. Die Virtuelle-Realität-Brille (VR) von Oculus könnte allerdings mit Facebooks Rückendeckung ein Thema wieder auf die Agenda setzen, das seit dem unrühmlichen Absturz von Second Life eigentlich als beendet galt.
Offiziell wollen die Partner die Erwartungen nicht zu hoch werden lassen. So teilte Brendan Iribe, der CEO von Oculus, seinen Mitarbeitern in einer Rundmail mit: "Wir bleiben Oculus, wir bauen weiterhin an der Oculus Rift, unsere E-Mail-Adressen bleiben @oculusvr.com und am wichtigsten: auf unseren Hoodies wird auch in Zukunft Oculus stehen." Allerdings macht Iribe auch klar, dass er durchaus direkte Synergien zum neuen Mutterkonzern sieht. So sagte Iribe im Interview mit der Nachrichten-Site Techradar: "Wir glauben, dass die ultimative Anwendung für Oculus Rift soziale Kommunikation ist. In diese Richtung wird es langfristig gehen."



Ob Iribe mit derartigen Statements vor allem das öffentliche Interesse an seinem Unternehmen befeuern will, sei dahingestellt. Sicher ist derzeit nur, dass schon jetzt Unternehmen jenseits der Gaming-Branche deutliches Interesse an der VR-Brille haben. Für werbungtreibende Unternehmen suggeriert die Rift vor allem im Experiental Marketing viele reizvolle Möglichkeiten. In einer Videoreportage des Marketingfachblatts "Brand Republic" gibt der befragte Experte zu Protokoll: "Aus vielen Unternehmen höre ich, dass sie unbedingt etwas damit machen wollen."



Der Hype erinnert in seinen Grundzügen schon ein wenig an die großen Erwartungen, die der virtuellen Welt Second Life bei ihrer Freischaltung 2003 entgegenschlug. Viele Unternehmen ließen sich von ihren Agenturen überzeugen und kauften Land in der dreidimensional erforschbaren Umgebung, um sich mit eigenen Markenlandschaften zu präsentieren. Doch letztlich scheiterte das Großprojekt von Linden Labs an seiner sperrigen Steuerung und der Tatsache, dass die Nutzer auch die virtuelle Welt nur am gewohnten Bildschirm erleben konnten. Heute ist der einstige Hoffnungträger des digitalen Marketing nur eine Online-Community unter vielen.

Wie konsequent und vor allem wie schnell sich Oculus zusammen mit Facebook diesem Thema stellen wird, steht derzeit in den Sternen. Schließlich steht noch kein Datum für die Markteinführung der Rift-Brille fest. Zudem ist durchaus denkbar, dass der tatsächliche Markterfolg deutlich niedriger ausfällt als es sich Oculus und Geldgeber Facebook derzeit erhoffen. Vorausgesetzt, Oculus kann die Voraberwartungen tatsächlich einlösen, liegt es allerdings nahe, dass Facebook mittelfristig eine VR-Community-Lösung entwickeln wird, um die Möglichkeiten der Brille in der digitalen Kommunikation zu nutzen. Facebook-CEO Mark Zuckerberg sieht dieses Potenzial auf jeden Fall: "Oculus hat das Potenzial, die sozialste Plattform aller Zeiten zu sein." Ob sich diese Plattform künftig über Werbung oder über den Verkauf virtueller Güter finanzieren könne, werde man noch testen müssen. Die Veteranen von Second Life werden es aufmerksam beobachten. cam
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