Satiremagazin "Charlie Hebdo" greift umstrittenes "Spiegel"-Cover auf

Donnerstag, 09. Februar 2017
"Charlie Hebdo" solidarisiert sich mit dem "Spiegel"
"Charlie Hebdo" solidarisiert sich mit dem "Spiegel"
Foto: Charlie Hebdo

Das Satiremagazin "Charlie Hebdo" will sich mit einem provokanten Cover solidarisch mit dem "Spiegel" zeigen. Auf dem Titel der am Donnerstag erscheinenden deutschen Ausgabe ist Bundeskanzlerin Angela Merkel als Karikatur zu sehen, ein blutiges Messer in der einen Hand, den abgetrennten Kopf des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz in der anderen.
 Das Motiv greift nach Angaben der Redaktion das umstrittene Titelbild des aktuellen "Spiegel" auf, das US-Präsident Donald Trump in ähnlicher Pose zeigt, den Kopf der Freiheitsstatue hochhaltend. Sich an den "Spiegel"-Titel anzulehnen, sei eine Geste des Respekts gegenüber den Kollegen in Hamburg, sagte die Chefredakteurin der deutschen "Charlie Hebdo"-Ausgabe, die unter dem Pseudonym Minka Schneider auftritt, am Mittwoch. "Was uns am meisten schockiert hat, war das negative Echo darauf", sagte Schneider. "Wir finden diese Titelseite ziemlich gut." In ihrer Zeitschrift erklärt die "Charlie Hebdo"-Redaktion in einer Kolumne ihre Motive: "Den Vorwurf, gegen gute journalistische Sitten zu verstoßen, kennen wir in- und auswendig", heißt es dort. "So sitzen wir im gleichen Boot, denn im Zentrum der Polemik, bei Euch wie bei uns, steht die Debatte um Meinungsfreiheit und die Art und Weise, wie man sie nutzt. Oder nicht nutzt."

Auf das für seine provokanten Darstellungen bekannte französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris verübten islamistische Terroristen im Januar 2015 einen Anschlag. Bei dem Attentat starben zwölf Menschen. Die deutsche Ausgabe von "Charlie Hebdo" erscheint seit Dezember 2016.

Mit dem umstrittenen "Spiegel"-Cover beschäftigt sich unterdessen der Presserat. Dort sind mittlerweile 16 Beschwerden gegen das Titelbild eingegangen, bestätigte die Selbstkontrollinstanz der deutschen Presse. Die Beschwerden berufen sich vor allem auf die Ziffern 1 (Achtung der Menschenwürde) und 8 (Opferschutz) des Pressekodex. Die Vorprüfung läuft bereits, am 23. März wird einer der Beschwerdeausschüsse des Presserats über den Fall beraten. dpa/dh
"Charlie Hebdo" solidarisiert sich mit dem "Spiegel"
"Charlie Hebdo" solidarisiert sich mit dem "Spiegel" (Bild: Charlie Hebdo)

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