Screenforce Day Alt-Bundespräsident Wulff appelliert an Verantwortung der Medien

Mittwoch, 11. Mai 2016
Christian Wulff auf dem Screenforce Day
Christian Wulff auf dem Screenforce Day
Foto: Ingo Rentz

Mit einer politischen und nachdenklich machenden Keynote hat Alt-Bundespräsident Christian Wulff den Auftakt zum Screenforce Day in Düsseldorf gegeben. In weltweit bewegten Zeiten, wie im Moment, müssten sie sich auch als eine tragende Säule der Demokratie verstehen, sagte er vor rund 1500 Zuhörern.

Angesichts der zunehmenden Komplexität, die sich durch Globalisierung und Digitalisierung ergibt, stünden die Medien in einem Zwiespalt einerseits zu erklären, andererseits zu verdichten. Damit sie ihre Rolle gut erfüllen können, "müssen wir solidarisch sein mit den Medien und sie uns etwas kosten lassen", so Wulff.

Er forderte aber auch die Medien zu einem vernünftigen Umgang mit Politikern auf. "Wenn Politiker nur mit Häme überzogen werden, will es irgendwann keiner mehr machen. Wir brauchen vielmehr Fairness als Häme und Gehässigkeit." Zudem müsse Qualität und Präzision in der Berichterstattung trotz aller Beschleunigung noch im Mittelpunkt stehen.

Wulff sieht auch die Vielfalt der Medien als entscheidende Voraussetzung für Meinungsvielfalt. "Wir brauchen unterschiedliche Meinungen statt Herdentrieb und Mainstream", sagt er mit Blick auf klickgetriebenen Journalismus.

Social Media sieht Wulff in diesem Kontext kritisch. Insbesondere Algorithmen, die Nachrichten nach Interessensgebieten vorfiltern wie bei Facebook sieht er kritisch. Menschen, die Nachrichten in solchen "Echo-Kammern" empfangen seien schnell der Meinung, dass alle ihre Meinungen teilen. "Die Menschen wärmen sich am Herdfeuer ihrer Überzeugung." 
„Ich spreche unglaublich gern auf Mailboxen.“
Christian Wulff
Die Medien selbst müssten jedoch auch Kritik ertragen. "Wer austeilt, muss auch einstecken können. Das gilt auch für Journalisten." Aus Wulffs Sicht habe sich in dieser Hinsicht jedoch schon einiges getan. Meldungen würden häufiger korrigiert und reflektiert.

Der Alt-Bundespräsident, der vor seinem Rücktritt auch wegen einer Nachricht auf der Mailbox des damaligen "Bild"-Chefredakteurs Kai Diekmann in der Kritik stand, zeigt zum Ende noch Selbstironie: "Ich spreche unglaublich gern auf Mailboxen", verriert er Moderator Wolfram Kons. "Haben Sie auch eine?", fragte Kons. Wulff: "Nein". pap

Meist gelesen
stats