Scott Spencer Google-Manager sieht freien Zugang zu Informationen in Gefahr

Freitag, 08. Januar 2016
Scott Spencer ist Director Product Management Sustainable Advertising bei Google
Scott Spencer ist Director Product Management Sustainable Advertising bei Google
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Google Scott Spencer Adblocking Adblock Plus Adblocker


Beim Thema Adblocking hat sich Google hierzulande bislang kaum mit Ruhm bekleckert. Den Platz auf der Whitelist von Adblock Plus hat der Konzern, der 90 Prozent seiner Umsätze mit Werbung generiert, aus der Portokasse bezahlt, während deutsche Publisher noch immer klagen. Im Interview mit HORIZONT schlägt Google-Manager Scott Spencer jetzt Alarm – und sieht nichts weniger als das offene Internet in Gefahr.
Scott Spencer über ... Googles Position zu Adblockern:
"Wir schauen uns Adblocking vor allem hinsichtlich der Nutzererfahrung mit Onlinewerbung an. Uns ist hierbei sehr wohl bewusst, vor welchen teils fundamentalen Fragestellungen Anbieter stehen, deren redaktionelle Angebote durch Adblocker bedroht werden. Denn die eigentliche Herausforderung besteht letztlich nicht im Aufkommen von Adblocking, sondern vielmehr bei den Nutzern, die sich dazu entscheiden, Adblocker einzusetzen, aufgrund einer nicht befriedigenden Erfahrung mit Werbeanzeigen. Hierbei ist egal, auf welchen Internetseiten sie diese sammeln."

... zur Festsetzung von Standards für Werbeformate:
"Google kann und will keine Standards allein etablieren. Hier muss die Branche gemeinsam vorgehen. Im Rahmen unserer Digital News Initiative haben wir das auch mit Verlagsvertretern aus ganz Europa diskutiert. Wir wollen an der Entwicklung neuer Werbe-Standards mitarbeiten – nicht zuletzt auch deshalb, um das offene Internet zu schützen. Aber wir stehen an einem Scheideweg: Sobald die Branche auf Onlinewerbung verzichtet oder sie deutlich reduziert, betritt man eine Welt, in der für Inhalte bezahlt wird. Vielen Nutzern von Adblockern ist das nicht klar. Wir glauben zwar nicht, dass das unbedingt die ideale Variante ist, denn der kostenlose Zugang zu Informationen im Internet ist ein wichtiges Gut. Aber vielleicht führt kein Weg daran vorbei."


... Werbeformen, die von Nutzern akzeptiert werden:
"Gut funktionieren in der Regel native Formate, die im intuitiven Verlauf der Seite eingebettet sind. Das ist ja auch ganz klar: Auf der Straße werden die Leute schließlich auch nicht von Billboards  aufgehalten – trotzdem wirken sie."


... den Gefahren bei der Nutzung von Adblockern:
"Was viele Nutzer nicht bedenken: Sobald sie einen Adblocker installieren, erlauben sie dem Tool, sie durchs Internet zu begleiten. Das muss es auch, wie sollte es sonst Werbung auslesen und blockieren? Doch anzunehmen, dass es der Adblocker dabei belässt und sich nicht für andere Daten  interessiert, halte ich für einen Irrglauben."

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