Satirezeitschrift Titanic zieht Erdogan mit Penis-Cover durch den Kakao

Freitag, 29. Juli 2016
Die "Titanic" macht sich über Erdogan lustig
Die "Titanic" macht sich über Erdogan lustig
Foto: Titanic

In der Türkei lässt Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan nach dem Putschversuch am 15. Juli derzeit massenhaft TV-Sender und Zeitungen schließen. Drei Nachrichtenagenturen, 16 Fernsehstationen, 23 Radiosender und 45 Zeitungen wurden mit Verweis auf den Ausnahmezustand bereits dicht gemacht. Spätestens seit heute dürfte Erdogan auch ein deutsches Medium ein Dorn im Auge sein. Die Satirezeitschrift "Titanic" macht sich mit einem provokativen Penis-Cover über Erdogan lustig.
"Erdogan im Stress: Jetzt putscht auch noch sein Penis!", lautet die reißerische Schlagzeile auf Seite 1 der aktuellen "Titanic"-Ausgabe. Noch bösartiger ist freilich das Bild von Erdogan, das auf der Titelseite prangt. Grund ist die große, gegrillte Bratwurst, die die "Titanic"-Layouter dem türkischen Staatspräsidenten zwischen die Beine montiert haben. 
Die "Titanic" macht sich über Erdogan lustig
Die "Titanic" macht sich über Erdogan lustig (Bild: Titanic)
Auch wenn es in der Türkei derzeit sicher dringlichere Probleme gibt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Erdogan gegen die "Titanic" vorgeht oder sich erneut bei der Bundesregierung beschwert, ist nicht gerade gering. Das scheinen auch die Macher der Satirezeitschrift selbst zu glauben.
"Das neue Heft ist da! Schnell abonnieren bevor Kanzlerin Tayyip Merkel TITANIC verbietet", schreibt die "Titanic" auf Twitter - und spielt damit auf die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an dem Schmähgedicht von Jan Böhmermann an, das unter anderem von Sex mit Tieren und Kinderpornografie handelte und Klischees über Türken transportierte. Merkel hatte das am 31. März 2016 in der ZDFneo-Show "Neo Magazin Royale" vorgetragene Schmähgedicht nach Protesten Erdogans damals in einer ersten Reaktion als "bewusst verletzend" bezeichnet - und die deutsche Justiz ermächtigt, gegen Böhmermann wegen Beleidigung des türkischen Staatspräsidenten zu ermitteln. Das Hamburger Landgericht hatte Böhmermann daraufhin untersagt, große Teile seines Gedichts öffentlich zu wiederholen. Die Staatsanwaltschaft Mainz prüft zudem rund 1500 Anzeigen gegen Böhmermann oder ZDF-Verantwortliche wegen Beleidigung. Ob es zu einer Anklage kommt, ist noch unklar.

Sollte es zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen, so kann die "Titanic" auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Die Satirezeitschrift hatte schon mit vielen Prominenten Ärger - unter anderem mit Papst Benedikt XVI. Nachdem Interna aus dem Vatikan nach außen gedrungen waren, hatte die "Titanic" 2012 die "undichte Stelle" als großen gelben Fleck auf der Soutane des Papstes verewigt. Was folgte, war eine Klage des Papstes, die dieser später allerdings zurückzog. mas
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