"Schreibtisch-Ideologen" Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt wirft BildBlog Verleumdung vor

Montag, 17. August 2015
Fühlt sich von "Schreibtischideologen" verleumdet: Bild.de-Chef Julian Reichelt
Fühlt sich von "Schreibtischideologen" verleumdet: Bild.de-Chef Julian Reichelt
Foto: Axel Springer

In deutlichen Worten setzt sich Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt gegen einen Text des Bild-Blog zur Wehr, in dem ihm vorgeworfen wird, Fremdenhass in Deutschland zu befeuern. In einem langen Facebook-Posting wirft er Bild-Blog-Machern Mats Schönauer und Stefan Niggemeier "Verleumdung übelster Sorte" vor.
"Es gibt Gesinnungen, die sollte man Menschen nicht unterstellen, ohne sich seiner Sache verdammt sicher zu sein. Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass gehören dazu", beginnt der Facebook-Eintrag von Reichelt. "Zwei Blogger namens Mats Schönauer und Stefan Niggemeier unterstellen BILD und mir, wir würden 'Hass gegen Flüchtlinge' schüren." Ein Vorwurf, den Reichelt, der sich zuletzt in mehreren Kommentaren für die Aufnahme von Flüchtlingen stark gemacht hat, nicht auf sich sitzen lassen will.

** Ein Statement des BILD.de-Chefredakteurs Julian Reichelt zum Vorwurf, er würde Hass gegen Flüchtlinge schüren.**Es...

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Stein des Antoßes ist ein bereits in der vergangenen Woche im BildBlog erschiener Text mit der reißerischen Headline: "Wie 'Bild' den Hass gegen Flüchtlinge schürt". Darin dokumentiert Schönauer unter anderem die Reaktionen auf den Artikel "HVV drückt bei Flüchtlingen ein Auge zu" der "Bild Hamburg". Aus "Angst vor schlechter Presse" habe der HVV seine Fahrkartenkontrolleure angewiesen, bei Flüchtlingen, die ohne Ticket angetroffen werden, ein Auge zuzudrücken - und das obwohl Flüchtlinge 149 Euro Taschengeld pro Monat bekommen, davon 25,15 Euro für die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs, schreibt die "Bild". Die Reaktionen vieler Leser waren vorhersehbar. Der Tenor: Bei Flüchtlingen wird Schwarzfahren geduldet, während der kleine Bürger abkassiert wird. Schönauer schließt seinen Text mit dem drastischen Bild: "Die Hütte brennt, 'Bild' schüttet Benzin nach, und Julian Reichelt steht davor und tut so, als wolle er löschen.

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Bild: Screenshot Twitter

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"Das ist nichts anderes als eine Verleumdung übelster Sorte, die ich nicht so stehen lassen werde", schreibt Reichelt auf Facebook und schildert ausführlich und mit vielen Beispielen, wie er selbst und andere Mitarbeiter der "Bild"-Zeitung Flüchtlingen in ihren Heimatländern und in Deutschland helfen. "Niemand bei BILD erwartet dafür einen Dank. Wir tun es, weil es das Richtige ist", betont der Bild.de-Chefredakteur. "Was ich persönlich allerdings erwarte, ist, dass wir dafür nicht von Schreibtisch-Ideologen wie Mats Schönauer und Stefan Niggemeier verunglimpft und als Flüchtlingshasser verleumdet werden."

Die Reaktion des BildBlog: "Julian Reichelt hat auf unsere Kritik reagiert. Nur verstanden hat er sie nicht." Es gehe nicht um das persönliche Engagement von Reichelt und seinen Kollegen, sondern um die publizistische Verantwortung der "Bild"-Zeitung, stellt Schönauer in einem weiteren Text klar. Die "Bild" würde "bewusst Fakten verschweigen oder verdrehen, um aufregende Schlagzeilen präsentieren zu können". Außerdem untermauert BildBlog seine Vorwürfe erneut mit Beispielen: So könnten nicht nur Flüchtlinge bei den Hamburger Verkehrsbetrieben auf Nachsicht hoffen, sondern auch alle anderen Fahrgäste, die zum Beispiel aufgrund von Sprachproblemen kein gültiges Ticket haben. Die "Bild" erwecke dagegen den Eindruck, nur Flüchtlinge könnten ohne Konsequenzen schwarzfahren.

Auch bei vielen Nutzern provoziert der Text von Reichelt Widerspruch: "Es geht hier doch vielmehr um die art und weise, wie bild über heikle themen berichtet und nicht um den inhalt des themas", schreibt ein Nutzer. "oft stehen die schlagzeile und der inhalt in keiner relation zueinander, aber hauptsache...sie knallt rein. und darum geht es. nehmt euch einfach etwas zurück diesbezüglich, gestalltet die schlagzeilen weniger reißerisch und schon hat sich das thema der vorwürfe erledigt - vermutlich aber auch deshalb, weil es keiner mehr lesen wollen würde." dh

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die Reaktion des BildBlog falle "kurz und lapidar" aus. Wir haben den entsprechenden Absatz ergänzt.
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