Satire-Show Wie "Der Postillon" den großen Fernsehschirm erobern will

Freitag, 25. April 2014
Der Look von "Postillon24" erinnert an einen bekannten Nachrichtensender (Foto: NDR)
Der Look von "Postillon24" erinnert an einen bekannten Nachrichtensender (Foto: NDR)


Heute Abend ist es soweit: In der Nacht auf Samstag geht die Satireshow "Postillon24" - bislang nur im Netz zu sehen - erstmals im klassischen Fernsehen auf Sendung. Zum Start gibt es in der 15-minütigen Sendung neben neuen Beiträgen allerdings auch altbekannte Inhalte auf der Webshow. Fans dürften sich den 25. April rot im Kalender angestrichen haben: Heute Abend startet die Satireshow "Postillon24" des beliebten Satireportals "Der Postillon" im "richtigen" Fernsehen. Der NDR zeigt wie bereits berichtet immer freitags zunächst sechs Folgen der Sendung. Moderiert wird die 15-minütige TV-Version von "Postillon24" von Anne Rothäuser und Thieß Neubert, die die Show auch im Web präsentieren.

Die Sendung orientiert sich überhaupt sehr stark an dem erfolgreichen Vorbild im Netz. "Aufmacher" der ersten Sendung ist der bereits aus der Webshow bekannte Beitrag "Mutter bei der Geburt vertauscht", der im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Webvideopreis ausgezeichnet wurde. Auch die Bauchbinde mit den Kurzmeldungen kennen Fans bereits aus dem Web-TV-Format.

Allerdings nutzen die Macher die zusätzliche Sendezeit der TV-Sendung auch für neue Rubriken: Wie es sich für eine ordentliche Nachrichtensendung gehört, gibt es auch bei "Postillon 24" jetzt Experteninterviews, Reporterschalten und einen Wetterbericht. Nicht fehlen darf natürlich auch der Hinweis auf die nachfolgenden Sendung, das "Postillon 24 Nachtmagazin" mit "Zampo Ingeroni". Highlights der ersten Ausgabe: Die Reportage zum Thema "Regierung plant Erhöhung von Ein- und Mehrwegpfand zur Bekämpfung von Altersarmut" oder der Beitrag über den ersten Punk, der auch EC- und Kreditkarten akzeptiert.

In der ersten Ausgabe werden allerdings auch schnell die Schwächen des Formats deutlich: Als fünfminütiges Web-TV-Format funktioniert "Postillon24" wunderbar. Als 15-minütige Fernsehsendung teilt die Show das Schicksal jeder anderen klassischen Nachrichtensendung: Längen sind unvermeidbar, die Qualität der Beiträge schwankt und bis zum Wetterbericht muss man sich häufig schon ein wenig durchquälen.

Für den NDR und den "Postillon" könnte "Postillon24" dennoch eine klassische Win-Win-Situation sein: Der NDR kann auf dem Sendeplatz am späten Freitagabend relativ gefahrlos ein junges Satireformat auf seine TV-Tauglichkeit testen und sich mit einem bereits preisgekrönten Format schmücken, der "Postillon" im Gegenzug neue Anhänger gewinnen. Bei Youtube kommen die Clips von "Postillon24" zum Teil auf über 300.000 Zugriffe. Ob das Kalkül aufgeht, wird sich zeigen. Viel zu verlieren haben beide Seiten nicht. dh

"Postillon 24", ab 25. Februar immer freitags um 0.00 Uhr im NDR
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