Schnelllese-Experiment Warum Bild.de das Lesemodul Spritz einsetzt

Donnerstag, 10. April 2014
Jedem Artikel auf Bild.de ist heute eine Spritz-Box vorgeschaltet
Jedem Artikel auf Bild.de ist heute eine Spritz-Box vorgeschaltet


Zeit ist heute ein hohes Gut, vor allem bei den Nutzern von Medienangeboten. Gerade auf Online-Seiten will man sich schnell informieren, die langen Lesestücke sind in der Regel gedruckten Titeln vorbehalten. Bild.de, ohnehin nicht für wortreiche Texte bekannt, will es seinen Lesern noch leichter machen, die Artikel auf der Seite durchzulesen: Heute kommt auf der stationären Website sowie mobil das Lesemodul Spritz zum Einsatz, das jedes Wort eines Artikels im Schnelldurchlauf anzeigt - und so für eine bis zu drei Mal schnellere Lesegeschwindigkeit sorgen soll. "Bild.de ist schnell. Spritz ist schnell. Wir wollen unseren Usern eine neue Technologie präsentieren, die sehr gut zu uns passt", beschreibt Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de, das Experiment. In der Spritz-Box erscheinen nacheinander alle Worte eines Textes. Damit die Augen beim Lesen auf einen Punkt fixiert bleiben und sich nicht unnötig hin- und herbewegen, ist bei jedem Wort immer ein Buchstabe rot hervorgehoben. Bis zu dreimal schneller ließen sich Texte auf diese Weise lesen, verspricht Bild.de auf der eigenen Homepage. In den kommenden Wochen soll Spritz noch auf weiteren Webseiten integriert werden, wie das in Boston und München ansässige Start-up im hauseigenen Blog erklärt.

Spritz bietet die Einstellung verschiedener Lese-Geschwindigkeiten von 250 bis 600 Wörtern pro Minute an. In der Tat werde das Lesen dadurch schneller, wie der Leseforscher Ralf Engbert im Interview mit Spiegel Online kürzlich sagte. Allerdings: Das Leseverständnis leidet. "Wer eine Geschichte verstehen will, macht sich beim Lesen Nebengedanken, die mentale Aktivität ist mehr als das Verstehen einzelner Wörter", so Engbert. Allerdings soll man mit Spritz auch gar keine langen Texte lesen: Besonders geeignet sei es für Nachrichten-Artikel sowie für SMS und E-Mails, Meldungen aus Twitter und sozialen Netzwerken, heißt es auf Bild.de.

Schneller Nachrichtenkonsum wird auch im Bewegtbild-Bereich zunehmend en vogue. Jüngstes Beispiel: CNN. Die US-Sendestation hat laut "Wall Street Journal" mit "Your 15 Second Morning" ein Nachrichtenformat entwickelt, das speziell auf den Konsum bei Twitter zugeschnitten ist. ire
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