Scribershub Ex-"Für Sie"-Chefin Sabine Fäth startet Matchmaker-Plattform für Schreiber

Mittwoch, 05. Oktober 2016
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Single-Börse für Schreiber: Die frühere Frauenmagazin-Chefredakteurin Sabine Fäth ("Für Sie", "Tina") schaltet ihr Vermittlungsportal scribershub.de frei, das Texter, Journalisten und Autoren mit Verlagen, (Content Marketing-, Werbe- und PR-) Agenturen und Unternehmen zusammenbringen will. Seit März haben sich laut Fäth über 400 freischaffende Schreiber kostenlos registriert. Und ab diesem Mittwoch können potenzielle Aufraggeber gegen Bezahlung gezielt nach den Text-Dienstleistern suchen.

Damit erinnert Scribershub auf den ersten Blick an Modelle wie twago.de, textbroker.de, greatcontent.de, torial.com oder einst dieredaktion.de. Doch dabei gehe es oft nur um Zweitverwertung vorhandener Texte, um Versteigerungen von Auftragsarbeiten, um Content-Aggregation, um Verlinkung von Arbeitsproben, sagt Fäth. Scribershub dagegen sei "keine Handelsbörse für Inhalte, sondern ein Kontaktportal für Köpfe, eine Matchmaker-Plattform für Schreiber und Schreibsuchende". Um sich mit seiner digitalen Visitenkarte als Schreiber zu registrieren und präsentieren, muss man sich bei ihr regelrecht bewerben, mit Arbeitsproben und Referenzen.

Doch warum sollten Verlags-, Agentur- und Unternehmensredaktionen mit ihren eigenen guten Kontakten Scribershub überhaupt nutzen? "Wenn es schnell gehen muss, gerät ein Medienmacher allein mit seinem Netzwerk oft an seine Grenzen", erklärt Fäth: "Und wenn eine Redaktion immer nur auf ihre besten Kontakte zurückgreift, läuft sie Gefahr, thematisch und stilistisch zu sehr im eigenen Saft zu schmoren." Doch die Neuakquise freier Autoren sei oft mühsam und zeitaufwendig, erinnert sie sich an ihre 15 Jahre als Redaktionsleiterin.

Oft habe sie sich eine Plattform gewünscht, auf der sie die richtigen Schreiber (die "Hidden Champions") für die richtige Storys zum richtigen Zeitpunkt hätte finden können. So sei die Idee für Scribershub entstanden. Rückenwind erhält sie vom fortschreitenden Outsourcing redaktioneller Arbeiten an Freelancer. Ihr Ziel formuliert Fäth ehrgeizig: "Mein Anspruch ist es, ein großes internationales Community-Netzwerk aufzubauen." Sozusagen Freelancer.com auf Deutsch. Die Länderdomains für Österreich, Schweiz und .com hat sie sich gesichert.

Und ihr Business? Wer Schreiber sucht, kann sich einen Zugang für unterschiedliche Zeiträume (24 Stunden, sechs Tage, 30 Tage, 90 Tage) kaufen. Je länger man bucht, desto mehr Such- und Sonderfunktionen gibt es, bis hin zu eigenen Communitys mit virtuellen Themenkonferenzen. Fäth weiß, dass Suchende versucht sein könnten, die Scribershub-Datenbank mit einem Kurzzeit-Ticket schnell mal auszuschlachten. Dagegen sichert sie sich in ihren AGBs mit Obergrenzen, Mahnungen und zur Not auch Sperrungen ab. "Wir gewährleisten, dass Schreibsuchende nur bei ernsthaften Anfragen auf unsere Community zugreifen", sagt Fäth. Auf Wunsch (und gegen Bezahlung) übernimmt sie die Suche auch selbst. Das Schreibhonorar machen dann stets Auftragnehmer und -geber unter sich aus.

Mögliche Erweiterungen ihres Geschäftsmodells liegen auf der Hand: So werden bei Scribershub ausgewählte Texte offen zu lesen sein, wegen der Google-Optimierung und Facebook-Präsenz. So könnte ein Inhaltsportal mit Werbevermarktung entstehen. Oder auch eine Stellenbörse, die Freelancer zu Angestellten macht. Von beidem will Fäth, die das Projekt Scribershub mithilfe der Hamburger Web-Agentur Bornholdt Lee ansonsten alleine stemmt, aber noch lange nichts wissen – dies für die Zukunft jedoch nicht ausschließen. rp

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