Score Media Wo ist Heiko Genzlinger?

Freitag, 10. Juni 2016
Heiko Genzlinger steht seit Februar dieses Jahres an der Spitze von Score Media
Heiko Genzlinger steht seit Februar dieses Jahres an der Spitze von Score Media
Foto: Score Media

Es gärt, es brodelt, es braut sich was zusammen: Wenn Heiko Genzlinger, seit März dieses Jahres Chef des nationalen Zeitungsvermarkters Score Media, der Öffentlichkeit nicht bald ein überzeugendes Konzept präsentiert, droht eines der großen Prestigeprojekte der Branche ernsthaft Schaden zu nehmen. Was zusätzlich für Zündstoff sorgt: Auch intern rumort es vernehmlich, führende Manager des Medienhauses Deutschland stehen womöglich kurz vor dem Absprung. Sollte sich das bewahrheiten, wäre der Imageschaden enorm. Und die Umsatzentwicklung in der nationalen Zeitungsvermarktung – das ist die schlechte Nachricht Nummer 3 – leidet bereits jetzt bedenklich.
Dabei wollten die Zeitungsleute diesmal alles besonders gut und richtig machen. Der neue Vermarkter Score Media, der die beiden bisherigen Anbieter NBRZ und Medienhaus Deutschland (MHD) ersetzen soll, steht für den Aufbruch in ein neues Zeitalter. Damit daraus ein Erfolg wird, suchte man monatelang mithilfe eines renommierten Personalberaters nach dem richtigen Mann an der Spitze und beriet sich intern ausgiebig.
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Bild: Heiko Genzlinger

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Am Ende fiel die Wahl auf einen Mann, der mit regionalen Tageszeitungen bisher nicht viel am Hut gehabt hatte: Heiko Genzlinger. Er hatte es als Chef von Yahoo Deutschland in der Branche zu Bekanntheit und Ansehen gebracht. Dass er nicht eben als ausgewiesener Experte für die Gattung Zeitung gilt, die er fortan vertreten und vermarkten soll, schien verschmerzlich: Unter anderem mit Sven Holsten (NBRZ), Matthias Schönwandt und Friederike Bahlinger (beide Medienhaus Deutschland) sind schließlich Hochkaräter an Bord, die das Metier Tageszeitung aus dem Effeff beherrschen sowie über die nötigen Erfahrungen und Kontakte verfügen. In seinem ersten Statement als Score-Media-Chef verbreitete Genzlinger durchaus Angriffslaune: „Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe und sehe die einmalige Chance, den deutschsprachigen Werbemarkt nachhaltig zu verändern.“ Allein: Seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört, was vor allem die Mediaagenturen zunehmend irritiert, die das Werbegeld in den Budgetverhandlungen in wenigen Monaten neu verteilen. Man braucht viel Optimismus, um noch an die Ruhe vor dem Sturm zu glauben, für den Score Media im Werbemarkt sorgen will. In Düsseldorf, dem Sitz des neuen Vermarkters, tut man das. Man habe viele Hausaufgaben zu erledigen, heißt es dort, deshalb halte man sich in der Öffentlichkeit ganz bewusst zurück. Schließlich fange Score Media bei null an. Das gelte sowohl für den Kontakt zu den Verlagen – zum Gesellschafterstamm zählen 23 Häuser, unter anderem Funke, Madsack und DuMont – als auch für die Entwicklung von vermarktungsfähigen Produkten und deren Pricing. Parallel dazu bastle man fleißig an der personellen Aufstellung. Unterstützung sucht Genzlingers Mannschaft vor allem in den Bereichen Sales, Client Services, Product Management, Forschung und Human Resources. NBRZ-Mann Holsten soll offenbar den Posten des Sales Director übernehmen und damit kein Mitglied der Geschäftsführung werden.

Dabei könnte Score Media durch die Eingliederung von NBRZ (seit 1979 im Markt) und Medienhaus Deutschland (seit 2013) theoretisch von zahlreichen Synergieeffekten profitieren, gerade was die Produktpalette betrifft. Breite Angebote für Reichweitenfans, eng zugeschnittene für die Premiumliga, günstige für Einsteigerkunden, erweiterte für den Mittelstand, zeitlich flexible für terminunabhängige Kommunikation – alles wurde schon einmal durchdacht, alles schon eingeführt. Selbst leistungsabhängige Pricingmodelle gibt es in der vermeintlich verstaubten Branche. Deshalb hat Genzlinger eigentlich keine Zeit, das Rad neu zu erfinden, zumal ihm der Springer-Konkurrent Media Impact mit längst etablierten und funktionierenden Strukturen im Nacken sitzt. Der neue Mann muss Gesicht zeigen. kan/js
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