"Schluss mit dem Rudeljournalismus" Die Chefredakteursrunde beim Publishers' Summit 2013

Mittwoch, 23. Oktober 2013
Die Chefredakteursrunde beim Publishers' Summit
Die Chefredakteursrunde beim Publishers' Summit


Der VDZ Publishers' Summit endete, wie er begann: mit einer Rückbesinnung auf journalistische Inhalte und Qualität - wozu bei den Publikumszeitschriften immer auch reichlich Emotionen gehören. Für letztere sorgte am Mittwoch vor allem die mexikanische Reporterin Ana Lilia Pérez. Standing Ovations gab es nach dem Auftritt der Journalistin, die in ihrer Heimat wegen regierungskritischer Berichterstattung seit Jahren verfolgt wird samt selbstkritischer Reflexion ihrer deutschen Kollegen. "Im Vergleich dazu kostet es uns wenig, öfter wirkliche Zivilcourage zu zeigen", sagte Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit". Vor allem aber gebe es keinen Grund zur im deutschen Journalismus so verbreiteten Konformität. Eine Aussage, die in der Chefredakteursrunde zum Abschluss der diesjährigen VDZ-Veranstaltung auf breite Zustimmung stieß. Zwar seien die Bedrohungen der Pressefreiheit hierzulande nicht mit denen in Ana Lilia Pérez' Heimat zu vergleichen. Seitdem die mexikanische Journalistin den Drogenkartellen und der Korruption in den höchsten Regierungskreisen ihres Landes nachspürt und die Verantwortlichen öffentlich an den Pranger stellt, wird sie mit Erpressung und Mord bedroht; laut der Organisation "Reporter ohne Grenzen" sind in den vergangenen Jahren 80 Journalisten ums Leben gekommen.

Laut Wolfgang Büchner, Chefredakteuer des "Spiegel", drohen der Pressefreit jedoch auch hierzulande Gefahren, was - neben dem zunehmenden Einfluss der Werbeindustrie vor allem die Vielfalt betreffe. "Es erfordert Mut, einer geballten Journalistenmeinung zu widersprechen", ergänzte "Stern"-Mann Dominik Wichmann und warnte vor sogenanntem "Rudeljournalismus".

Vor diesem Hintergrund lässt sich die Aussage von "Zeit"-Chefredakteur di Lorenzo fast als Lichtblick verstehen: "Früher gab es häufiger Themen, die gesetzt waren. Heute ist dieses Gesetz weitgehend außer Kraft gesetzt." Das führe manchmal zu miserablen Verkaufszahlen, im Idealfall aber zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Zielgruppe. "Wir haben keine Antwort, was gelingt und was nicht. Aber wir haben die Entscheidung, welches Image wir vermitteln und welche Inhalte unsere Leser bei uns finden wollen", so di Lorenzo weiter. kl
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